Zwei Räder statt zwei Brettl

Petra Rapp

Fotos: Vale Rapp

„Flow Valley“- Bikebergsteiger nutzen auch schneearme Wintertage.

Es hat geschneit. Aber so viel, dass es in den heimischen Bergen zum passablen Skitourengehen abseits präparierter Pisten reicht, ist es immer noch nicht. Robert (Lenggries), Bernd (München) und Valentin (Brannenburg) sind zwar auch begeisterte Skisportler, können sich aber auch mit schneearmen Wintertagen ziemlich gut arrangieren, indem sie weiterhin auf‘s Bike steigen.

Frühwinter irgendwo im Mangfallgebirge. Die Männer stapfen den steilen, felsigen Steig bergauf. Die Berggipfel sind zwar angezuckert, aber von wirklich viel Schnee kann auch auf fast 2000 Metern noch nicht die Rede sein. Deshalb haben die Drei nicht ihre Ski oder ihr Splitboard für den Weg hinunter mit dabei, sondern schleppen auf den Schultern ihre Bikes hinauf.

„Im letzten Winter ging ja bis weit in den Dezember so gut wie nichts mit den Brettern und Kunstschneepisten reizen mich absolut nicht“, erzählt Bernd Hassmann. Das was die drei Sportler betreiben, ist mehr als nur gewöhnliches Mountainbiken: „Bikebergsteigen“ nennen sie es und es sieht anstrengend aus. „Klar ist das nichts für jeden. Kondition und eine gute Fahrtechnik muss man schon mitbringen. An das Gewicht des Bikes beim Hinauftragen an nicht mehr fahrbaren Stellen gewöhnt man sich aber schnell. Du gelangst so in Höhen, wo du sonst nie mit dem Rad hinkommst und findest deshalb wunderschöne Trails zum Runterfahren, wo meist niemand anderes fährt.“

Bikebergsteigen ist für die Drei weit mehr als nur sportliche Herausforderung: „Du erlebst die Berge dabei sehr intensiv, weil Du allein schon durch das Gewicht des Fahrrads am Rücken auch sehr langsam hochgehst. Da kann man sehr gut in sich gehen. Beim Bergabfahren der steilen Trails muss man sich unheimlich konzentrieren. Der Alltag ist da dann sehr weit weg, da kann ich verdammt gut abschalten. Für mich ist das schon fast Seelentherapie“, sagt Robert Werner, der als Hotelier und Wirt vom „Der Altwirt“ in Lenggries ansonsten viel um die Ohren hat. Robert war schon als Kind immer gern mit seinem Vater in den Bergen unterwegs. „Jetzt bin ich auch schon älter und das Runtergehen mögen meine Knie auch nicht mehr so gerne. Außerdem ist es mit dem Bike bergab viel spannender und schneller.“ Ganz wichtig ist ihm, sich den Berg selbst zu erarbeiten und sich nicht von Lift oder Bus hochshutteln zu lassen. „Schwitzen muss schon sein und beim Bikebergsteigen ist im Gegensatz zum ‚normalen‘ Mountainbiken auch immer ein Gipfelerlebnis mit drin“, sagt er.

Robert, Bernd und Valentin klatschen sich am Gipfelkreuz zufrieden ab. Sie alle haben ein Shirt mit dem Schriftzug „Flow Valley“ an. Das bedeutet? „Flow Valley ist vor gut drei Jahren entstanden. Es umfasst ein Team von Freunden, die das gleiche Lebensgefühl teilen, gerne Bergsport mit Bikesport verbinden, gemeinsam losziehen und wiederum dazu ihre Spezl mitnehmen. Wir machen schöne Bilder von unseren Touren, die wir dann im Netz veröffentlichen und machen auch Events. Das alles im ‚Flow Valley‘, unseren schönen Bergen in Oberbayern und im nahen Grenzbereich“, erklärt Robert, der zusammen mit Bernd Hassmann und dem Freerider Berny Stoll zum Gründerteam von Flow Valley gehört.

Die Flow Valley-Community wächst rasant, Bikebergsteigen wird immer populärer. Auch, weil es in schneearmen Wochen eine perfekte Alternative zum Skitourengehen ist und so immer mehr zur Ganzjahresportart wird. Konflikte mit Naturschützern und Verbänden bleiben aber nicht aus „Ich bin selbst im Moment schon auch ein bisschen im Zwiespalt“, sagt Robert. „Es macht uns zwar selbst unheimlich Spaß und sicher pushen wir den Sport durch unsere Bilder und Veröffentlichungen, aber gleichzeitig sagen wir nicht, wo wir genau unterwegs sind. Wir wollen ja nicht, dass dann auf unseren Routen auch viel los ist.“ Das Trailfahren in den Bergen an sich lässt sich seiner Meinung nach aber sowieso nicht mehr aufhalten. „Mal schauen, wo die Reise hingeht, wie es sich weiter entwickelt und wie sich alle Interessen vereinbaren lassen“, sagt er nachdenklich, schwingt sich auf sein Bike und fährt mit den anderen hinunter. Zuerst über losen Schotter, steigt dann ab und schultert über die felsigen Steilstufen sein Bike, kämpft sich durch Latschengelände, um sich dann über weite, braune Wiesentrails hinabtreiben zu lassen, irgendwo in diesem schönen Stück Flow Valley.

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