Ausstellungseröffnung im Haus der Natur

Pressemitteilung

Die Ausstellung erzählt die Geschichte des Museums von 1924 bis heute.
Fotos: Haus der Natur/Simmerstatter

Im Jahr 2014 präsentierte das Haus der Natur Salzburg eine kritische Darstellung seiner Geschichte in Form einer umfassenden Sonderausstellung mit dem Titel „Das Haus der Natur 1924 bis 1976 – Die Ära Tratz“. Schon damals wurde der Entschluss gefasst, diese zeithistorische Aufarbeitung später an einem geeigneten Ort in die Dauerausstellung einfließen zu lassen. Hierfür bot sich klar der Bereich der Tibet-Dioramen an – ein außergewöhnlicher Ausstellungsbereich, dessen Entstehungsgeschichte unmittelbar auf die Geschichte des Museums in der NS-Zeit zurückgeht.

Die ursprünglichen Tibet-Dioramen wurden für die sogenannte „Tibetschau“ konzipiert, deren Eröffnung im Januar 1943 im alten Haus der Natur in der Hofstallkaserne – heute Großes Festspielhaus – erfolgte. Sie stellen Szenen aus dem Tibet der 1930er-Jahre dar und waren das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Museumsdirektor Eduard Paul Tratz und Ernst Schäfer sowie dessen Mitarbeitern, die 1938/39 im Rahmen einer von der SS mitfinanzierten Tibet-Expedition das damals von der Außenwelt hermetisch abgesperrte Land besuchten. Gemeinsam gestalteten Schäfer und Tratz ein großes Landschaftsdiorama „Steppenlandschaft aus Süd-Tibet“. Außerdem ließen sie zwei Kleindioramen erstellen, die das Ritual der Leichenzerschneidung sowie den Potala-Palast zeigten.

Der Potala-Palast in Lhasa

Einer der Teilnehmer der Tibet-Expedition, der Anthropologe Bruno Beger, sowie der an der Dioramenerstellung beteiligte Präparator Willi Gabel, waren 1943 in Deutschland auch an NS- Verbrechen beteiligt. Hierfür wurde Bruno Beger 1974 zusammen mit weiteren Beteiligten vor dem Landesgericht Frankfurt wegen Beihilfe zu 86-fachem Mord angeklagt und verurteilt.

Die Figuren im Diorama stellen zum Teil namentlich bekannte Personen dar. Die Gesichtsplastiken wurden von Willi Gabel auf Basis mitgebrachter Fotovorlagen angefertigt. Wie aktuelle Archivrecherchen und Untersuchungen der Figuren mittels Röntgen und CT-Scans zeigten, basieren sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht – wie Tratz einmal behauptet hatte – auf den Abformungen, die der Expeditionsteilnehmer Bruno Beger in Tibet angefertigt hatte.

Die Originaldioramen der Tibetschau von 1943 wurden 1956 zerstört, als das Museum von der Hofstallkaserne an den heutigen Standort übersiedeln musste. Zwischen 1957 und 1959 wurden die hier bis heute gezeigten Dioramen von Wolfgang Graßberger in Anlehnung an die ursprüngliche Darstellung und unter Verwendung der Originalobjekte neu aufgebaut.

Das Fürstenzelt in der Steppenlandschaft im Tal des Yarlung

Ihre Entstehungsgeschichte setzt sie zwar in einen historisch belasteten Kontext, sie stellen jedoch eine einzigartige, meisterhafte Präsentation des alten Tibet dar und vermitteln keinerlei ideologischen Bezug zur NS-Zeit. Die Dioramen werden daher auch heute noch gezeigt – ab nun in Zusammenhang mit der Geschichte ihrer Entstehung und als Ort der Museumsgeschichte.

Nach 60 Jahren wurden alle Dioramen von Grund auf und mit großem Können durch Georg Klingersberger restauriert, unterstützt vor allem von Renate Hochmayer und Franz Putz. Gleichzeitig integriert das Haus der Natur in diesen Bereich eine Ausstellung zur Geschichte der Dioramen sowie des Museums von 1924 bis heute. Gewissermaßen als Einleitung dazu schufen Georg Klingersberger und Stephan Macala ein neues Diorama „Bartgeier in Salzburg“, eine Nachbildung des ersten großen Dioramas aus dem Jahr 1924. Vier große Leuchttafeln erzählen schließlich von der Geschichte des Museums, zwei Monitore vermitteln Blicke in die Ausstellungen sowohl aus dem „alten“ Haus der Natur als auch aus der Zeit am jetzigen Standort.

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