Schüttel Dein Haar für mich!

Catherine Bruha

Fotos: Hicktown Records

Auf ihrem Debütalbum “Grünblau” vermengen die vier Vollblutmusiker der Band K-STE unterhaltsamen, sozialkritischen Deutsch-Rap mit dem harten Klangteppich des Rock.

Wer je ein Rock- oder Metal-Konzert besucht hat, weiß, was “Headbangen” bedeutet. Eingefleischte Fans des Genres wirbeln ihre teils Jahrzehnte gezüchtete Mähne durch die Lüfte und riskieren für ihre Idole mitunter eine mehrtägige Nackenmuskelverspannung. Das gehört sozusagen zum guten Ton. Anders auf einem klassischen Deutsch-Rap-Konzert. Der geneigte Hip-Hopper hört eher auf die Texte. Leichtes Rudern mit den Armen, mehr Bewegung erlaubt das Coolness-Gebot nicht. So lautet zumindest das Klischee. In Wirklichkeit haben spätestens in den 90ern Crossover-Combos wie Such A Surge, H-Blockx oder Megavier mit der Abgrenzung aufgeräumt. 

In diese Kerbe hauen auch K-STE. Ironische, sozialkritische Deutsch-Rap-Texte treffen auf Rock; Beats aus dem Computer treffen auf echte Instrumente. Selbst betiteln sie ihren Sound als “Head Rapper Mukke”. Den Band-Namen verdankt das deutsch-österreichische Quartett den Initialen von Frontmannes Kenny Steigmann. Der gebürtige Sachse schreibt schon seit unzähligen Jahren Texte und ist der kreative Kopf, wenn es um die Kompositionen geht. Unterstützung bekommt er von seinem Kompagnon Reinhard Gross alias Reini, der mit seinem Raublinger Tonstudio und Musiklabel Hicktown Records auch für Produktion, Aufnahme, Mix und Mastering verantwortlich ist.

Kennengelernt haben sich die beiden kurz nach Kennys 18. Geburtstag. Die Freundin des Nachwuchs-Rappers spendierte ihrem wortgewandten Liebling, der bis dato allein in seinem Kämmerlein vor sich hin schwadronierte, eine professionelle Studioaufnahme für einen seiner Tracks. “Ich dachte erst, ich bin im falschen Film, als mir Reini die Studiotür öffnete”, erzählt Kenny. “Da war er noch voll in seiner Punk-Phase, mit Iro, kaputter Hose und sogar einem Loch in einem seiner Socken!”

Die Chemie zwischen den beiden stimmte jedenfalls. Sie blieben in Kontakt und brachten (mit kompositioneller Unterstützung von Robert Zimmer) eine EP mit drei Tracks von K-STE als Soloprojekt auf den Markt. Nach ein paar Solo-Auftritten mit musikalischem  Playback setzte sich bald die Erkenntnis durch, dass live gespielter Sound sicherlich mehr Power entfalten würde. Mit Matthias Griehl alias Santos am Bass, Florian Schwärzler am Schlagzeug und Reini an der Gitarre formierte sich eine Band aus dem anfänglichen Solo-Projekt. Und K-STE machte sich an die Aufnahme des Debüt-Albums “Grünblau”.

Für ihre Live-Gigs probt das Quartett im Keller von Reini. Als gewöhnlichen Keller darf man sich diese "heiligen Hallen", diesen Traum eines jeden Musikers, aber nicht vorstellen. Die Katakomben der Hicktown Records sind ultra modern eingerichtet und verfügen über jeden technischen Schnickschnack, den man für Musikproduktionen benötigt. “Oh ja, der Proberaum ist absoluter Luxus. Wir witzeln manchmal, dass wir nur auf Parkett auftreten, weil wir von Reinis Studio so verwöhnt sind”, erzählt Kenny und lacht.

Dem Album hat der Luxus gut getan. “Es befinden sich einige alte Titel drauf, die bislang nicht veröffentlicht wurden”, verrät Kenny. “Head Rapper Mukke zum Beispiel habe ich ungefähr mit 14 Jahren geschrieben.” Damals habe er noch mit einer Gratis-Version einer Komponier-Software gearbeitet, sagt Kenny und grinst. Er versucht, jedem seiner Songs einen tieferen Sinn zu verleihen. “Ich stänkere gern mal und ich bin ehrlich – manchmal vielleicht sogar zu ehrlich.”

Jetzt stehen die Release-Konzerte an. Besucher dürfen sich auf eine wuchtige Kombination aus satten Samples und knackigem Live-Sound freuen. Die lässigen Rap-Rocker aus Rosenheim, München und Kufstein spielen am 15. Februar in der Asta Kneipe in Rosenheim und am 16. Februar in der Glockenbachwerkstatt in München. Unterstützt werden sie von der Rapperin Taiga Trece aus München und von Adriano Kaminsky, dem Sänger von Squadra Leone.

Das Album “Grünblau” ist überall erhältlich, wo es CDs gibt. Außerdem kann es unter https://smarturl.it/k-ste bestellt, heruntergeladen oder gestreamt werden.

Mehr Infos und Termine:

www.k-ste.de

 

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