Piraten des Chiemsees

Julia Schuster

Fotos: Chiemseepiraten

Kinder im Alter von 5 bis 13 Jahren dürfen mit den „Chiemseepiraten“ spannende Abenteuer erleben.

Eines Tages ruderte Piratenkapitän Peter gemeinsam mit Bordhund Leila in einem kleinen Boot über den Chiemsee. Doch was war das? Nur wenige Meter von ihm entfernt schwamm eine Flasche. Neugierig fischte er sie heraus. Darin war eine Nachricht. Kurzerhand zerbrach er die alte Flasche und rollte das lederige Papier auseinander: eine Schatzkarte! Dabei noch ein kleiner goldener Schlüssel und ein Brief. Darin stand, dass einst Piratenkapitän „Fischunkel“ des Königs Gold raubte und dieses auf der Insel versteckte. Aber alleine wird Peter den Schatz nicht finden können. Darum benötigt er die Hilfe von tapferen Piratenjungen und -mädchen.

Die Kinder einer Grundschulklasse und ich sitzen unterdeck des Piratenschiffes, während wir Peters Geschichte lauschen. Er und sein Team tragen weite weiße Rüschenhemden mit breiten Gürteln und silbernen Totenköpfen als Gürtelschnallen. Selbst Piratenhund Leila trägt ein schwarz-rotes Halstuch mit einem Schädel über gekreuzen Knochen darauf. Wir sind auf dem Weg zur Insel Herrenchiemsee. „Leider hat Leila die Schatzkarte gefressen“, erzählt der Piratenkapitän und holt aus seiner Tasche eine Plastiktüte mit ein paar wenigen durchgekauten Fetzen Papier heraus. „Das ist alles, was noch übrig ist.“ Oh nein! „Aber Gott sei Dank habe ich ich mir zuvor eine Kopie gemacht.“ Puh, Glück gehabt!

Mit gelben Stirnbändern und schwarzen Augenklappen stilecht gekleidet betreten wir bei unserer Ankunft die Insel. Weiter geht es mit der Pferdekutsche Richtung Schloss. Dort erzählt Peter uns geheime Geschichten über König Ludwig II., die bei den Schlossführungen verschwiegen werden. Beispielsweise war es Ludwigs Wunsch, dass das Schloss Herrenchiemsee nach seinem Tod mit einer Bombe in die Luft gesprengt werden sollte, damit er der einzige bliebe, der sich daran erfreuen konnte. Dies wurde glücklicherweise nicht in die Tat umgesetzt!

Am Schloss angekommen führt uns unser Weg erst einmal zu den Toiletten. Danach beginnt die Führung durch das Schloss. Es ist eine spezielle Kinderführung, die auch mich sehr anspricht, weil langweilige Jahreszahlen und Details entfallen. Unsere Aufgabe ist, die Lieblingsfarbe des Königs herauszufinden.

Etwa eine halbe Stunde später treten wir wieder hinaus ins Sonnenlicht. Dort übergibt Peter uns die Schatzkarten. Darauf sind jeweils zwei Wege, ein roter und ein blauer. Wir folgen also dem Weg in Ludwigs Lieblingsfarbe. Quer durch den Wald marschieren wir im Gänsemarsch einen schmalen Trampelpfad entlang. Dabei singen wir das Piratenlied „Hey, die Piraten kommen“ zur Melodie von „What shall we do with a drunken sailor“. Wir kommen an einen umgestürzten moosbewachsenen Baumstamm, der uns trockenen Fußes über ein Meer aus Schlamm führen soll. Eine rutschige Angelegenheit, denke ich noch und schon sitze ich im Matsch. Na toll. Vor mir gehen ja auch nur 30 Kinder, die sich weniger tollpatschig angestellt haben als ich. Nun gut, habe ich mich halt zum Clown gemacht und diente der Belustigung der Minipiraten.

Der Pfad schlängelt sich weiter durch den Wald. Wir halten nach Markierungen Ausschau, klettern über umgestürzte Baumstämme, die unseren Weg kreuzen und weichen tückischen Fallen aus. Irgendwann, die Schuhe und Hosenbeine voller Schlamm, in meinem Fall fast die ganze Hose, erreichen wir endlich unser Ziel. Versteckt unter einem Berg aus Ästen und Zweigen zieht unser Kapitän einen blauen Müllbeutel heraus. „Oh, ich habe nur Müll gefunden“, meint er enttäuscht. Doch die Kinder fordern, er solle den Beutel öffnen und nachsehen, was darin ist. Peter zieht umständlich einen weiteren Müllbeutel heraus. Darin ist eine braune Truhe mit einem goldenen Vorhängeschloss. „Das war bestimmt der Müll des Königs. Selbst der Abfall war so kostbar, dass man ihn in einer Truhe verschließen musste“ überlegt er laut. Die Kinder wissen es besser: „Da ist der Schatz drin!“ Vorsichtig öffnen wir die Truhe. Darin ein Brief von Piratenkapitän „Fischunkel“. Er habe sich den Schatz schon geholt, uns aber für unsere Mühen ein paar kleine Belohnungen dagelassen. In der Truhe sind Gummibärchen, Brausebonbons und Kaugummis. Außerdem ein Säckchen voller Goldmünzen. Jedes Kind bekommt eine Münze und ein paar der Süßigkeiten.

In Erwartung, den anstrengenden Weg nun zurückgehen zu müssen, erklärt Peter, dass Leila eine Abkürzung kenne. Erleichtert folge ich der Piratenmeute, die hinter dem Hund herläuft. Dabei wird wieder lautstark das Piratenlied gesungen. Kurz darauf erreichen wir auch schon den Hafen. Dort geht‘s erst mal wieder zu den Toiletten und dann aufs Schiff. Auch dort gröhlen die Miniseeräuber noch ihr Lied.

In Prien/Stock verabschieden wir uns und ich steige erleichtert in mein Auto. Diese Ruhe ist einfach herrlich!

Zurück