Mensa unter eigener Regie

Christian Topel

Fotos: Andreas Jacob

„Schüler kochen für Schüler“: Ein Projekt der Montessori-Schule Rohrdorf  lehrt Jugendliche das Kochen und versorgt gleichzeitig fast 500 Personen.

Es herrscht ein Gewusel wie in einer professionellen Großküche. In gewaltigen Stahlpfannen braten zwei Köchinnen Auberginenscheiben an. Daneben brutzeln Zucchini. Die Röstaromen vermengen sich mit dem süßen Duft frischer Erdbeeren. Die befreit eine junge Dame vom Grün, während ein paar Kolleginnen Nüsse hacken. Gegenüber hat ein Klassenkamerad schon einen Berg Kuvertüre zusammengeraspelt. Erdbeerkuchen und Sacherschnitten sollen aus den Zutaten entstehen. Das Brutzelgemüse schichtet ein Trupp Jungs derweil in große Edelstahlreinen – im Wechsel mit Nudelplatten und Tomatensoße. An diesem Dienstag steht Lasagne als Hauptgericht auf dem Speiseplan.

Neben den Gerüchen flattert fröhliches Geschnatter durch den Raum. „Regina, wo finde ich den Zucker?“, fragt ein rotblonder Bäcker und wird zum Vorratsschrank geschickt. Am Spülbecken klappert Geschirr und machen Geschichten aus den einzelnen Klassen sowie vom letzten Wochenende die Runde. Immer wieder ein prüfender Blick auf die Rezepte. Elias, der Jüngste im Bunde, kostet die Glasur für die Sacherschnitten. Klassisch, mit dem Zeigefinger durch die Reste in der Schüssel fahren und abschlecken. Da grinst auch die über das geordnete Chaos wachende Hauswirtschafterin milde.

Hier unten, in der Küche der Montessori-Schule Rohrdorf, findet seit letztem Schuljahr ein spannendes Projekt statt, das an vier Tagen die Woche knapp 500 Schüler und Lehrkräfte verköstigt und gleichzeitig entscheidende Elemente der Pädagogik Maria Montessoris vermittelt. Was nun wertvoller Teil des Lehrplans ist, entstand vor gut 13 Jahren aus einer Not heraus. 2005 begann das pädagogische Nachmittags-Angebot der Rohrdorfer. Dementsprechend machte es sich der Elternbeirat zur Aufgabe, ein Essenskonzept auszuarbeiten. Eine von zwei mit der Organisation betrauten Müttern war Claudia Zäch, die sich noch gut an die Anfänge erinnert: Alles habe mit 16 Kindern begonnen, die an einem Nachmittag versorgt wurden. Im Laufe der Jahre wechselten die beaufsichtigenden Mütter, veränderten sich die Standorte, kamen und gingen diverse Caterer – und wuchs die Anzahl „hungriger Mäuler“. Bleibende Konstante war Caudia Zäch, die schließlich maßgeblich mithalf, das aktuelle Projekt ins Leben zu rufen.

Schüler der siebten und achten Jahrgangsstufe zeigen sich dabei in den extra geschaffenen Räumlichkeiten (Schulküche mit angegliederter Versorgerküche sowie gemütlicher Mensa) neben Claudia Zäch und Regina Kaiser mitverantwortlich für die Zubereitung und Ausgabe des Mittagessens. Sie lernen unter anderem, selbständig zu wirtschaften, gesund und frisch zu kochen, und erfahren darüber hinaus, wie erfolgreich Teamarbeit und Zusammenhalt sein können.

Derzeit „werkeln“ die teilnehmenden Siebtklässler jeweils eine Woche, die Achtklässler zwei Wochen an vier Tagen bis zu vier Unterrichtsstunden in der Küche. Die einzelnen Gruppen wechseln sich ab. Neben der unschätzbaren Erfahrung für das spätere Erwachsenenleben bekommen die Jugendlichen auch täglich eine Belohnung. Einerseits verdienen sie sich das eigene Mittagessen, andererseits erleben sie das schöne Gefühl der Wertschätzung, wenn sie das Lob zufriedener und satter Mitschüler und Mitarbeiter einheimsen.

„Bald soll das Projekt ausgeweitet werden“, erzählt Evi Spreiter, die Geschäftsführerin der umtriebigen Schule. So könnten im schuleigenen Garten Kräuter und Gemüse angebaut und verwertet oder Pflanzen aus der Umgebung für die Schulküche oder zum Verkauf zubereitet werden. Die schuleigene Schreinerwerkstatt könnte Pflanztröge oder Hochbeete beisteuern – an Ideen mangelt es nicht. Und an der Freude und der Motivation der Schüler schon gleich gar nicht!

Die Lasagne schmort vor sich hin, die Sacherschnitten gehen gemütlich auf, das benutzte Geschirr haben die Köche picobello abgespült, da stürmt Elias, der „Vorkoster“, mit leuchtenden Augen zu Lehrkraft Regina Kaiser und fragt: „Darf ich gleich noch einen Kuchen backen?“ Offensichtlich schon jetzt ein Erfolgsrezept, dieses Projekt „Schüler kochen für Schüler“.

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