Mit einem guten Gefühl am Berg

Petra Rapp

Fotos: Ortovox

Seit 40 Jahren verschreibt sich Ortovox dem Schutz der Menschen in den Bergen. Aus dem einstigen Pionier für Lawinenpiepser hat sich ein global agierender Bergsportausrüster entwickelt, der in vielen Bereichen Maßstäbe setzt.

Schnell noch ein paar Löffel Müsli im Stehen. „Sorry, ich war schon beim Betriebs-Yoga und hab‘ noch nicht gefrühstückt“, sagt Christian Schneidermeier in einer der gemütlichen Büroküchen im Taufkirchener Firmensitz von ORTOVOX, wo im Regal viele bunte Tassen mit Vornamen aufgestapelt sind. „Jeder im Team bekommt seine ganz persönliche Tasse, die uns eine Töpferin vom Samerberg macht. Im Moment stapeln sie sich hier. Zum einen, weil wir in den letzten Jahren ziemlich gewachsen sind. Zum anderen, weil nach wie vor derzeit wegen Corona noch viele im Homeoffice arbeiten und sie die Tassen grad nicht brauchen“, erzählt der Oberbayer, der in Bad Wiessee aufgewachsen ist und seit 21 Jahren in Kolbermoor lebt.

„Orto“ kommt von Orten, Vox aus dem Lateinischen und bedeutet „Stimme“. Seit gut 19 Jahren ist Christian Schneidermeier Teil von ORTOVOX. Als CEO führt der studierte Sportökonom inzwischen die Geschäfte und hat sich zur offiziellen Stimme des Taufkirchener Unternehmens entwickelt. Was nicht heißt, dass er allein den Ton angibt. Im Gegenteil, er ist ein Teamplayer par excellance. „Der Mensch und ein soziales, freundschaftliches Miteinander standen bei ORTOVOX schon immer ganz klar im Mittelpunkt und sind fest in unserer Firmenkultur verankert. Es ist uns ja quasi in die ORTOVOX-Wiege gelegt worden. Ein LVS-Gerät funktioniert ja auch nur miteinander“, erzählt Schneidermeier.

Die vielen freundschaftlichen Beziehungen zu den Bergsportverbänden, Bergsportlern wie auch zum Handel waren laut Schneidermeier für Firmengründer Gerald Kampel auch die wichtigsten Gründe, warum sich ORTOVOX als Unternehmen überhaupt etablieren konnte. 1980 entwickelte Kampel zusammen mit Jürgen Wegner den berühmten ORTOVOX F2. Das Doppelfrequenzgerät hat den Markt der LVS-Geräte revolutioniert und war Grundstein für das oberbayerische Unternehmen. Das hat sich seither konsequent dem Schutz von Bergsportlern verschrieben. Ein Schutz, der auf wertebewusstem Handeln mit größtmöglichem Respekt vor Mensch und Natur beruht.  „Meine Aufgabe ist es, das entsprechend fortzuführen. Bei ORTOVOX soll jeder mit einem guten Gefühl arbeiten und auch das Gefühl haben, etwas Sinnvolles zu tun. Nur so kann man erfolgreich sein“, erklärt er seine werteorientierte Philosophie und zitiert kurz darauf einen Spruch des Dalai Lama über die Verantwortung des Einzelnen in der Gesellschaft. 

Nahezu alle ORTOVOX-Mitarbeiter sind selbst begeisterte Bergsportler, haben „die Stimme der Berge verinnerlicht“, so Schneidermeier, und bringen diese Leidenschaft mit ein ins Unternehmen. „Wir ticken hier schon alle ähnlich, das macht es natürlich sehr viel leichter“, sagt Schneidermeier. Gemeinsame Mittagessen, die von einem Koch aus frischen, regionalen Produkten für alle gezaubert werden, Grillabende draußen auf der Firmenterrasse und gemeinsame Ausflüge in die heimischen Berge fördern zudem die gemeinschaftliche, tief in der oberbayerischen Heimat verwurzelte Unternehmenskultur. Besonders wichtig ist Schneidermeier in Online-Zeiten wie diesen auch ein partnerschaftliches Verhältnis zum Fachhandel. „Ich will nicht in einer Welt leben, wo nur noch große Internethändler den Vertrieb bestimmen. Wir wollen dazu beitragen, dass es eine vernünftige Infrastruktur gibt, auch auf dem Land.“

Beim LVS-Pionier, der derzeit knapp 60 Prozent seiner Produkte in Europa produzieren lässt, macht funktionale Bergsportbekleidung heute 75 Prozent des Kollektionsumfangs aus. Hinzu kommen Lawinensicherheits-Ausrüstung sowie Rucksäcke, die ebenso in mittlerweile 30 Länder exportiert werden. Die hohe Produktqualität wird von ORTOVOX vor allem auch durch die Verwendung von Wolle als Rohstoff geprägt. „Für uns ist Wolle die funktionellste und nachhaltigste Faser der Welt, speziell für den Bergsport. Alle Bergvölker setzen seit jeher auf Wolle. Durch ihre hohe Feuchtigkeitsaufnahme wärmen Wollfasern auch noch in nassem Zustand und bieten so auch in rauem Bergklima wärmende Sicherheit“, sagt Schneidermeier.

Bereits seit 1988 verwendet ORTOVOX Schafwolle in den Bekleidungsteilen für Bergsportler. 1995 brachten sie ihre erste Unterwäsche aus Merinowolle auf den Markt. Die sehr feine, hochwertige und geruchsneutrale Merinowolle bezieht ORTOVOX von Schafzüchtern aus Tasmanien, wo die Tiere nachweislich artgerecht ohne schmerzhaftes Mulesing gehalten werden. Zum Schutz von Tier, Mensch und Umwelt hat das Unternehmen auch einen eigenen Wollstandard, das ORTOVOX Wool Promise, ins Leben gerufen. 2011 entwickelte das oberbayerische Unternehmen gemeinsam mit Baur Vliesstoffe aus Dinkelsbühl mit Swisswool eine neue Kategorie der Isolationsprodukte aus Wolle. Bei der Verwendung der feinen Schurwolle wird dabei ebenfalls besonderer Wert auf nachhaltige Erzeugung und regionale Herkunft gelegt. Gutes produzieren und damit Gutes tun: Die von ORTOVOX verwendete Swisswool entstammt einer gleichnamigen Initiative, die inzwischen in den Schweizer Bergen ein Netzwerk aus Sammelstellen eingerichtet hat, wo Schafbauern ihre meist noch handgeschorene, regional produzierte Wolle abgeben können, einen fairen Preis dafür erhalten und somit ihre traditionelle Lebensweise als Bergbauern weiterleben können.

Mit seinen Standards zum Schutz von Tier, Natur und Mensch, die regelmäßig von unabhängigen Prüfern in den Produktionsstätten kontrolliert werden, geht ORTOVOX hier vorbildliche Wege. Seit Juli 2015 ist das Unternehmen Mitglied beim Bündnis für nachhaltige Textilien und bei der renommierten Fair Wear Foundation (FWF), einer unabhängigen Organisation mit dem Ziel, weltweit die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie zu verbessern. Seit 2016 ist ORTOVOX zudem Mitglied der EOCA (European Outdoor Conservation Association), die sich weltweit für den Umweltschutz in der Outdoor-Industrie einsetzt. Auch beim Thema Prävention im Bergsport handelt ORTOVOX wertebewusst. Das Unternehmen arbeitet eng mit Bergschulen zusammen und unterstützt sie mit einem interaktiven Safety Academy-Konzept. Ein Engagement, mit dem das Unternehmen kein Geld verdient, aber gesellschaftliche Verantwortung zeigt. So wie auch mit der Unterstützung der Oberland-Werkstätten.

Der Weg, den Gerald Kampel vor 40 Jahren in Unterhaching begann und der nun in Taufkirchen von Christian Schneidermeier und seinem ORTOVOX-Team sehr erfolgreich fortgesetzt wird, zeigt, dass wertebewusstes Handeln durchaus auch der Weg in die Zukunft sein kann.

Ortovox in Kürze:

Der Outdoor-Spezialist Ortovox bietet Notfallausrüstung, Rucksäcke und technische Bekleidung mit Wolle. Zudem im Programm: Gezielte Ausbildungsmaßnahmen mit einem Expertennetzwerk, die ebenfalls dazu beitragen sollen, den Bergsport sicherer zu machen und Menschenleben zu retten. Ortovox versteht sich als Marke für Bergsteiger und bietet ganzjährig Produkte für Skitouren, Freeriden, Alpinklettern und Hochtouren. Als Begründer von Woll-Funktionsbekleidung für den Bergsport setzt Ortovox heute mit einem eigenen Wollstandard, dem Ortovox Wool Promise (OWP), Maßstäbe zum Schutz von Tier, Natur und Mensch. In seiner ProtACT2024 Nachhaltigkeitsstrategie hat das Unternehmen darüberhinaus seine weiteren anspruchsvollen Ziele bis 2024 festgelegt. Dazu gehören unter anderem der weitere Erhalt des Fair Wear Foundation Leaderstatus, Klimaneutralität, 100 Prozent PFC-freie Produkte, die Förderung regionaler Einzigartigkeit sowie nachhaltige Innovationen. Die Ortovox Sportartikel GmbH mit weltweit 120 Mitarbeitern ist Teil der Schwanhäußer Industrie Holding GmbH & Co. KG mit Firmensitz in Taufkirchen bei München. Gegründet wurde das Unternehmen 1980 in Unterhaching.

www.ortovox.de

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