Zu Hofe bei König Watzmann

Der mit 2.713 Metern höchste Berg im Berchtesgadener Land ist imposant, legendär und anspruchsvoll. Wir haben uns ihm über das Hocheck genähert.

Petra Rapp

Foto: Petra Rapp

Das Watzmannmassiv hat schon etwas Gewaltiges, wie es so dasteht in seiner ganzen Pracht im Nationalpark Berchtesgaden. Die Watzmann-Mittelspitze, mit 2.713 Metern höchster Punkt des Berchtesgadener Landes, daneben die Nebengipfel Watzmannfrau und Watzmannkinder, allesamt sagenumwoben und optisch sehr markant. Nicht umsonst haben vor kurzem die Leser der Zeitschrift „Bergsteiger“ den Watzmann zum „Schönsten Berg der Welt“ gewählt. „Auffi muas i“, logisch. „Der Watzmann ruft“ schließlich. Seit Kindheitstagen hat man Wolfgang Ambros mit diesen Worten im Ohr. Über die schwierige Ostwand? No way, das ist nur etwas für richtig gute Kletterer. Die legendäre Watzmann-Überschreitung? Ja, das ist ein Ziel, aber noch nicht jetzt. Zuerst steht nach langer Verletzungspause ein erstes Annähern an diesen legendären Berg an. Mit Gipfelerlebnis wäre schön. Dafür eignet sich am besten das 2.651 Meter hohe Hocheck, der am einfachsten ersteigbare Watzmanngipfel.

Der Weg ist weit von ganz unten, doch in Stress soll diese Tour nicht ausarten. Deshalb ist eine Übernachtung im Watzmannhaus eingeplant. Zustiege gibt es mehrere. Wir wählen die Tour von der Wimbachbrücke in Ramsau über die Mitterkaseralm hinauf zum Watzmannhaus, das 2013 sein 125-jähriges Jubiläum feierte und zur DAV-Sektion München gehört. Der Weg führt durch das wildromantische Wimbachtal, wo das Wasser der Wimbachklamm tosend vorbeirauscht. Hier durchwandert man auf rund 200 Metern rund 50 Millionen Jahre Erdgeschichte. Die Jurazeit ist an den Gesteinen Radiolarit, Rotkalke, Flaserkalke und Hornsteinkalke ersichtlich. Bei strahlend schönem Wetter geht es weiter den Weg hinauf zur Stubenalm, dann zur urig-gemütlichen Mitterkaseralm (1.408 Meter) unterhalb des Falzköpfls, wo kühle Getränke und hausgemachte Nuss- und Marmorkuchen locken.

Der Weg weiter Richtung Süden zur Falzalm führt über steile Almböden, vorbei an kleinen, romantischen Hütten, und gibt auf einer großen Lichtung einen imposanten Blick auf Watzmann, -frau und -kinder frei. Hoch oben ist das Watzmannhaus bereits zu sehen. Schneereste säumen den Weg. Am letzten Steilhang, wo der Schnee den Weg zur gefährlich Rutschpartie werden lässt, zeigt sich, wer über ein bisschen Alpinerfahrung verfügt. Vorsorglich hat der Hüttenwirt hier ein Seil gespannt und Stufen in den Schnee geschlagen, was den Auf- und Abstieg für Trittunsichere doch wesentlich erleichtert. Das Watzmannhaus ist an diesem Wochentag überraschend leer, nur wenige Gäste tummeln sich auf der ansonsten stark frequentierten Terrasse. Gute Hausmannskost zum Abendessen, bevor ein grandioser Sonnenuntergang die Nacht einläutet.

Kurz nach Sonnenaufgang brechen wir am nächsten Morgen auf zum Gipfel. 736 Höhenmeter sind es vom Watzmannhaus hinauf zum Hocheck. Der schrofige Steig führt anfangs über weite Schotterfelder und wird immer alpiner. Wir verstecken unsere Stöcke, als es am Drahtseil mit kleinen Kletterpassagen, die ein wenig Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern, weiter nach oben zur Hocheck-Schulter geht. Noch ein Hochstieg, danach steigen wir immer in Richtung Westen der Gratlinie entlang über Schrofen und Geröll, zuletzt über glatte, aber einfach zu begehende Felsen hinauf zu den zwei so unterschiedlichen Gipfelkreuzen des Hocheck. Eine unglaubliche Fernsicht in alle Richtungen tut sich an diesem schönen Tag auf – und ein erster, genauerer Blick, wo der doch ziemlich ausgesetzte Weg der Watzmannüberschreitung am Grat  weitergehen würde. An gut besuchten Tagen dürfte es ziemlich eng werden hier oben, viel Platz ist nicht am Gipfel, wo der Wind allmählich unangenehm wird und uns zum Abstieg aufbrechen lässt. Ein kurzes zweites Frühstück am Watzmannhaus, dann machen wir uns auf den langen Weg hinunter, wo am Ende des Tages die Beine und auch der Geist dank der 2.026 Höhenmeter bergab dann doch ziemlich müde sind.

  • Routeninformationen
Anforderung: mittel
Höhendifferenz: insgesamt 2.026 Meter
Gehzeit: ca. 3-4 Stunden bis zum Watz
mannhaus (1.290 Höhenmeter),
ca. 2-3 Stunden vom Watzmannhaus
bis zum Hocheck-Gipfel
Gebirge (Region): Berchtesgadener Alpen
Einkehrmöglichkeit: Stubenalm, Mitterkaseralm,
Watzmannhaus
Ausgangspunkt: Ramsau/Wimbachbrücke,
Nationalpark-Infostelle
Anreise/Zufahrt: A8 München-Salzburg; Ausfahrt
Siegsdorf, weiter B305 Richtung
Berchtesgaden, dann B21
Richtung Ramsau

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