Tief hinein in den Wendelstein

Petra Rapp

Fotos: Peter Hofmann

Höhlentouren in die Inntaler Unterwelten bieten eindrucksvolle Einsichten

Wer nicht immer hoch hinauf, sondern auch einmal tief hinein will in die Bergwelt, findet dazu im Inntal spannende Möglichkeiten. Allein zwischen Rosenheim und Kufstein gibt es 64 Höhlenprojekte und 16 Bergwerkstollen, die meisten davon allerdings noch weitgehend unerschlossen. Die Wendelsteinhöhle, das Grafenloch, die Tischoferhöhle und die Hundalm Eishöhle eigen sich dagegen bestens für Besichtigungen durch Familien, Wander- und Naturfreunde. Die vier Höhlen wurden 2010 im Rahmen des Höhlen-Kultur-Erlebnis- Konzeptes „Inntaler Unterwelten“  erschlossen  und sollen den Besuchern das geheimnisvolle Thema „Mensch & Höhle“ näher  bringen.

Der Oberaudorfer Höhlenforscher und Buchautor Peter Hofmann ist Mitinitiator dieses Projektes und führt eine Gruppe in die bekannteste der vier Höhlen: die Wendelsteinhöhle oben an der Bergstation der Zahnradbahn. Fledermäuse, Sagen, Feuchte, Beklemmung, Dunkelheit – das sind die ersten Assoziationen der Teilnehmer zum Thema Höhle beim Einführungsgespräch dieser „Wendelstein inside“-Tour. Sie führt über die leicht begehbare, gut ausgeleuchtete und mit informativen elektronischen Infotafeln zu den Themen Psychologie, Biologie, Geologie und Philosophie ausgestattete Wendelstein-Schauhöhle hinaus, noch 100 Meter weiter in den  unerschlossenen und nur mit Führer zu begehenden Höhlenteil hinein. 

Peter Hofmann ist von Höhlen fasziniert. Krankheitsbedingt war er als Jugendlicher öfter auf Kur im Gasteiner Tal und im dortigen Heilstollen. Dieser hat ihn unheimlich begeistert und die Passion Höhlenkunde samt Höhlenfotografie hat ihn seither nicht mehr losgelassen. „Höhlen sind einfach etwas Besonderes, wo es noch so viel Neues, Unerforschtes zu entdecken gibt“, erzählt  der Höhlenforscher. Das Thema „Mensch und Höhle“ interessiere ihn besonders, vor allem der philosophische, historische und religiöse Aspekt. Zeus soll in einer Höhle geboren worden sein, Höhlen seien der älteste Kultraum der Menschen. Ein Höhlenbesuch wecke bei jedem Besucher ganz unterschiedliche Emotionen. „Kinder lasse ich immer malen, was sie in der Höhle empfinden. Erwachsene sind dazu meist zu verkopft“, sagt Hofmann.

Von seinen Gästen, die er durch die Wendelsteinhöhle führt, wünscht er sich, dass sie eine Höhlenbesichtigung nicht als rein sportliches Abenteuer wie einen Canyoning-Ausflug sehen, sondern sich auch auf diese anderen Aspekte einlassen. „Freuen würde es mich, wenn sie am Ende der Tour sagen: „Mensch, was in dem Thema Höhle so alles drin steckt, hätte ich mir vorher auch nicht träumen lassen.“

Ein bisschen Mut und Trittfestigkeit muss man schon mitbringen für die Kraxelei hinein in den Berg. Kühl ist es und ziemlich eng an manchen Stellen, einige Leitern im nassen Fels sowie tiefe Abgründe sind zu überwinden. Feste Bergschuhe mit rutschfester Sohle und warme Kleidung sollte man deshalb dringend mitbringen. Helm mit Stirnlampe, Overall zum Drüberziehen und Handschuhe werden gestellt.

Nach dem nicht ganz anspruchslosen Rauf und Runter sind die Teilnehmer nach einer Stunde tief drinnen im Berg und erleben in der sogenannten Herzkammer der 1883 erstmals begangenen  Höhle eine schon fast sinnliche Dunkelheit und Stille, als sie die Stirnlampen kurz ausschalten. Hier am Ende dieser hochalpinen Klufthöhle erzählt Peter Hofmann bei einer kurzen Brotzeit aus seinem reichen Wissensschatz und zeigt mit Licht und Lupe, dass es selbst in dieser so  lebensfeindlich wirkenden Umgebung Leben gibt. Fledermausknochen liegen am Weg, Springschwänze tummeln sich in den Wasserlöchern.

Allmählich kriecht die feuchte Kälte in die Knochen und die Gruppe deshalb nach einer erlebnisreichen wie sehr informativen Tour zurück ans helle Tageslicht. Beeindruckt, fasziniert von einer neuen, bisher noch ziemlich unbekannten Welt und im jetzt ziemlich verschmutzten  Bergarbeiter-Outfit bestaunt von den zahlreichen restlichen Wendelsteinbesuchern.

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