Wo die wilden Kerle wohnen

Catherine Bruha

Lukas Bauer bei seiner Arbeit.
Fotos: Andreas Jacob

Mit viel Liebe zum Detail schnitzt Lukas Bauer furchteinflößende Krampusmasken und hat sich damit in der Szene einen Namen gemacht.

Kramperl faszinierten ihn schon immer. „Das erste Mal habe ich einen Krampus gesehen, als ich noch ganz klein war und der Nikolaus uns besuchte,” sagt Lukas Bauer, während er sich in seiner Werkstatt im Garten des Elternhauses in Bayerisch Gmain umsieht. Rund 30 Masken verschiedenster Fertigungsstufen lagern aktuell in dem kleinen „Gruselkabinett“ – aufwendig geschnitzt, teilweise bereits mit Acrylfarbe bemalt und mit Ziegenhörnern und Fell bestückt.

Im Februar dieses Jahres absolvierte Lukas sein Masterstudium in Architektur und sucht nun nach einer festen Anstellung. Was auch immer er findet: Das Schnitzen wird er nicht vernachlässigen! Viel zu sehr liebt er die Arbeit mit Holz. „Der Prozess vom groben Stück Holz bis zum fertigen Werk ist jedes Mal wieder beeindruckend.“ Es habe zwar eine Weile gedauert, bis er das Gefühl für Gesichtsproportionen entwickelte, mittlerweile könne er aber sehr zufrieden mit den Ergebnissen sein. „Konzentration ist beim Schnitzen das A und O, immerhin gibt man nicht, wie beim Modellieren Material dazu, sondern trägt Teile ab, um eine Form zu kreieren,” erklärt Lukas, während er mit einem Schnitzeisen Span für Span von dem Rohling schabt, den er aktuell bearbeitet.

Die Masken wirken im fertigen Zustand so echt und menschlich, dass man fürchtet, sie springen gleich von der Wand und lesen einem die Leviten. „Mir ist besonders wichtig, dass meine Masken keine blutrünstigen Monster darstellen, sondern eher den klassischen, traditionellen Krampus“, sagt Lukas. Mit Plastik oder Silikon würde er nie arbeiten. „Das passt einfach nicht”, sagt er und deutet auf einen groben Holzklotz am Boden, der das Rohmaterial für sein nächstes Werk darstellt. Holz ist und bleibt für ihn das beste Material für furcheinflößende Masken, kombiniert mit echten Hörnern und echtem Fell.

Seit jenem prägenden Besuch vom Nikolaus und seinem bösen Gefährten Krampus wuchs der große Wunsch des kleinen Lukas, eine eigene Maske zu besitzen stetig an. Im Frühstadium seiner Karriere bastelte er, mehr schlecht als recht, mit seinem Vater das eine oder andere Exemplar aus Pappmaschee. So richtig glücklich machten diese Exemplare den Buben aber nicht und so durfte er im zarten Alter von zwölf Jahren einen Schnitzkurs besuchen. Dabei entstand die erste selbst geschnitzte Maske aus Holz. In den folgenden Jahren fertigte Lukas Maske um Maske, um sein Können mehr und mehr zu verfeinern.

Nachdem der Meister der Masken von seinen Anfangstagen erzählt hat, darf er Aufklärungsarbeit leisten. Wer ist denn eigentlich dieser Krampus? Hat er etwas mit den oft im selben Atemzug genannten Perchten zu tun? Der Krampus, in manchen Regionen auch „Kramperl” genannt, ist der grantige Begleiter des Nikolaus. Während der beliebte Bischof mit dem weißen Rauschebart brave Kinder beschenkt, bestraft der Krampus die unartigen − Weidenrute, Eisenkette oder Sack trägt er nicht von ungefähr. Heutzutage werden diese Strafen glücklicherweise nur noch angedroht, aber nicht mehr ausgeführt.

Maske aus Holz

In einigen Dörfern und Städten im Ostalpenraum finden um den Nikolaustag traditionelle Krampusumzüge statt. Ein stolzes Zur-Schau- tragen der gruseligsten Masken, lautesten Glocken, längsten Rossschweifpeitschen und imposantesten Felle. Nicht zu Vergleichen sind die Krampusläufe mit dem Brauchtum der Perchtenläufe. „Perchten“, weiß Lukas, „sehen zwar auch schaurig aus. Sie kommen aber nicht, um böse Kinder zu bestrafen.“ Im altem Volksglauben tauchen sie vielmehr in den Rauhnächten auf, um die bösen Geister des Winters zu vertreiben.

Mit 16 fange man bei ihm in der Gegend und vor allem in Österreich das Krampuslaufen an. Er habe im Jahr 2008 so richtig damit begonnen, erinnert sich Lukas. Jedes Jahr habe er sich seitdem eine neue Maske geschnitzt. „Am Anfang sahen sie definitiv noch nicht so schön aus wie jetzt”, schmunzelt Lukas. Doch Übung macht bekanntlich den Meister. Mittlerweile gilt „Masken Bauer“ als Könner der Szene.

Im Jahr 2010 hat der Bayerisch Gmainer erstmals zwei Masken geschnitzt, die nicht für ihn, sondern für Freunde waren. Danach nahm alles seinen Lauf. Mittlerweile fragen ganze Krampus-Gruppen bei ihm an und geben Großbestellungen auf. „Dabei gehe ich individuell auf jedes Gruppenmitglied ein. Jede Maske, die meine Werkstatt verlässt, ist ein Unikat“, sagt Lukas, der sein ganzes Herzblut in seine Kunstwerke steckt.

Anfragen erhält er direkt aus dem Bekanntenkreis oder über seine Social Media Kanäle. Die Kundschaft kommt aus der Umgebung rund um Bayerisch Gmain, aber auch aus ganz Österreich und sogar aus Südtirol. Wer den sympathischen Maskenschnitzer mal live erleben möchte, hat auf einigen Maskenausstellungen in der Region die Chance dazu.

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