Schon alle Tassen im Ofen?

Christian Topel

Fotos: Christian Topel

Cupcakes: Wenn die Hausfrau zur Konditorin wird.

Zucker. Unmengen an Zucker. Und obendrauf Buttercreme. Unmengen an Buttercreme. Klar, was will man von einem in Amerika zu Ruhm und Ehre gelangten Gebäck anderes erwarten als fette, süße Maßlosigkeit. Überm großen Teich gehören die sogenannten „Cupcakes“ längst zum kulinarischen Kulturgut. Ganze Ladenketten, die nichts anderes auf der Karte haben als jene Kalorienbomben, überziehen das Land der unbegrenzten Zutatenlisten. Schuld an dem Trend dürfte eine bei Frauen  in nahezu der ganzen Welt beliebte TV-Serie gewesen sein. In „Sex and the City“ trafen sich die hippen Hauptdarstellerinnen regelmäßig in der „Magnolia-Bäckerei“, einer kleinen Cupcake-Bäckerei. Mit „2 Broke Girls“ drehte der US-Sender CBS dann sogar eine ganze Sitcom zum Thema. Während die zwei Ladys ihren Traum vom eigenen Cupcake-Laden inzwischen auch im deutschen  Privatfernsehen träumen, fällt der Siegeszug der Tassenküchlein hierzulande eine Nummer kleiner aus. Kleiner, aber nicht weniger kreativ. Denn das macht – abgesehen vom Geschmack – ihre eigentliche Faszination aus: Cupcakes bieten trotz ihrer geringen Größe gewaltig Raum für Kreativität!



„Die Krone macht den Unterschied“, erklärt Stephanie Stehberger, neben ihrer Mutter Rosemarie Holzeder Geschäftsführerin der „Rosenheimer Gourmetmanufaktur“, einem Familienunternehmen, das kleine Köstlichkeiten aus natürlichen Zutaten herstellt – in Handarbeit, und mit drei Generationen „am Backofen“, weil die Oma fleißig mithilft, jetzt, in der Vorweihnachtszeit. Wenn Stephanie Stehberger von einem Unterschied spricht, dann meint sie übrigens den zum Muffin. Als deren vornehme Variante könne man Cupcakes nämlich bezeichnen, würden sie doch, anders als ihre unauffälligeren  Verwandten, cremig gekrönt oder phantasievoll dekoriert, sagt Stehberger. Neben diesem offensichtlichen  Unterschied besteht jedoch noch ein weiterer!

Macht man einen Muffinteig, mischt man zuerst alle trockenen Zutaten, dann alle feuchten, ehe man  beide Teile kurz zusammenrührt. Cupcakes hingegen bestehen aus einem gewöhnlichen Rührteig. Ausgiebiges Rühren verleiht ihm mehr Feinheit und Lockerheit als dem Teig von Muffins.

Ein weiterer Vorteil: Rührteig lässt sich leichter aromatisieren. Durch Zugabe entsprechender Zutaten  wird aus einem einfachen ein Frucht-, Schokoladen- oder Nuss-Cupcake. Apropos Zutaten: Ob man die Cupcakes nach der Abmessung ihrer Zutaten benannte (eine Tasse Mehl, eine Tasse Butter...) oder nach der ursprünglichen Backform, nämlich einer Tasse, gilt als strittig.

Die rund 20 Mitarbeiterinnen der Rosenheimer Gourmetmanufaktur jedenfalls zeichnen sich durch ausgefeilte Varianten des „Frostings“ aus, den obligatorischen Häubchen der Cupcakes., die in den USA gar nicht genug Butter und Zucker enthalten können. Deutsche Rezepte dagegen greifen gerne auf Frischkäse zurück, um das Ergebnis etwas leichter schmecken zu lassen. „Ich stehe total auf Rollfondant“, gesteht demgegenüber Stephanie Stehberger. Mithilfe der pastösen Zuckermasse zaubert  sie gerade zur Weihnachtszeit aufwendige Verzierungen aufs Törtlein. Ist natürlich ein Vorteil, wenn man an der Zutatenquelle sitzt. Nicht umsonst sind Lebensmittelfarben, essbarer Glitzer und jener Rollfondant in allen erdenklichen Farben die Verkaufsschlager des Unternehmens, das vor vier Jahren mit farbigen Salzen als erstem Produkt startete. Bis zur nächsten Grillsaison geht´s jetzt aber erst mal süß zu. Weihnachtszeit ist Cupcakeszeit!

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