Weltmeister macht Merino-Mode

Christian Topel

Fotos: Pally'Hi

Mit dem Label Pally‘Hi verbindet Snowboard-Legende Peter Bauer die Funktionalität klassischer Outdoorbekleidung mit zeitgenössischer Streetwearästhetik.

Im Sport hat er es zu unzähligen Meisterschaften gebracht: Elfmal Deutscher Meister, fünfmal Europameister und viermal Weltmeister ist Peter Bauer geworden. Die Bezeichnung als „Urgestein“ und „Pionier“ der deutschen Snowboardszene fällt unausweichlich, wenn die Rede ist von diesem Hünen mit dem inzwischen hauchzart angegrauten Vollbart. 1984, als die Szene hierzulande noch entweder belächelt oder von der „Elite auf zwei Brettern“ geradezu angefeindet wurde, schickte sich der Fischbachauer an, den Sport groß zu machen – und dabei zu einem der Größten seiner Zunft zu werden. Dabei spielten nicht nur eine bis heute anhaltende, unbändige Freude am „Shredden“ sowie eine gesunde Portion Ehrgeiz eine Rolle, sondern auch das Talent, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein – und die Chance dann auch beherzt am Schopfe zu packen.

So etwa im Jahr 1986, als ihn Snowboard-Legende Jake Burton nach dem Sieg bei den Austrian Open am Kitzsteinhorn anquatschte, um ihn kurz darauf für gut und gern 20 Jahre zu sponsern.

Ein wahrer Meister scheint Peter Bauer aber auch in Sachen Zeitmanagement zu sein. Denn auch nach seiner aktiven Karriere lässt es sich der 52-Jährige nicht nehmen, so oft wie möglich auf dem Brett zu stehen – ob nun auf dem Hausberg Spitzing oder auf Pisten zwischen Mont Blanc und Mount Baker. Wie er es trotzdem schafft, neben seiner Ski- und Snowboardschmiede „Amplid“ das 2013 gegründete Modelabel „Pally‘Hi“ zu pushen? „Unsere Geschäftsführermeetings finden im Winter meistens im Sessellift statt“, antwortet Peter Bauer schmunzelnd.

Pally’Hi: Der Name leitet sich von dem keltischen Begriff „tally hi“ ab, einer Schurmethode, die bei den Schafen den geringsten Stress verursacht. Und das Fell von australischen Schafen ist unabdingbar für das Label, das sich auf spezielle Merino-Kollektionen spezialisert hat – mit einem aus Designsicht prägnanten Unterschied zu herkömmlichen Merino-Klamotten. „Ich wollte weg von diesem reinen Outdoor-Style“, erklärt Peter Bauer, den es nervte, dass man in Merino-Teilen immer aussehen muss wie ein Bergsteiger. Er wollte Kleidung, in der man sozusagen direkt von der Piste oder der Bergtour in die Stadt stiefeln kann, um einen Kaffee zu trinken oder in einer Bar abzuhängen. Dementsprechend steht Pally‘Hi für einen lässigen, urbanen Stil, der drinnen und draußen funktioniert.

Mit der Idee hat Peter Bauer offenbar einen Nerv getroffen. Robert Zagler, Inhaber von „Sport Go West“, einem der renommiertesten Sport- und Outdoorgeschäfte in der Region Rosenheim, hat das Label sofort ins Sortiment aufgenommen. Was Zagler und seine Kunden an dem Label überzeugt? Dass es Pally‘Hi schaffe, neben der tollen Funktion von Merino auch den innovativen Stil auf Berg und Straße zu bringen, so der Experte. Die T-Shirts, Longsleeves oder sogar Unterhosen fühlen sich höchst geschmeidig an, kühlen bei heißem Wetter, wärmen an kalten Tagen – und, die große Stärke von Merino-Textilien – sie stinken nicht, selbst nach mehreren Tagen Action. Und noch etwas hat den Geschäftsinhaber neben der nachhaltigen Produktionsweise sofort überzeugt: „Pally‘Hi“ wagt sich auch an neuartige Materialmischungen, welche die funktionellen Vorteile der Merinowolle mit denen anderer Naturfasern kombinieren.“ Das oberbayerische Label experimentiert mit Bambus, Schurwolle und recycelten Materialien. Und so ist Peter Bauer, Snowboard-Urgestein und Unternehmer, nun also auch als sein eigenes Testimonial unterwegs.

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