Unterwegs auf Schmugglerpfaden

Petra Rapp

Foto: Petra Rapp

Der Weg zur 2.624 Meter hohen Kreuzspitze im ursprünglichen und pistenfreien Villgratental ist nur eine von unzähligen Tourenmöglichkeiten in Osttirol.

Dieser Winter hat es mehr als gut gemeint mit Osttirol. Schnee ohne Ende, sodass Skitourengeher oder Schneeschuhwanderer hier noch weit in das späte Frühjahr hinein ihren Spaß haben werden. Der Weg dorthin lohnt allemal. Kals am Großglockner, Matrei, das Virgental, St. Jakob im Defereggental und natürlich die Lienzer Dolomiten mit ihrer einzigarten Kulisse: Ganz Osttirol gilt als Skitouren-Paradies. Unser Ziel: das Villgratental, ein Seitental des Osttiroler Pustertals, das sich über fast 170 Quadratkilometer erstreckt.

Schon vor 30 Jahren, als Skibergsteigen noch lange nicht im Trend lag, zogen Pioniere hier ihren Brettern das Fell über die Ohren. „80 Prozent unserer Gäste sind Tourengeher“, berichtet Ossi Fürhapter, Geschäftsführer der Tourismusinformation Villgratental. Nach wie vor schätzen die Gäste im urigen Innervillgraten mit seinen rund 1.000 Einwohnern und dem noch beschaulicheren  Außervillgraten mit 860 Menschen die unvergleichliche Ruhe und die exklusiven Berg- und Naturerlebnisse in der Abgeschiedenheit dieses Tals mit seinen jahrhundertealten  Traditionen und Wurzeln. 1982 wurde hier noch der Wilderer Pius Walder aus Kalkstein erschossen, was zu Spaltungen und Konflikten in seiner Heimatgemeinde und zu großen medialen Schlagzeilen führte. Mitte der Achtziger war die Alfenalm oben im Tal authentische Kulisse für die Fernsehserie „Schwabenkinder“ mit Tobias Moretti und beim Besen-Bürsten-Rainer in Innervillgraten gibt es Besagtes noch immer in guter Handarbeit. Nein, sie haben nicht verschlafen. Sie sind sich treu geblieben hier und haben deshalb auch einfach nicht mitgemacht, als ein Dorf nach dem anderen im Alpenraum damit begann, Liftanlagen zu bauen. Heute ist das Villgratental in Osttirol österreichweit das einzige mit hohen Bergriesen, aber ohne Skizirkus.

Kaum einer kennt die Berge hier so gut wie Hannes Grüner. Der Ski- und Bergführer kommt aus  Sillian und passt in seiner ruhigen Art wie auch rein äußerlich perfekt in die traditionsbewusste Umgebung. Auch er bleibt sich und seinen Dingen treu und wolle sich beispielsweise auf moderne, breite Freeridetourenski, wie einige von uns sie unter den Füßen haben, nicht hinaufstellen, sagt er.

Hannes führt uns hinauf auf die Kreuzspitze, eines der beliebtesten Tourenziele im Villgratental. LVSCheck unten in Kalkstein, dann geht es weiter durch einen schönen Lärchenwald, wo wir nach einigen Minuten an einer beschilderten Gabelung rechts ins Rosstal abbiegen und auf einem doch etwas vereisten Weg taleinwärts zur Lipperalm aufsteigen. Am Talende weisen Schilder zum Kalksteinjöchl, einem beliebten Übergang nach Südtirol, der früher rege von Schmugglern frequentiert  war. Ein strahlender Tag, auch wenn die Schneelage nicht mehr ganz so gewaltig ist. Über sanftes Rinnen- und Muldengelände geht es weiter bergauf. Nach gut 1.000 Höhenmetern und drei Stunden Aufstieg warten oben das schöne Gipfelkreuz und ein unbeschreiblicher 360-Grad-Panoramablick über die Südtiroler Dolomiten, den Karnischen Kamm, die Glockner- und die Venedigergruppe.

Unten im Tal werden nach einer doch überraschend guten Firnabfahrt durch versteckte Rinnen in der gemütlichen Badl-Alm die leeren Depots mit Osttiroler Schlipfkrapfen gefüllt, während uns Wirt Gebhard Walder, selbst passionierter Tourengeher, mit seinen Erzählungen schon wieder Lust auf eine nächste Tour in der Gegend macht.

 

  • Routeninformationen
Anforderung: leicht
Höhendifferenz: ca. 1000 Meter
Gehzeit: Aufsteig ca. 3 Stunden
Gebirge (Region): Villgratner Berge
Einkehrmöglichkeit: Badl-Alm in Kalkstein
www.badl-alm.at
Ausgangspunkt: Innervillgraten/Kalkstein
Anreise/Zufahrt: Mit dem Auto über Kufstein und
den Felbertauerntunnel nach
Lienz, weiter auf der B100 bis
Heinfels, dann auf die L273 ins
Villgratental.

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