Über dem Sonnental

Mit dem Training kommt das Vergnügen: Ein himmeblau-Team erkundet die Jachenau und erlernt gleichzeitig wertvolle Mountainbike-Techniken.

Christian Topel

Fotos: Andreas Jacob

Ein Radl macht noch keinen Biker – haben wir uns anlässlich der noch jungen Mountainbike-Saison gesagt und uns aufgemacht, zwei Fliegen mit einer Klatsche zu schlagen. Eine Tour in unbekannten Gefilden wollten wir einerseits unternehmen, andererseits unser bislang eher instinktgelenktes Gestrampel auf fundierte Füße tellen. Unter einen Helm hat unser Vorhaben Franz Xaver Bodmaier gebracht. Der 54-Jährige berät nicht ur in Sachen gesunder Ernährung, er bietet bei sich in der Jachenau, ganz im Süden des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen, auch Mountainbike-Trainings für Gruppen bis zu sechs Personen an.

Unser himmeblau-Team setzt sich an diesem Tag aus Anfängern, Fortgeschrittenen und einem wahren Vollblutradler zusammen. Erste Station: das kleine Natureisstadion unterhalb der Pfarrkirche St. Nikolaus. Hier absolvieren wir Gleichgewichts- und Geschicklichkeitsübungen und erlernen das richtige Bremsen. Wer den Sattel schon mal über den Lenker verlassen hat, kann nachvollziehen, wie wichtig die richtige Dosierung von Vorder- und Hinterradbremse, wie einflussreich eine Gewichts- verlagerung ein kann. Die oberste Devise lautet: Hintern raus – sieht zwar leicht lächerlich aus, kann bei Gefahr im Verzug aber vor ungewollten Salti schützen! Weitere Übungen will Franz Xaver quasi „im Gelände“ durchführen.

Auf die Pedale also, vom Parkplatz des Gasthofs Schützenhaus talauswärts bis zur Abzweigung rechterhand in Richtung Gasthof Jachenau. Im Ortsteil Setzplatz halten wir uns an der Laine entlang rechts bis zu einer Brücke, die wir überqueren und uns weiter rechts halten. Bei der Einmündung an der Jachen biegen wir rechts ab, fahren wieder über eine Brücke und halten uns an der folgenden Abzweigung wieder rechts. Rund 300 Höhenmeter Richtung Staffel gilt es nun zu bewältigen.

Ein guter Zeitpunkt, den Blick endlich über das „Sonnental“ schweifen zu lassen, wie die Jachenau auch genannt wird – obwohl die Benediktenwand im Norden und Staffel und Wilfetsberg im Süden durchaus für Schatten sorgen. Raps strahlt mit der Sonne um die Wette, weit, weit im Hintergrund glänzt am Karwendel noch Schnee. Unsere Nasen kitzelt der Duft frisch gemähten Grases. Wir passieren geradewegs zwei Gabelungen, ehe es ein Stück zuerst eben und dann leicht abschüssig in Richtung Lainer Alm geht. Außer uns ist keine Menschenseele unterwegs, weshalb Franz Xaver die Tour für weitere Übungen unterbricht. Auf der Agenda steht die Überwindung von Hindernissen. Einige Äste und Baumstämme auf den Weg gelegt, gilt es für uns, schadlos darüber hinwegzurollen. Während der hauptberufliche Fahrradkurier Johann einfach abhebt und über das Gehölz hüpft, heißt es für Novizen wieder: Gewicht verlagern; Wenn der Vorderreifen anschlägt nach hinten, sobald das Hinterrad dran ist, nach vorne. Etwa 100 Meter vor der Alm führt dann ein Pfad von einer Linkskurve weg geradeaus bergan bis zu einer Forststraße, wo wir rechts abbiegen, die Luitpolder Alm links liegen lassen, nach einem kurzen Anstieg links abbiegen und schließlich auf dem Höhenrücken bei leichtem Auf und Ab Richtung Westen fahren.

Nach einem traumhaften Ausblick auf den Walchensee bleiben wir auf dem Hauptweg – keinesfalls rechts abbiegen! Nach einer Kuppe landen wir am Ende des Weges – die Aussicht ins Isartal und auf den Karwendel entschädigt für alle Anstrengung. Auf dem Rückweg aus der Sackgasse nehmen wir die erste Abzweigung links hoch, zunächst mäßig ansteigend, nach einer rechts auftauchenden Gabelung dann einen kurzen steilen Stich hoch. Hier heißt es für uns: wer sein Rad liebt, der schiebt. Ehe wir 200 Höhenmeter abwärts Richtung Galgenwurfsattel sausen, erklimmen wir einen zähen, steilen Weg zum zunächst höchsten Punkt auf über 1.200 Metern Höhe.

Auf dem Sattel biegen wir rechts ab. Bevor man sich über das ebene Dahingleiten freuen kann, zieht der Hauptweg nach links und wird zeitweise richtig steil. Ohne dem Weg hinunter zum Walchsee allzu viel Beachtung zu schenken, behalten wir die östliche Fahrtrichtung bei, bis ein  unscheinbarer Pfad Richtung Altlacher Hochkopf abzweigt (Markierung am Baum). Er breitet sich bald zu einem ordentlichen Fahrweg aus, der uns die letzten Hundert Höhenmeter zum höchsten Punkt der Tour führt: zur Hochkopfhütte auf 1.300 Metern. Pause, Dringend – und zwar nicht nur der freien Sicht auf Zugspitze und Karwendel wegen!

König Ludwig habe diese Hütte als Unterkunft genutzt und sie seinem Freund Richard Wagner  als kreativen Rückzugsort zur Verfügung gestellt, erzählt Franz Xaver, dem der Schweiß nicht in Sturzbächen von der Stirn rinnt.

Uns schon! Wir verzichten auf den für Anfänger ungeeigneten, von der Hütte hinab führenden Trail und nehmen die Aufstiegsroute zurück. Wieder an der Straße angekommen, halten wir uns rechts. Nach einem zähen Gegenanstieg erscheint eine Gabelung, wo wir nach rechts fahren und auf jene Abzweigung Richtung Hochkopf treffen, die wir beim Aufstieg nutzten.

Halleluja hallt es schließlich durch den Wald, als wir bei der nächsten Gabelung links Richtung  Niedernach/Walchensee abbiegen. Uns erwartet eine rasante, aber erholsame Abfahrt bis direkt ans Südufer des Walchensees, der die ganze Fahrt über herrlich türkis durch die Bäume schimmert. Bei diesem Tempo kommt einer der Tipps von Franz Xaver zum Einsatz: sich nämlich  auf dem Mountainbike nicht in die Kurven zu legen wie etwa ein Rennradfahrer, sondern das Innenknie ausklappen und das Rad nahezu senkrecht lassen! Unten am Ufer lotst uns der Durst nach rechts zur Waldschenke Niedernach. Der hauseigene Kuchen füllt auf köstlichste Weise verlorengegangene Kalorien wieder auf, eine Russnhalbe gleicht den Flüssigkeitsverlust aus.

Zurück in die Jachenau zuckeln wir dann ganz gemächlich auf der Teerstraße. Unser einhelliges Fazit: anstrengend, lehrreich, idyllisch hoch drei.

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