Neuer Trend EMS-Training: Fit werden durch Strom?

Daniel Gärtner

Foto: Daniel Gärtner

Kürzlich wurden auf der Fachmesse für Sport und Fitness (FIBO) in Köln wieder einmal die neusten Trends der Branche vorgestellt. Und schnell wurde klar: das sogenannte EMS-Training wird immer populärer. EMS bedeutet „elektromyografische Stimulation“. Die Muskeln kontrahieren sich dabei durch Stromimpulse, die über von außen auf die Haut aufgeklebte Elektroden stimuliert und zur Kontraktion gebracht werden. Im Gegensatz zur natürlichen Muskelkontraktion, die willkürlich von innen heraus passiert, erfährt der Muskel also beim EMS-Training einen äußeren Reiz.

Bei genauer Betrachtung der verschiedenen Anbieter von EMS-Produkten fällt auf, dass der Trend zur Kombination von Bewegung und Stimulation geht. Als das EMS-Training, das es schon seit den 50er Jahren gibt, vor einigen Jahren eine Wiedergeburt erfuhr, trainierte man hauptsächlich statisch. Das bedeutet, dass die Muskeln stark kontrahierten, ohne dabei eine Bewegung zu realisieren. Aus sportwissenschaftlicher Sicht ist diese Art des Trainings sehr einseitig, da zwar die Muskulatur beansprucht, aber parallel mit der Anspannung keine Bewegung im Gehirn abgespeichert wird. Koordination und wichtige Verknüpfungen mit unserem zentralen Nervensystem bleiben dabei auf der Strecke.

Diese Problematik wurde scheinbar von vielen Herstellern erkannt. Aus diesem Grund wird durch neue Fitnessprogramme Bewegung mit der EMS-Stimulation kombiniert. Das bringt den Vorteil, dass die Reizbelastung der Elektroden mit einer Bewegung abgespeichert und im Gehirn verknüpft werden. Dies ist besonders wichtig, da Muskelkontraktionen meist mit Bewegungen und rezeptorischen Rückmeldungen einhergehen.

Physiotherapeuten setzen Stromstimulation schon seit einigen Jahrzehnten ein, um gezielt einzelne Muskeln aufzubauen. Das ist beispielsweise nach einer Operation sinnvoll, wenn ein Gelenk über einige Wochen nicht mehr bewegt werden kann oder darf. Die betroffenen Muskeln bauen durch dieses Training dann nicht so schnell ab. In EMS-Studios kommen dagegen Geräte zum Einsatz, die häufig alle Muskeln im Körper ansprechen. Dafür gibt es einen speziellen Anzug mit Elektroden. Die Intensität der Belastung wird dann durch einen Trainer reguliert. Werden parallel oder direkt im Anschluss an die Stimulation Bewegungen, wie etwa Kniebeugen, Liegestütze oder Ähnliches durchführt, kommt es zu einer nahezu hundertprozentigen Auslastung des Muskels und er wird stärker und kräftiger.

Zu einem Übertraining kommt es beim EMS allerdings sehr viel schneller als bei anderen Sportarten, da der Impuls von außen kommt und der Trainierende ein geringeres Erschöpfungsgefühl wahrnimmt. Zwar spürt man die Muskelkontraktion unmittelbar ziemlich heftig, jedoch fühlt man sich nach dem Training nicht in dem Maße erschöpft wie etwa nach einem 60-Minütigen Krafttraining im Studio. Deshalb sollten Pausen unbedingt eingehalten und nicht jeden Tag trainiert werden. Ein sehr intensives Muskeltraining führt grundsätzlich zu einer erhöhten Ausschüttung der Creatin-Kinase. Dieses Enzym versorgt die Muskelzellen mit Energie und ist zum Beispiel bei einem starken Muskelkater vermehrt im Blut nachweisbar.

Kölner Wissenschaftler haben kürzlich festgestellt, dass die CK-Werte beim EMS-Training bis zu 18 Mal höher ansteigen als bei einem konventionellen Training. Das spricht einerseits für die Effektivität des Trainings, da aber andererseits der Körper den Stoff über die Nieren abbaut, kann es auf Dauer zu Nierenschäden kommen. Besonders Anfänger und untrainierte Menschen müssen deshalb aufpassen und sollten nicht übertreiben.


Nützliche Tipps fürs EMS-Training:

• EMS-Training ersetzt kein reales Training, in dem die natürliche Muskelkontraktion mit der Bewegung positiv im Gehirn verknüpft wird. EMS-Training ist aber hinsichtlich der maximalen Muskelauslastung eine ergänzende Hilfe, um Trainingsplateaus zu überwinden oder um neue Reize zu setzen. Auf reale Bewegungen und natürliches Sporttreiben sollte jedoch nie verzichtet werden.

• EMS-Training sollte nach Möglichkeit immer mit richtigen Bewegungen oder Übungen kombiniert werden, um auch den Anspruch an die Koordination hoch zu halten.

• EMS-Training verlangt nach Pausen. Jeden Tag zu trainieren ist zu viel und schädigt auf Dauer nicht nur das Muskelgewebe, sondern auch die Nieren.

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