Wie Frauen lernen, mit Gorillas umzugehen

Petra Rapp

Fotos: KAT Bike

Wer gerne zu Bike & Hike-Touren aufbricht, sollte sich auch mal seiner Biketechnik widmen – dachte sich unsere Autorin und hat sich auf den Weg in die Kitzbüheler Alpen gemacht.

Mit dem „DIVAS KAT Bike“ gibt es in den Kitzbüheler Alpen jetzt ein Angebot, das Frauen zeitweise vom geraden Weg abbringt. Der mehrtägige KAT-Bike-Trip durch das Reich von Hoher Salve und Kitzbüheler Horn ist nicht nur in drei Schwierigkeitsstufen zu befahren, sondern zu ausgewählten Terminen auch in trauter Frauenrunde.

Eins vorweg: Divas im wörtlichen Sinne sollten besser zuhause bleiben! Denn in diesem Bikecamp ist echte sportive Leidenschaft angesagt und Warmduschen nur nach getaner Bike-Einheit. Es regnet in Strömen am ersten Nachmittag. Der Übungsparcours oberhalb der Bikeacademy in Kirchberg zeigt sich mit tiefen Wasserpfützen. Aber es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter und die Funktionsbekleidung muss beim zweistündigen Einführungs-Techniktraining zeigen, was sie in Sachen Wasserdichte und Atmungsaktivität draufhat. Jede Teilnehmerin hat sich im Shop ihr individuell angepasstes Bike ausgesucht, ob mit oder ohne Elektroantrieb; oder hat sowieso ihr eigenes dabei, welches das Serviceteam der Bikeacademy ebenfalls sicherheitshalber noch einmal durchcheckt.

Dann macht Bike-Guide Alex den Gorilla. Nein, er ist nicht der Typ, der männliches Imponiergehabe nötig hat. Im Gegenteil: Er zeigt sich in den nächsten Tagen sehr geduldig und einfühlsam mit den Frauen, obwohl er eigentlich frei gehabt hätte und nur für seine erkrankte Kollegin eingesprungen ist. Von dem Mann lassen sich die Mädels gerne was sagen, obwohl viele von ihnen doch eigentlich bewusst in ein Frauencamp gefahren sind, um mal ohne männlichen Druck zu radeln. Alex erhebt sich vom Sattel, streckt die Beine, lehnt den Oberkörper über den Lenker, fährt seine Ellbogen aus. „Das ist die Gorillastellung. So habt ihr immer die richtige Balance beim Bergabfahren eines Trails, genügend Druck auf dem Vorderrad und das Bike gut unter Kontrolle“, meint er und zeigt auch gleich, wie man die Kurve richtig über den Ellbogen einleitet. Pedale waagrecht halten und immer die Knie lockerlassen, um Schläge ausgleichen zu können. Kompakte Körperstellung, 90-Grad-Hüftwinkel, nicht pendeln, Schultern schön über dem Lenker, Bremsen nur mit einem Finger, bei der Notbremsung immer nach hinten absteigen – und immer wieder an den Gorilla denken und die Ellenbogen raus! Ziemlich viel für den Anfang und so dauert es einige Fahrten durch den Parcours, bis alles einigermaßen verinnerlicht und ein wenig automatisiert ist. Der Kopf wird freier und die Sache fängt an, richtig Spaß zu machen. Solange die Kurven nur nicht zu eng werden und das alte Spitzkehren-Trauma wieder ausbricht. „Du kannst das, das ist nur Kopfsache“, versucht Alex positiv gegenzusteuern. Gut, dass es am nächsten Morgen noch einmal geübt wird, bevor es auf den Berg und in die Trails geht.

Nach dem Einradeln hinüber nach Brixen geht es dort von der Fleckalm gut 800 Höhenmeter hinauf bis zur Wiegalm auf 1.570 Meter. Der Wilde Kaiser ist bei der Anfahrt nach wie vor in Wolken gehüllt und nicht zu sehen, mystisch-feuchte Stimmung herrscht auch hier oben, wo zwischen Gaisberg und Brechhorn Schiefer- und Kalkstein geologisch aufeinandertreffen. Zwischendurch ist es immer wieder nass-kalt und am Ende doch vor allem für die Nicht-E-Bikerinnen ziemlich anstrengend, sodass die Einkehr in der Wiegalm samt warmem Kamin und nur aus regionalen Produkten hausgemachten Spezialitäten wie Kaspressknödlsuppe, Blutwurstgröstl und Kaiserschmarrn mehr als eine Wohltat ist.
Nachdem alles verspeist ist, hat der Wettergott endlich ein Einsehen mit den Mädels und es trocknet langsam ab. Gut so, denn der flowige Wiegalm-Trail fordert eh schon genug. Aber Gorilla sei Dank, wächst das Vertrauen von Kurve zu Kurve und die Mädels fangen Feuer.

Dieses brauchen sie auch, denn am nächsten Tag warten 60 Kilometer und insgesamt gut 1.000 Höhenmeter auf ihrer Tour von Oberndorf via St. Johann, Habach, über die Kalkalmen hinauf zur schön gelegenen Huberalm (1.080 Meter) und von dort hinunter nach Erpfendorf, Waidring und ins Pillerseetal. Dort werden die müden, völlig verdreckten Beine im kalten Pillersee gewaschen und gekühlt, bevor es auf dem gut ausgebauten Radweg zurück nach St. Johann geht, wo eigentlich noch der Harschbichltrail als Highlight wartet. Doch wer zu spät kommt, den nimmt die Bahn nicht mehr mit hinauf. Und nochmal 700 Höhenmeter geben die Beine ohne E-Unterstützung beim besten Willen nicht mehr her. Macht nichts, es folgt ja eine weitere Nacht in einem der schönen Bike-Hotels, wo sich Bike und Bikerin erstklassig renovieren und regenerieren können. Und es gibt noch einen nächsten Morgen, an dem nach dem Pannenworkshop dann zum krönenden Abschluss am Harschbichltrail die Sonne auf die Mädels und ihre Gorillas wartet.

Information

DIVAS Kat Bike: Der Bike-Trip für Frauen durch das Reich von Hoher Salve und Kitzbüheler Horn findet auf Anfrage und zu ausgewählten Terminen statt – mit Technik- und Pannenworkshops mit dem langjährigen österreichischen Damen-National-Trainer Kurt Exenberger. Im Angesicht des Wilden Kaisergebirges geht es über Bergstraßen, Waldwege und flowige Trails. Aktuelle Bikes bzw. E-Bikes können bei Bedarf geliehen werden. Übernachtet wird in erstklassigen Bike-Hotels, eingekehrt in gemütlichen Hütten bzw. gehobenen KochArt-Betrieben.

www.kat-bike.at

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