Vom Gipfel in die Badewanne

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp

Strahlend blauer Himmel, bei minus 22 Grad: Unsere zweite Skitour des Winters unternehmen wir bei Temperaturen weit außerhalb der Komfortzone. Das Ziel: der Große Traithen.

Der 1.854 Meter hohe Große Traithen gehört zu den anspruchsvolleren Skitourenbergen im Sudelfeldgebiet. Er ist zwar nicht so imposant und spektakulär wie der weit bekanntere Nachbar gegenüber, überragt ihn aber immerhin um 16 Meter, was viele Einheimische gar nicht wissen. Der Nachbar Wendelstein ist nämlich nur 1.838 Meter hoch.

Der Latschengipfel mit der steilen Nordflanke ist einer der beliebtesten Hausberge für geübte Tourengeher aus der Rosenheimer Region. Der Normalanstieg führt von der Rosengasse über die Rosengassenalm hinauf zu einem relativ steilen Hang, der schon einigermaßen geübte  Spitzkehrentechnik erfordert. Oben vor dem letzten Buckel geht es leicht abwärts in eine Karmulde unterhalb des Steilner Jochs; von dort über den Rücken in Richtung Steilner Joch und kurz unterhalb des Gipfels rechts zum Sattel und exponierten und langgezogenen Ostgrat hinüber zum Gipfelkreuz des Großen Traithen. Normalerweise ist der Aufstieg samt der 750 Höhenmeter in gut zwei Stunden zu schaffen. Wir brauchen länger, weil Felle bei der Kälte nicht mehr kleben wollen und  immer wieder fixiert werden müssen. Oder weil es manchmal einfach ein bisschen dauert, bis man sich und seine Ski nach einem Spitzkehrensturz im steilen Hang wieder sortiert hat.

Stehen bleiben oder Stehenbleiben müssen ist bei der Kälte nicht besonders angenehm. Die Haare, die aus den Mützen herausschauen, sind mit Reif überzogen, Finger und Zehen werden immer wieder kalt. Oben am Gipfel ist der Ausblick auf die umliegenden Voralpen zwar beeindruckend, aber nur sehr kurz ein Genuss. Zu eisig bläst der Wind heute hier oben.

Für die Abfahrt kann man unterschiedlichste Routen in den verschiedensten  Schwierigkeitsgraden  wählen. Die Nordabfahrten sind alle sehr steil und zum Teil mit felsigen Überhängen. Hier sollte man sich schon sehr gut auskennen, extrem gut Skifahren und auch beim Thema Lawinen nicht völlig sorglos sein. Problemloser ist die Abfahrt über die Nord-West-Flanke, die sich jedoch heute völlig verblasen und hart zeigt. Meist ist nur ein seitliches Abrutschen zwischen den engen Latschen möglich.

Wir finden einen fahrbaren Einstieg in die Scharte in den Nordhang. Aber auch hier in der Rinne sieht der Schnee schöner aus, als er ist: windgepresst und nicht so ganz leicht zum Fahren. Weiter unten im  Variantengelände zur Rosengasse sind schon deutliche Abrisse bis zum Grund zu sehen, weshalb wir uns besser zwischen den Latschen und Bäumen einen Weg durch den tiefen Schnee nach unten suchen.

Und uns nach der Ankunft am Auto nach dieser herausfordernden Tour einfach nur auf eine heiße Badewanne freuen.

  • Routeninformationen
  • Bildergalerie
Starthöhe: 1.104 Meter
Höhendifferenz: 750 Meter
Gehzeit: etwa 2 Stunden (Aufstieg)
Gebirge (Region): Sudelfeld, Mangfallgebirge
Einkehrmöglichkeit: Gasthof Rosengasse am Ausgangspunkt
Ausgangspunkt: Parkplatz Rosengasse (1.104 Meter)
Anreise/Zufahrt: Über Brannenburg oder Oberaudorf Richtung
Sudelfeld, nach dem Tatzelwurm rechts zur
Rosengasse. Oder über Bayrischzell Richtung
Sudelfeld via Waldkopf, Grafenherberg, Rosengasse.

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