Wenn der Beruf zur Berufung wird

himmeblau Redaktion

Fotos: Molkerei Berchtesgadener Land

Der traditionsreiche Großrachlhof zählt zu den ältesten Erbhöfen in Bayern. Jakob Sichler führt den Grassauer Bio-Bauernhof nun in 17. Generation.

Südlich vom Chiemsee, eingebettet zwischen weiten Wiesen und Wäldern liegt einer der ältesten Erbhöfe in Bayern: der Großrachlhof. Mit seiner rund 900 Jahre alten Geschichte ist er ein wesentlicher Bestandteil von Grassau im Chiemgau. Seit fast 600 Jahren gehört er der Landwirtefamilie Sichler.

Landwirt – das klingt nach einem Beruf mit viel Arbeit, wenig Freizeit und keinen Karrierechancen. Für Jakob Sichler ist es eine Berufung. Die Entscheidung, den Hof seines Vaters zu übernehmen hat der 27-Jährige aus voller Überzeugung getroffen. Für ihn ist es eine ehrenvolle Aufgabe, den Hof in 17. Generation weiterzuführen.

Schon als Kind wollte Jakob Landwirt werden und damit in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters treten. Die Vorteile lagen für ihn auf der Hand: „Wir waren ständig als Familie zusammen. Im Kindergarten war es das Schönste, wenn ich zu Hause bleiben durfte – geschweige denn in der Schule“, erinnert sich der 27-Jährige lachend zurück. In diesem Jahr übernimmt er den Bio-Bauernhof seines Vaters und führt den Großrachlhof in Grassau damit in 17. Generation. Wie sehr Jakob hinter dieser Entscheidung steht, zeigt er ganz offen: Als Botschafter für seine Molkerei zeigt er als Hofnachfolger Gesicht und ist in XL auf LKWs und Bussen in der ganzen Republik zu sehen.

Für Vater Josef ist die Hofübernahme durch seinen Sohn keine große Überraschung: „Wenn man die Schönheit des Berufes vorlebt, ist die Hofnachfolge kein Kampf!“, sagt Josef Sichler und fügt ehrlich hinzu: „Wenn keines meiner fünf Kinder den Hof weiterführen würde, würde ich denken, ich wäre gescheitert!“ Denn in den heutigen Hof mit 45 Milchkühen, Hofladen und Ferienwohnungen hat der 60-Jährige viel Herzblut und Durchhaltevermögen gesteckt. Und er hat auch Mut bewiesen, langfristige Entscheidungen zu treffen, die die Zukunft bestimmen, wie die Bio-Zertifizierung vor knapp zehn Jahren. Bereut hat Josef Sichler diese Entscheidung nie, außer vielleicht, dass er diesen Schritt nicht schon viel früher gewagt hat.

Nach dem Vorbild seines Vaters will Jakob den Bio-Betrieb weiterführen. „Die größte Motivation ist für mich die Erzeugung eines guten und gesunden Lebensmittels“, sagt der junge Landwirt und lebt dabei den Bio-Gedanken, denn es ist ihm wichtig, dass Boden, Blumen und Bienen dabei nicht zu Schaden kommen. Für den Umweltschutz und die Artenvielfalt setzt sich Familie Sichler auch aktiv ein: Damit der Tisch für Bienen und Insekten gut gedeckt ist, säen die Sichlers zum Beispiel auf den Futterwiesen eine artenreiche Blühsamenmischung mit verschiedenen heimischen Kräutern und Gräsern aus. Diese Vielfalt kommt auch den Kühen als Futter zu Gute. Und gutes Futter gibt gute Milch. Diese Milch liefern die Sichlers an die Genossenschaftsmolkerei Berchtesgadener Land, die sie in Piding wiederum zu Milchprodukten weiterverarbeitet.

Jakobs Frau Mirjam, die sich als Ernährungswissenschaftlerin auch für hochwertige Lebensmittel ausspricht, unterstützt ihren Mann bei der Hofübernahme und steht voll und ganz hinter der Landwirtschaft. Kennengelernt haben sich die beiden über Jakobs jüngere Schwester: Die beiden haben zusammen studiert, Mirjam kam öfter zu Besuch auf den Großrachlhof und dann hat’s zwischen ihr und Jakob gefunkt. Auch sie hat schon ihre Berufung auf dem Hof gefunden: Kräuter. Mirjam möchte in Zukunft Kräuterwanderungen am Hof anbieten und so ihr Gespür und Interesse für die Pflanzen und den Reichtum der Natur weitergeben. Auch Vater Josefs Rolle ist bereits geklärt: Er wird auf dem Hof weiter mitarbeiten und seinem Sohn Jakob als Ratgeber zur Seite stehen. Damit sind die besten Voraussetzungen geschaffen, dass Jakobs Vision Wirklichkeit wird: „Ich möchte nicht die Asche bewahren, sondern das Feuer am Brennen halten und den Hof auch weiterhin in Familienbesitz bewahren.“

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