Schweinehund, halt´s Maul!

Die härteste Trainingsmethode der Welt ist in Rosenheim angekommen. Bei Crossfit werden Helden der Fitness geboren.

Christian Topel

Foto: Christian Topel

Dein innerer Schweinehund wird dich hassen. Er wird winselnd am Boden liegen und dich anflehen, ihm das nie mehr wieder anzutun. Doch wenn der Schmerz nach und nach weicht, macht er einem befriedigenden Gefühl von Stolz platz. Und das ist, mit Verlaub, ein geiles Gefühl! Direkt im Anschluss an eine Stunde CrossFit bist Du einerseits am Boden zerstört, andererseits spürst Du, welch Kraft in jeder Faser deines Körpers schlummert – man müsste sie nur wecken, sie in weiteren Trainingseinheiten herauskitzeln. Wobei herausquälen in der neuen CrossFit Box in Rosenheim die treffendere Beschreibung wäre...

Es heißt, CrossFit sei die Trainingsmethode der US-Marines. Nichts für Weicheier also, kein Pillepalle auf gepolsterten Geräten und danach Wunden lecken in der Sauna. Crossfit, das bedeutet: zurück zu den Wurzeln. So glänzt das Rosenheimer „Studio“ durch die absolute Absenz von Komfort. Eine Art Klettergerüst für Klimmzüge, ein paar Seile, Ringe, Traktorreifen, Kettlebells oder Medizinbälle – spartanische, aber wirkungsvolle Utensilien eben. Der Fokus richtet sich auf ein Ziel: den eigenen Körper zu stählen, und zwar möglichst allumfassend und realitätsnah. „Und in der Realität trägt man halt häufiger eine Kiste Bier die Kellertreppen herunter, als im Sitzen angeleinte Gewichtchen zu bewegen“, erläutern Dominik Sasjadvolk und Michael Berger, die Trainer und Betreiber der Rosenheimer CrossFit Box, das aus den Staaten stammende Konzept.

Und wie sorgen Cross-Fit-Workouts für diese Schulung des gesamten Körpers? Wer sich traut, trainiert sich nicht nur ein Sixpack an, gleichzeitig  werden Koordination, Geschwindigkeit, Schnellkraft, Maximalkraft, Kraftausdauer und Flexibilität gefördert. Mittels Einheiten, die rund eine Stunde dauern und einem festgelegten Ablauf folgen: Aufwärmen, Fertigkeitstraining, Hochintensitätstraining und Dehnübungen. Tja, und dieses ca. vierstelstündige Hochintensitätstraining als Kern des Ganzen hat´s wirklich in sich. Hierbei nämlich gilt es, entweder eine vorgegebene Anzahl an Übungen in möglichst geringer Zeit durchzuziehen, oder in einer vorgegebenen Zeit eine möglichst hohe Anzahl an Übungen. Weil man das in einer Gruppe – neudeutsch Community – tut, herrscht zwar eine gewisse Wettkampf-Atmosphäre, die zeichnet sich aber durch Partnerschaftlichkeit aus. Gegenseitige Anfeuerungsrufe gehören zum guten Ton! Der rauh ist, aber herzlich...

Routine reißt jedenfalls nicht ein. Dafür sorgen die unterschiedlichen Möglichkeiten, ans individuelle Trainingsprogramm zu gelangen: „Deine“  Crossfit-Box stellt täglich ein sogenanntes „Box-Workout“ zusammen, das WOD (Workout of the Day). Die WODs werden auf den Websites der jeweiligen Crossfit-Box veröffentlicht und können von den Gruppen gemeinsam absolviert werden. Daneben gibt´s das „Mainsite-Workout“, quasi  das WOD der offiziellen CrossFit-Seite. Aber Vorsicht: Anfänger gerater hier an ihre Grenzen.... Nicht täuschen lassen sollte man sich von den „Girls-Workouts“. Insgesamt wurden 21 Workouts entwickelt und mit Frauennamen getauft. Es handelt sich um standardisierte Trainingspläne, die das Gegenteil von sweet und sexy sind, Name hin oder her. Kostprobe gefällig? „Cindy“ verlangt, innerhalb von 20 Minuten so viele Runden wie  möglich davon zu schaffen: 5 Klimmzüge, 10 Liegestütze, 15 Kniebeugen. Hört sich erstmal knuffig an, wird zum Ende hin aber knackig.

Bleiben die Hero-Workouts – 68 extrem anspruchsvolle Einheiten in Erinnerung an gefallene und getötete USSoldaten und -Polizisten. Wer sich daran versucht, weiß, warum Crossfit-Regel Nummer 14 ins Leben gerufen wurde: „Du darfst vorher, während und nach dem Workout weinen. Aber  benimm Dich bitte nicht wie ein kleines Baby.“ Also: Halt´s Maul, Schweinehund, steh auf, ignoriere den Schmerz und genieße den Stolz!

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