Salben – selbst gemacht

Christian Topel

Fotos: Andreas Jacob

In Prien zeigt ein Seminar, wie aus Naturrohstoffen wohltuende Salben für jede Lebenslage gemacht werden.

Dem Kneipp-Verein Prien ist es zu verdanken, dass sich Gertraud Reuthers Spitzweg-Apotheke fünf Mal pro Jahr in eine kleine Experimentierküche für Kunden verwandelt. Unter den Kneippianern der Marktgemeinde als leidenschaftliche Galenikerin bekannt – als eine Frau also, die sich mit der Herstellung von Arzneimitteln beschäftigt – sollte Reuther die Allgemeinheit in die Kunst des Salbenmachens einführen. Anfangs skeptisch, erfreut sich die Apothekerin nun seit drei Jahren vor allem am Eifer und Wissensdurst ihrer – vornehmlich – Teilnehmerinnen.Die dürfen dann unter Reuthers kundiger Anleitung eigenhändig eine Ringelblumenkältesalbe, eine Orangenblütensalbe, ein Lippenbalsam, eine Augencreme oder eine After Sun Lotion herstellen. „Und zwar aus reinsten Naturrohstoffen“, wie Reuther unserem von der Priener Tourismusgesellschaft ausgeliehenem „Versuchskaninchen“ Magdalena erklärt.

Die Auszubildende darf sich an der Ringelblumensalbe versuchen. In einem ersten Schritt wird ein Öl-Auszug aus Ringelblumenblüten hergestellt. Dazu erhitzt Magdalena 20 Minuten lang einen Teil Ringelblume und neun teile Olivenöl auf 70 Grad. Während der Sud vor sich hin zieht, wiegt Magdalena Bienenwachs und Kakaobutter ab und bringt auch diese Zutaten zum Schmelzen. „Wir cremen uns täglich ein, aber wann erfährt man schon, wie so eine Salbe entsteht, oder welche Inhaltsstoffe drin sind?“, begründet Reuther ihr Engagement, das weit über die Kursabende hinausgeht. „Für das Augengel auf Basis von Hyaluronsäure habe ich monatelang experimentiert“, erinnert sich die Apothekerin. Schließlich seien die Ansprüche hoch gewesen: kühlend, Fältchen mindernd, befeuchtend und fettend sollte das Produkt werden, ohne Chemie auskommen und zudem bezahlbar sein. Und das Ergebnis? Magdalena cremt und ist begeistert!

Reuther seiht den Ringelblumenöl-Sud derweil durch einen Schnelllauftrichter ab. Auch das erweist sich als ein nicht unbedeutendes Element des Salbenseminars: im Preis von 15 Euro ist eine kleine Werkzeug- und Laborkunde inbegriffen. So gilt es für Magdalena nun, das warme Öl und die geschmolzenen Fette mittels Pistill (quasi ein Stößel) in einer „Fantaschale“ (ein Mörser mit aalglatter Oberfläche) zu vermischen. „Möglichst klumpenfrei“, zwinkert Reuther.

In dem Raum über der eigentlichen Apotheke macht sich der würzige Duft eines Heustadels breit. Darum würden die meisten ihrer Salbenmacher die Ringelblumencreme auch nicht parfümieren, erzählt Reuther. Für die After Sun hingegen stünden natürlich ätherische Öle bereit. Auch die ist ein kleines Meisterwerk. „Wenn einer vom Segeln mit aufgebranntem Buckel zurück kommt, braucht er erst Kühlung, dann Pflege, schließlich Entzündungshemmung“, zählt die Pharmazeutin auf. Um das Ganze noch regenerierend und heilend zu machen, hat sie als Hauptbestandteile Calendula, Aloe vera, Dexpanthenol und Allantoin verwandt.

Magdalena fügt ihrer Salbe abschließend ein Portiönchen Vitamin E hinzu und darf die Salbe, wenn sie kalt- und homogen gerührt ist, in eine Dose füllen. Voilà – fertig ist die Ringelblumenkältesalbe. Eine grandiose Allroundsalbe, die sich, weil fettreich- und wasserfrei, als Kälteschutz eignet, zudem bei schlecht heilenden Wunden, Blutergüssen, Geschwüren, Quetschungen, Zerrungen, oder Ekzemen. Wer´s selbst mal ausprobieren will: Im Juni finden wieder Kursabende statt.

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