Mehr Gaudi geht kaum

Christian Topel

Fotos: Andreas Jacob

Ein Tag ist nicht genug – im Wildfreizeitpark und Waldseilgarten Oberreith.

Unseren Mädels ist die Begeisterung schon ins Gesicht geschrieben, da haben wir noch gar nicht alle die Pforte dieses riesigen Spiel- und Spaßparadieses überschritten. Wir sind nach Oberreith getuckert, in ein Örtchen, das in der Ferienregion Inn-Salzach zwischen Mühldorf und Wasserburg am Inn inmitten einer üppigen Wald- und Wiesenlandschaft liegt. 2002 hat Thomas Mittermair hier begonnen, ein inzwischen auf 165 000 Quadratmeter angewachsenes Areal in einen spektakulären Wildfreizeitpark mit Waldseilgarten zu verwandeln. Der präsentiert sich uns so reich bestückt mit Attraktionen, dass wir Erwachsenen gar nicht recht wissen, womit wir unsere Stippvisite beginnen sollen. Vielleicht holen wir uns also erst einmal eine Erfrischung aus der „Wildpark Stub´n“ und gucken den Mädels dabei zu, wie sie den Spielplatz erobern?

Spielgeräte und Abenteuer-Areale „zum Sau futtern“ warten auf die Kleinen – von einer großen Trampolin- und Bungeeanlage, über Karuselle, Wippen, Schaukeln und Klettergerüste bis hin zu Weidenlabyrinth und Badenebel (um nur eine kleine Auswahl zu nennen). Vermutlich werden unsere zwei Damen schwer zu einem Rundgang zu überreden sein, sobald sie sich hier eingespielt haben. Dabei lohnt sich das unbedingt! Denn das saloppe „Sau futtern“ kann man in Oberreith wörtlich nehmen: Der Park wartet mit einem rund zwei Kilometer langen, als Naturlehrpfad angelegten Rundweg auf, bei dem man vielen heimischen Wild-, Raub- und Haustierarten begegnet – darunter auch seltene, vom Aussterben bedrohte Rassen sowie Greifvögel (letztere zeigen ihre Flugkünste zweimal täglich in der Vogelflugschau der Falknerei!). Gemütlich eingebettet in Wald und Wiese passiert man Gehege, Volieren, eine von schnatternden Enten bewachte Teichanlage mit Biotop, das Schaubienenhaus und natürlich einen Streichelzoo. Na, das dürfte doch sogar Magdalena und Malia überzeugen.

Während wir uns alle von den höchst zutraulichen Zicklein becircen lassen, wandern unsere Blicke immer wieder hinaus über die Wipfel der Bäume. An der höchsten Stelle des Geländes hat Parkgeschäftsführer Mittermair einen 35 Meter hohen Aussichtsturm errichtet. Nachdem man ihn erklommen hat, genießt man ein großartiges Pano-rama, das vom Inn-Hügelland bis hin zur Alpenkette reicht. Für noch mehr Herzklopfen sorgt allerdings die hier oben beheimatete Adrenalin- Tankstelle: der 400 Meter lange Flying Fox, dessen zwei Seile vom Turm über den Park bis zum Landeplatz am Dach der Gaststätte führen. Als eine der längsten Anlagen Bayerns beschleunigt die Seilrutsche Wagemutige ab neun Jahren auf bis zu 30 Kilometer pro Stunde. Da lassen wir Großen uns nicht zweimal bitten und sausen – behelmt und sorgfältig gesichert – unter fröhlichem Hurra hinunter. Über den Wipfeln ist die Freiheit wahrlich grenzenlos!

Da wir nun Gefallen gefunden haben an der Höhe, spazieren wir wieder aufwärts, lassen den Aussichtsturm diesmal allerdings links liegen und besuchen den Wald- und Hochseilgarten des Parks. Der fügt sich harmonisch ein in den Baumbestand und hält elf abwechslungsreiche Parcours bereit, die sich in Sachen Höhe und Anforderung an Kraft, Ausdauer, Geschicklichkeit und Selbstüberwindung langsam steigern. Da können Kinder ab sechs Jahren genauso ihre Grenzen überwinden wie ambitionierte Kletterer. Unsere erfahrenste Klettermäxin steigt natürlich in den blauen (einen der schweren) Parcours hinauf – spätestens beim Flohsprung über zwei Meter schwindelt´s da sogar uns Bodenständige ein wenig. Zum Glück sorgt ein topmodernes Sicherungssystem dafür, dass ohnehin nichts schiefgehen kann. Ein ideales Abenteuer für Vereine, Schulklassen oder Firmen, für die sogar ein eigener Teamseilgarten zur Verfügung steht.

Noch höher geht nicht? Von wegen! Auf dem Rückweg kommen wir an der patentierten Solarsternwarte vorbei. Da hatte Parkchef Mittermair wahrlich einen Geistesblitz. Das größte Teleskop östlich von München ermöglicht meist an Freitagen (und natürlich nur bei klarer Sicht) tiefe Einblicke ins Weltall und produziert gleichzeitig Strom. Unsere Mädels haben bei diesem strahlenden Sonnenschein keine Lust, sonderlich lange die kindgerechten Lehrfilme über Astronomie zu gucken. Draußen zuckelt eine kleine Eisenbahn vorbei, die eine viel größere Anziehungskraft ausübt. 600 Meter Gleise führen am Weidenlabyrinth vorbei, um das Biotop herum, weiter zum Damwild, zu den Eseln und Vögeln, über die Sternwarte und zurück zum Bahnhof. Fünf Minuten Fahrtzeit zaubern wieder stolze und fröhliche Gesichter. Da haben wir den Salat – die Kinder kriegen wir hier nicht mehr raus. Erst, als wir versprechen, wieder zu kommen, geben sie unseren Bitten nach. Wenn wir das Ganze bis 2018 hinauszögern, können wir wohl gleich die Schlafsäcke einpacken. Mittermair plant, das Areal um einen Indoor-Bereich zu erweitern. Dort bekommt der Zug einen Bahnhof, von dem aus kleine Gäste in einen Spielbereich gelangen, den wir Großen von einem Café aus im Auge haben werden. Ein Shop mit regionalen Produkten macht das Angebot rund.  

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