Was können Hobbysportler vom Leistungssport lernen?

Daniel Gärtner

Dr. Daniel Gärtner weiß, worauf es beim Sport ankommt. (Foto: Privat)

Das Geheimnis erfolgreicher Leistungssportler liegt zum einen in ihren Genen verankert, wodurch sich unterschiedliche Menschen-Typen als Talente in entsprechenden Sportarten etablieren können. Zum anderen zeichnen sich erfolgreiche Sportler auch in ihrer schier unermüdlichen Motivation, Hingabe und Fokussierung aus. Neben diesen Faktoren beeinflusst die Trainingswissenschaft immer mehr die sportliche Leistungsfähigkeit der Athleten. Wer nicht nur kurzzeitig mit Erfolg glänzen, sondern über lange Zeit Höchstleistungen erbringen möchte, der braucht ein intelligentes Trainingskonzept, in welchem die Übungsinhalte nicht nur auf unendliche Leistungssteigerung ausgelegt sind, sondern der Körper langfristig am „Funktionieren“ gehalten wird. Das ästhetische Erscheinungsbild charismatischer Sportler beruht meist auf einer harmonischen Kombination von fünf Elementen: Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination.

Wenn Sie wettkampfambitionierte Sportarten einmal genauer betrachten, fällt auf, dass das Ziel darin besteht, koordinativ anspruchsvolle Bewegungsmuster zu erlernen. Anspruchsvoll kann an dieser Stelle auch schon der richtige Stemmschritt beim Weitsprung, die kompakte Deckung beim Boxen, der explosive Abdruck aus dem Startblock beim Sprint oder das schnelle Schließen der Beine beim Salto im Turnen sein. Was können Sie nun also vom Leistungssportler lernen?

1) Variable Verfügbarkeit der Leistung: Die meisten Leistungssportler verfügen im Vergleich zu typischen Fitnesssportlern über einen enormen Erfahrungsschatz, den sie über tausende von Wiederholungen in verschiedenen Trainings- und Wettkampfsituationen erworben haben. Auch ein ambitionierter Fitnesssportler hat zwar im Laufe seiner Trainingskarriere unzählige Sätze und Übungswiederholungen bewältigt, aber – und das ist der große Unterschied – er absolviert diese fast ausschließlich in einer gewohnten Umgebung, nämlich in seinem Fitnessstudio, im Sportverein oder zu Hause. Ein Leistungssportler ist hingegen gezwungen, seine Leistung auf jeder Wettkampffläche der Welt, in jeder Halle oder in jedem Kraftraum zu 100 Prozent zu erbringen. Fazit: Vergrößern Sie Ihren Bewegungsschatz und trainieren Sie mit verschiedenen Geräten, an ungewohnten Orten und auf unbekannten Untergründen oder auch einmal zu einer unüblichen Tageszeit.

2) Regelmäßiger Belastungswechsel: Aus biologischen Gründen ist im langfristigen Trainingsverlauf immer wieder ein Belastungswechsel notwendig. Ein Mensch kann nicht ganzjährig im Hochleistungszustand sein, da er sich damit im Grenzbereich seiner individuellen Belastbarkeit befindet. Sehr leicht wäre in diesem Fall die Gefahr eines Übertrainings gegeben. Aus diesem Grund ist der Phasencharakter bei der Einteilung des Trainingsjahres in aufbauende, stabilisierende und reduzierende Belastungsperioden besonders wichtig. Fazit: Erstellen Sie sich einen Jahres- oder Halbjahresplan und verändern Sie Ihre Übungen, Wiederholungs- und Satzzahlen alle 6 bis 8 Wochen.

3) Aktivierung zusammenhängender Muskelgruppen: Je vielfältiger ein Trainingskonzept gestaltet ist, desto mehr Muskelgruppen werden im Training aktiviert. Je mehr koordinative Anteile eine Übung beinhaltet, umso mehr müssen die beanspruchten Muskeln als zusammenhängende Schlingen agieren, die ähnlich wie Zahnräder ineinander greifen und die „Maschine“ in Bewegung versetzen. Dieses Konzept verbirgt sich hinter jedem funktionellen Fitnessprogramm und macht langfristig Sinn, denn durch die Kopplung von Bewegungskoordination, Muskelarbeit und Sensomotorik wird der Körper und Geist zusammenhängend und ganzheitlich gefordert. Fazit: Für die Anwendung eines solchen ganzheitlichen Trainingskonzepts müssen Sie nicht auf hochmoderne und teure Trainingsgeräte zurückgreifen, sondern können sich an elementaren Sportarten wie dem Geräteturnen, Kampfsport, Ballett und der Leichtathletik orientieren. In all diesen Sportarten benötigt man ein stabiles, kräftiges, ausdauerndes, koordinatives und beweglichkeitsorientiertes Grundgerüst.

Dr. Daniel Gärtner
Dr. Daniel Gärtner ist Sportwissenschaftler und Dozent an der TU München. Gesunde Kochrezepte und Trainingspläne gibt’s auf www.das-perfekte-workout.de. Er ist zudem in der TV-Sendung "Wahre Helden" auf vox zu sehen.

Zurück