Zurück zu den Wurzeln

Eike Schlüter

Fotos: Andreas Jacob

Eine Unternehmerfamilie aus Glonn hat der konventionellen Massenproduktion den Rücken gekehrt und setzt jetzt voll auf handgemachte Lebens-Mittel.

Im kleinen Weiler Herrmannsdorf bei Glonn scheint die Welt noch in Ordnung. In einer Zeit, in der vielen das Vertrauen in ihr tägliches Brot und das Wissen um den Ursprung der Lebens-Mittel abhanden gekommen ist, gehen die Herrmannsdorfer Landwerkstätten zurück zu den Wurzeln: Zu naturgemäßen Formen des Ackerbaus, der Viehzucht, der Lebensmittelverarbeitung und zu einer gesunden, bewussten Ernährungsweise. „Wir wollen der immer stärker industrialisierten Landwirtschaft  etwas Handwerkliches aus der Region entgegensetzen“, erzählt Geschäftsführer Karl Schweisfurth, während er seinen Kühen und Schweinen frisches Futter serviert.

Die Landwerkstätten sind der Mittelpunkt eines Netzwerkes von etwa 90 ökologisch wirtschaftenden Bauern und Herstellern aus der Region, wobei Herrmannsdorf als Schwerpunkt die Verarbeitung der ökologisch erzeugten Pflanzen und Tiere in Metzgerei, Bäckerei, Käserei und Brauerei sowie die Vermarktung der „Lebens-Mittel in bester ökologischer Qualität“ übernimmt. „Auf diese Weise sind die vielen Stufen der Verarbeitung auf kurzem Wege vereint; es wird wieder Nähe hergestellt  zwischen dem Ort, an dem die Pflanzen und Tiere wachsen und dem Ort, wo sie zu Lebens-Mitteln  umgewandelt und auch vermarktet werden“, erläutert Schweisfurth. Der 52-Jährige spricht bewusst von „Lebens-Mitteln, mit Bindestrich geschrieben!“. Schließlich gehe es um Mittel zum Leben, „um Gesundheit und Wohlergehen für ein gesundes, kraftvolles und langes Leben“. Daher distanziere man sich auch von Gentechnik und den in der industrialisierten  Lebensmittelproduktion gängigen Erhitzungsverfahren.

Karl Schweisfurth, der die Geschäfte der Herrmannsdorfer Landwerkstätten seit 1996 führt, weiß wovon er spricht, denn seine Familie kennt beide Seiten. Sein Vater Karl Ludwig Schweisfurth war Besitzer von Herta, Europas größtem fleischverarbeitenden Unternehmen. Anfang der Achtziger Jahre kehrte der gelernte Metzgermeister der konventionellen Massenproduktion den Rücken, verkaufte  sein Unternehmen und gründete mit den Herrmannsdorfer Landwerkstätten in Glonn bei München ein neues System der handwerklichen Lebens-Mittel-Erzeugung und einen bis heute wirtschaftlich erfolgreichen  Pionierbetrieb der ökologischen Landwirtschaft. „Die kalte und anonyme Atmosphäre der großen Tierfabriken, das massenhafte automatisierte Töten von bis zu 5.000 Tieren am Tag, habe ich nicht länger ertragen. Solche Arbeit verstößt gegen die Würde des Menschen. Und auch gegen die des Tieres“, erklärt der heute 83-Jährige, der seinem Sohn nach wie vor als Inspirator und Ideengeber beiseite steht.

„Bei all dem Überangebot und Lebensmittelskandalen wünschen sich die Menschen wieder mehr Transparenz und Bodenständigkeit“, sind Vater und Sohn Schweisfurth überzeugt. Alles was in Herrmannsdorf getan werde, orientiere sich daher „an dem achtsamen Umgang mit allem Leben und Lebensnotwendigem: mit dem Boden, dem Wasser, der Luft sowie den Pflanzen, den Tieren und den Menschen“. Von der riesigen Auswahl erlesener Produkte in hoher handwerklicher Qualität, die dabei entsteht, können sich Verbraucher auf dem Landwerkstätten- Gelände im „Wirtshaus zum Herrmannsdorfer  Schweinsbräu“ sowie im großen Hofmarkt überzeugen. Zudem sind die Schweisfurthschen  Schmankerl in zwölf eigenen Geschäften im Raum München sowie bei ausgewählten Biomärkten in ganz Bayern zu haben. Eine Liste mit sämtlichen Bezugsquellen ist im Internet abrufbar.

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