Zwischen Glaube und Gier

„Jedermann“: Das weltberühmte Spiel vom Sterben des reichen Mannes geht in Neubeuern über die Freiluftbühne am Marktplatz. Standesgemäß in seiner Bayerischen Fassung.

Christian Topel

Foto: Christian Topel/Privat

Die Kulisse erweist sich des bedeutsamen Mysterienspiels mehr als würdig! Ein Marktplatz, wie er nicht malerischer sein könnte; umringt von Tor, Kirche und altehrwürdigen Gebäuden mit alpenländischen Fassaden. Über dem Dorfkern thront in der Ferne das Schloss, mit seinem weithin sichtbaren Turm. Dieses Wahrzeichen am Eingang des bayerischen Inntals stellt die Verbindung her zwischen Neubeuern und dem Jedermann. Dort oben nämlich war Hugo von Hofmannsthal häufig zu Gast, der Autor des seit 1920 untrennbar mit den Salzburger Festspielen verbundenen Theaterstücks.

Wie aber will man solch einer Tradition außerhalb der Mozartstadt gerecht werden? Eine Frage, die sich auch Oskar Weber einst stellte. Und als Mitglied der Münchner Turmschreiber eine naheliegende Antwort fand: Das an einen mittelalterlichen Stoff angelehnte und 1911 in Berlin uraufgeführte Stück vom Sterben des reichen Mannes übersetzte Weber in seine Heimatsprache.

Seit 1984 steht Theatermachern der Bayerische Jedermann zur Verfügung. Und schon vier Jahre später wagte sich Neubeuern an seine erste Inszenierung, damals noch unter den Augen von Marie Therese Miller Gräfin Degenfeld, Tochter der alten Neubeurer Schlossherrin Ottonie Gräfin Degenfeld-Schonburg, die von Hofmannstahl beide persönlich kannten.

Bei allem Gewicht, das diese Historie so mit sich bringt – die Theatergemeinschaft Neubeuern will keine schwere, bedeutungsschwangere, überladene Aufführung auf die Pflastersteine bringen. „Wir werden versuchen, eine dynamische Aufführung zu erarbeiten, die diese Tradition nicht vernachlässigt, aber zeitgemäße Aspekte mitberücksichtigt. Mit einer realistischeren Lesart der Figuren werden wir das Spiel vom Sterben des reichen Mannes zu einem Plädoyer für ein Leben jenseits eines rein materialistischen Denkens machen und von der alten Parabel eine Brücke ins Heute bauen“, verspricht der junge, dabei aber schon äußerst erfahrene Regisseur Andreas Wiedermann. Nach Abschluss seines Studiums der Schauspielregie am Salzburger Mozarteum assistierte er immerhin bei Größen wie Peter Zadek, Andrea Breth, Urs Troller oder Thomas Ostermeier am Wiener Burgtheater und am Deutschen Theater Berlin.

Logisch, dass sich dieser Professionalität kaum ein Neubeurer entziehen will: Über 70 Darsteller wirken an dieser Inszenierung mit. Die Schauspieler stammen allesamt aus Neubeuern, zum Teil waren sie schon vor 25 Jahren bei der Premiere dabei. In den Hauptrollen sind Bernd Eutermoser als Jedermann und Johanna Metzger als Buhlschaft zu sehen.

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