Mit Anspruch und Aussicht

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp, Valentin Rapp

Im Kaisergebirge gibt es viele Gipfel und Wege. Eine besonders reizvolle Tour: die Hintere Goinger Halt über den Eggersteig.

Es ist ein heißer Sonnentag, zu warm für eine längere Südseitentour, also entscheiden wir uns für eine Tour irgendwo nordseitig hinauf. Und wie so oft zieht es uns dorthin, wo es so unzählig viele Möglichkeiten gibt, einen Bergtag der Extraklasse zu verbringen. Extraklasse deshalb, weil im Kaisergebirge für nahezu jeden Anspruch etwas zu finden ist. Landschaftlich sucht es aus alpiner Sicht in der näheren Umgebung sowieso seinesgleichen.

Wir brechen auf zur Nordseite des Wilden Kaisers. Auf dem Parkplatz im Kaiserbachtal an der Griesner Alm (1.024 Meter) ist schon einiges los, aber im Vergleich zur Wochenbrunner Alm auf der Südseite hält sich der touristische Rummel auch an einem sonnigen Wochenendtag doch in Grenzen.

Das Gros der Wanderer marschiert auf dem beschilderten und gut ausgebauten Weg hinauf zum Stripsenjochhaus. Wir folgen ihnen eine ganze Weile. Unser Blick geht aber immer wieder links hinüber zu den markanten Felswänden der Steinernen Rinne zwischen Fleischbank-Ostwand und Predigtstuhl. Irgendwo hier muss er sein, der von Josef Egger 1904 erbaute Steig, der die Rinne hinaufführt bis zum Ellmauer Tor. Das Stripsenjochhaus ist schon in Sichtweite, als ein kleiner, unbeschilderter Wiesenpfad links in Richtung der Felswände führt, wo sich Kletterer an einigen Seillängen versuchen. Noch weiter links am Rande zur Rinne ist ein schmaler Steig im Fels zu erkennen. „Steile und bisweilen etwas ausgesetzte Kaisertour, die Trittsicherheit erfordert (…), leichter, zum Teil versicherter Klettersteig“, heißt es in der Tourenbeschreibung. Zufällig kommt ein lokaler Wanderführer mit einer Urlaubergruppe den Weg herauf und wir fragen ihn sicherheitshalber, ob dort drüben wirklich der Eggersteig ist. „Ja“, meint er kurz im Vorbeigehen und fügt hinzu, Klettersteigausrüstung bräuchten wir keine. Was uns genau erwartet und wie anspruchsvoll er tatsächlich ist, werden wir sehen. Der Steig sieht zumindest von unten respekteinflößend aus. Ob das für alle von uns machbar ist? Erst einmal die ersten Höhenmeter anschauen. Wenn es zu schwierig wird, drehen wir um, so der Plan, als wir den Wiesenweg hinter uns haben und am felsigen Einstieg des Steiges stehen.

Wir setzen unsere Helme auf, denn im oft losen Schotter der Rinne und von den steilen Wänden an den Seiten kann schon mal etwas runterkommen. Der von unten so schmal wirkende Pfad ist aber dann in Wirklichkeit doch breiter und gut begehbar, zumindest bei Trockenheit. Bei Nässe sollte man den Steig unbedingt meiden! Zunächst führt der Weg gen Osten, dann steigen wir weiter in das breite, aber steile und felsige Tal der Steinernen Rinne. Mal in Stufenform, mal eng am Fels schlängelt sich der Weg die Rinne hinauf Richtung Süden. An wirklichen Engstellen oder in schwierigeren Passagen helfen Drahtseile, an denen man sich festhalten kann. Ab und zu sollte man hier wirklich stehenbleiben und innehalten: Zum Verschnaufen und Trinken, aber auch, um dieses einmalige Panorama mit den markanten Felswänden links und rechts, wo Klettergeschichte geschrieben wurde, zu genießen. Weiter oben öffnet sich die Rinne in breite Schotterfelder, wo der Weg gut sichtbar hinaufführt zum Ellmauer Tor (2.078 Meter). Hier, wo der Blick sich auch in den Süden auftut, lohnt sich eine längere Pause in den an diesem Tag so sonnigen Felsblöcken. Hier treffen wir auf einige andere Bergsteiger, nachdem wir im Eggersteig nahezu alleine unterwegs waren. Die meisten sind vom Süden heraufgekommen und für sehr viele von ihnen ist hier auch ihr Tagesziel erreicht. Für uns noch nicht, zu verlockend ist die Aussicht auf die Gipfel rundherum.

Den mit 45 Minuten angegebenen, ostseitigen Aufstieg hinauf zur Hinteren Goinger Halt (2.217 Meter), dessen rote Markierungssteine allerdings nicht immer ganz einfach zu finden sind, nehmen wir noch mit, auch wenn die Beine doch schon ein wenig müde sind. Die Anstrengung wird nach einer kurzen Gipfelkraxelei mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Den überschaubaren Platz am eisernen Gipfelkreuz haben wir sogar länger ganz für uns alleine. Bevor wir uns auf dem gleichen Weg wieder zurück zur Griesner Alm machen, genießen wir die nur ab und zu von Dohlenschreien unterbrochene Ruhe inmitten dieser so imposanten Gebirgslandschaft. Wertvolle Augenblicke für jeden von uns, die sich einprägen und bleiben.

  • Tourdaten
Anforderung: hoch
Höhendifferenz: ca. 1.200 Meter
Gipfel: 2.217 Meter
Gehzeit: ca. 5 Stunden
Gebirge: Kaisergebirge
Anreise: A12 bis Oberaudorf, dann weiter Richtung Walchsee, Kössen und im Kreisel rechts Richtung St. Johann. Weiter in die Griesenau. Dort rechts ab in die Mautstraße zur Griesner Alm
Ausgangspunkt: Griesner Alm
Beste Tourenzeit Mitte Juni bis Oktober (nur bei Trockenheit zu empfehlen!)
   

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