Biodiversitätsprojekt will alte Obstsorten erhalten

Pressemitteilung

Foto: Florian Öttl

Seit dem Jahr 2015 werden in den sechs Landkreisen entlang der Alpenkette im Auftrag der Regierung von Oberbayern seltene Apfel- und Birnensorten gesucht. Dabei wurden bisher rund 250 Bäume entdeckt, deren Früchte selbst von namhaften deutschen Sortenkundlern nicht bestimmt werden konnten. Diese unbekannten oder „vergessenen“ Sorten zu erhalten und in Sortenerhaltungs- und Schaugärten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist nun das Ziel eines über fünf Jahre laufenden Biodiversitätsprojekts.

Projektmanagerin Eva Bichler-Öttl und Sortenkundler Georg Loferer werden sich in dieser Zeit um den Erhalt dieser Raritäten kümmern. „Wir wollen diese alten Sorten wieder in die Welt bringen. Zuvor müssen wir sie aber erst einmal sichern und vermehren, denn es ist in der Tat so, dass es bei einigen Sorten nur noch einen einzigen Baum gibt“, sagt Bichler-Öttl.
 
Zunächst geht es jetzt unter anderem darum, die „vergessenen“ Sorten weiter zu untersuchen. Möglicherweise lassen sich Früchte doch einer bekannten, aber sehr seltenen Sorte zuweisen. Zudem gilt es herauszufinden, ob Früchte, die in der Regel nicht als Tafelobst zum Frischverzehr geeignet sind, etwa in Form von Dörrobst, Edelbrand oder Cidre genutzt und verwertet werden können.
 
In einem nächsten Schritt werden alle unbekannten oder „vergessenen“ Sorten nachgezogen und diejenigen Sorten, die heute noch für die Verwertung interessant sind, vermehrt und mit Hilfe der Landschaftspflegeverbände bzw. der Kreisverbände für Gartenkultur und Landespflege verbreitet.
 
„Um die Landwirte und Gartenbesitzer für die Sorten zu interessieren, brauchen wir die Früchte. Es muss möglich sein, sie anzuschauen, zu schmecken und zu riechen.“ Deshalb werden in den Schaugärten nicht nur Hochstämme, sondern auch Buschbäume gepflanzt, da sie schon bald erste Früchte tragen. Ein paar Jahre Geduld sind dennoch notwendig. Erst im Jahr 2023 wird das Gros der nachgezogenen Bäume in den Schau- und Erhaltungsgärten ausgepflanzt werden können.
 
Geplant ist zudem, interessierte Bürgerinnen und Bürger unter anderem mit Sortenausstellungen, Veredelungskursen und einer Homepage über die alten Apfel- und Birnensorten in ihrer Region zu informieren. Im Übrigen muss noch eine nicht ganz unwichtige Frage geklärt werden. Wie nämlich kann eine Obstsorte verbreitet und vermarktet werden, die keinen Namen mehr trägt? Denn die Sortenkundler stehen einer Neubenennung von „vergessenen“ Sorten grundsätzlich ablehnend gegenüber.
 
Der Erhalt der heimischen Kulturpflanzensorten ist Teil der bayerischen Biodiversitätsstrategie. Zudem sind alte regionaltypische Obstsorten und das Wissen um deren besondere Fruchteigenschaften und Verwertungsmöglichkeiten Teil des Kulturerbes und Ausdruck der regionalen Identität.
 
Streuobstbestände mit alten Hochstamm-Obstbäumen leisten überdies einen wesentlichen Beitrag zum Artenschutz. Sie bieten Lebensraum für bis zu 5.000 Tier- und Pflanzenarten und zählen so zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. „Im Gegensatz zu den modernen Sorten sind die meisten alten Apfelsorten auch für Allergiker gut verträglich“, so Bichler-Öttl.
 
Beteiligte des Projekts sind die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Rosenheim, Traunstein und Weilheim-Schongau sowie der Trägerverein Biosphärenregion Berchtesgadener Land e.V. und der Bezirksverband Oberbayern für Gartenkultur und Landespflege e.V.

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