Zur Ruhe und zur Kunst kommen

Christian Topel

Foto: LA CUNA DEL ARTE

In idyllischer Lage bietet die Kunstakademie La Cuna Del Arte Kurse und Workshops in sämtlichen Bereichen der Bildenden Kunst.

Um den Namen Hamberger kommt man nicht herum, wenn man über die Wiege der Kunst sprechen will. Die nämlich liegt seit 2010 am Ziegelberg in Stephanskirchen, nicht zufällig schräg gegenüber des Firmensitzes des bekannten Parkettherstellers. „Wiege der Kunst“ – das heißt auf Spanisch „LA CUNA DEL ARTE“ – und genau so hat Pia Hamberger-Arce das Gebäude getauft, in dem früher die Großeltern ihres Mannes lebten.

1893 als kleines Landwirtschaftsgut mitsamt Stallungen erbaut, geht das Gebäude 1916 in den Firmenbesitz der Hambergers über. Die Familie Rudolf Hamberger baut es ihren Anforderungen entsprechend um und lebt viele Jahrzehnte darin. Nach dem Tod der Großeltern steht das romantische Anwesen seit 1990 weitestgehend leer, bis Pia Hamberger-Arce sich 2008 von ihm inspirieren lässt.

Die aus Chile stammende Designerin kam von Kindesbeinen an mit Kunst in Kontakt. Ihr Vater – Diplomat und Kulturattaché (unter anderem auch in Deutschland), Jurist und Bildhauer – nahm seine Tochter oft mit in sein Atelier. „Dort habe ich mich mit Formen, Texturen, Farben und den verschiedensten Materialien auseinandergesetzt“, erinnert sich Pia Hamberger-Arce. Durch die verstaubten, aber charmanten Räumlichkeiten wandelnd, habe sie sich sofort in das Haus verliebt. Es sei ihr vorgekommen, als stünde die Zeit still. Es habe eine außergewöhnliche Atmos-phäre geherrscht, eine Atmosphäre, wie geschaffen dafür, sich kreativ zu entfalten. Und so reifte die Idee, das sich im Dornröschenschlaf befindende Gebäude neu zu beleben: in Form einer Kunstakademie mit Galerie und Shop für Künstlerbedarf.

Nach einer Renovierungsphase, die den historischen Flair von Haus und Garten auf liebevolle Weise erhielt, öffnete „LA CUNA DEL ARTE“ im Herbst 2010 mit einer Ausstellung der Münchener Künstlerin Roswitha Huber ihre Pforten. Boten Pia Hamberger-Arce und ihre Kollegin und stellvertretende Akademieleiterin Katja Herdramm im ersten Jahr 15 Kurse an, können Hobby- und etablierte Kunstschaffende mittlerweile aus einem jährlich über 60 Kurse umfassenden Programm wählen. Zwischen März und November können Interessierte so unterschiedliche Techniken wie Acryl-, Öl- und Aquarellmalerei, Fotografie, Drucktechniken, Zeichnen, plastisches Gestalten, Bildhauerei und Kalligraphie erlernen oder vertiefen. „Unsere Kurse werden von hochqualifizierten Dozenten aus Deutschland, Österreich, Spanien und Italien geleitet, die sowohl freischaffende Künstler als auch Lehrbeauftragte an verschiedenen Akademien sind“, betont Katja Herdramm.

Nicht nur das Programm, auch die Akademie selbst wächst und gedeiht. Um der steigenden Nachfrage gerecht werden zu können, stehen mittlerweile zwei große Akademieräume zur Verfügung. In den wärmeren Monaten genießen es die Gäste auch, sich mit Sack und Pack im malerischen Garten niederzulassen und sich von der Blütenpracht und der Alpenkulisse inspirieren zu lassen. Apropos „Sack und Pack“: Als besonderen Service für die Teilnehmer bieten die Gastgeberinnen in einem kleinen Shop grundlegende Utensilien des Künstlerbedarfs wie Leinwände, Acryl-Farben, Blöcke oder Pinsel an. „So haben wir viele Produkte der von den Dozenten erstellten Materiallisten für die Kursteilnehmer vorrätig“, erklärt Patrizia Thurm, die seit kurzem als Dritte im Bunde ebenso für den reibungslosen wie auch herzlichen Betrieb sorgt. In den Pausen treffen sich dann Dozenten, Kursteilnehmer und Akademie-Betreiberinnen, um sich im urgemütlichen Aufenthaltsraum oder im Garten auszutauschen. „Die Wohlfühlatmosphäre ist uns genauso wichtig wie die Qualität der Kurse“, sagt Katja Herdramm. Achja, Freude an der Kunst müsste man haben, dann käme man auch in den Genuss, sich in diesem Kleinod in Ruhe verwirklichen zu können... 

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