Von Monstern und Menschen

Christian Topel

Skulptur Embryo.
Fotos: Fender

„Behemoth“ hat Tanja Fender ihre Ausstellung im aktuellen KunstSchauFenster betitelt. Nach jenem mythischen Monster, das erstmals im Alten Testament im Buch Hiob Erwähnung findet und ein gigantisches, furchterregendes Fabelwesen bezeichnet, das Merkmale verschiedener Tiere in sich vereint. Von der einzigen Bibelquelle über die Apokryphen und den Talmud bis hin zu dämonologischen und letztlich literarischen Schriften hat sich die Interpretation der Figur stets gewandelt: von der ersten, von Gott erschaffenen Kreatur bis hin zu einem Abgesandten der Hölle. 

1973 in Kirgisien geboren, war Tanja Fender schon als Kind von Tieren und Märchen begeistert. Sie sammelte Tierpostkarten und warf in Zoos ein genaues Auge auf die Anatomie von Tieren. Das Konzept der aktuellen – wieder von Olena Balun als Initiatorin des Konzepts kuratierten – Ausstellung, greift jene über die Jahrtausende gewachsene Mehrdeutigkeit des titelgebenden Monsters auf.

Fender kreiert in ihren Skulpturen und Zeichnungen Bildwelten, die zwischen Gewalt und Zärtlichkeit changieren, gern angehaucht mit einer subtilen Ironie. Im Mittelpunkt der Schau stehen Tierplastiken, denen Fender durch Silikon und Kunstfell eine geradezu hyperrealistische Anmutung verleiht und dem Betrachter dabei gemischte Gefühle einpflanzt. Die nackte Maus von der Größe eines Kleinkindes wirkt mit ihrer klebrigen, rosa Haut auf den ersten Blick widerwärtig, schutzlos und mitleiderregend – und doch sitzt sie aufrecht, nicht ohne eine gewisse Würde. Der menschengroße, furchterregende Weißbär hält behutsam und schützend ein gewickeltes Kind vor seiner pelzigen Brust. Und über die zwiegespaltene Faszination, die der Wolf auf den Menschen ausübt, muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Fender zeigt 16, teil extra für diese Ausstellung aus Keramik gefertige Wölfe bzw. Wölfsköpfe. 

Und so verschwimmen die Grenzen und vertauschen sich die Rollen. Wer ist hier das Ungeheuer, fragt man sich. Fender offenbart, wie schmal der Grat letztlich verläuft, zwischen Mensch und Monster, zwischen Zivilisation und Barbarei.


Informationen

KunstSchauFenster: Kuratorisches Projekt von Olena Balun

Ausstellung: Tanja Fender. Behemoth

8. Februar – 14. März 2020

Eröffnung: 8. Februar, 19 Uhr | Finissage: 14. März, 15 Uhr

Adresse:

bombillas
Münchener Str. 68
83022 Rosenheim

Öffnungszeiten:

Mi-Fr 10-18 Uhr
Sa 10-14 Uhr 

 

www.olenabalun.de

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