Mahlzeit „Mahl Anders“

Julia Schuster

Der "Mahl Anders"-Foodtruck in Rosenheim
Fotos: Mahl Anders

Mit ihrem Foodtruck rollen Susanne und Norbert Wieczorek durchs Inntal und darüber hinaus. Ihre Mission: Gesundes, frisches Streetfood aus der Region für die Region.

„Das können wir besser“, sagten sich Susanne und Norbert Wieczorek einst, als sie einen Streetfoodmarkt in Nürnberg besuchten. Gesagt, getan: Statt heiß, fettig und aus der Tiefkühltruhe macht es das Ehepaar aus Neubeuern „Mahl Anders“ – und setzt auf gesunde, frische und regionale Produkte. Mit ihrem rostroten Foodtruck stechen die beiden nicht nur optisch aus der Menge heraus, sondern auch mit ihrem Speisenangebot.

Den Traum vom mobilen Powerfood für Körper und Geist hegen die Wieczoreks schon lange. Damals arbeitete Susanne noch als Fleischereifachverkäuferin. Ihre Leidenschaft galt allerdings dem Catering und der Organisation von Buffets. Als vor rund zehn Jahren die ersten Foodtrucks durch Deutschlands Großstädte rollten, beschloss das Ehepaar, sich endlich seinen Traum zu erfüllen. Schnell war klar: Ein eigener Truck muss her! Doch nicht irgendein Truck sollte es sein, sondern ein echter amerikanischer Straßenkreuzer. Nach langer, langer Suche stießen sie endlich auf ein ebensolches Gefährt, das von der US-Army im Zivilverkehr genutzt worden war. Der weiße Brummi bekam einen markanten roten Anstrich, den Laderaum ließen Wieczoreks nach ihren Plänen zur Profiküche ausbauen.

Im April 2017 stand die Feuertaufe an: Die Wieczoreks parkten ihren „Mahl Anders“-Foodtruck auf einem Streetfoodfestival in Passau – mit durchschlagendem Erfolg, den die Unternehmer sich so erklären: „Unser Foodtruck ist keine gewöhnliche, rollende Frittenbude! Wir kombinieren gesunde Zutaten mit vollem Geschmack“, garantiert Susanne. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen wieder auf eine gesunde Ernährung achten, kommt das „Mahl Anders“-Konzept gut an. „Die Basis unserer Küche ist der hausgemachte Süßkartoffelstampf – eine richtige Vitalstoff-Bombe“, erzählt die quirlige Fränkin weiter. Mit würzigem Grill-Gemüse und einer Protein-Beilage wie zum Beispiel Ziegenkäse-Taler, Fisch aus den heimischen Seen, schonend gegarter Putenbrust vom Bauernhof oder rauchigem Rindfleisch aus dem 800 Grad heißen Beefer ergibt diese Kombination eine reichhaltige Power-Mahlzeit. „Immer frisch und mit einer großen Portion Liebe!“, betont Susanne.

Susanne und Norbert Wieczorek in ihrem Foodtruck

Mit diesem Konzept konnte „Mahl Anders“ auch bei der Jury des Rosenheimer Gründerpreises 2017 punkten und rollte aufs Siegertreppchen. Dabei wollten Wieczoreks sich zunächst gar nicht dafür bewerben. „Eigentlich haben wir nur teilgenommen, um uns in den dazugehörigen Abendseminaren weiterzubilden und Kontakte zu knüpfen“, gesteht Norbert. Neben eines Businessplans servierten die Neubeurer der Jury eine Auswahl ihrer Kreationen. „Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen“, sagt Susanne mit einem verschmitzten Zwinkern. Diesen gesunden Köstlichkeiten konnte auch die Jury nicht widerstehen und kürte die Wieczoreks mit dem dritten Platz.

Mit der Auszeichnung im Gepäck startete das Ehepaar eine Erfolgstour durch Bayern. „Wir machen Streetfood, wie es ursprünglich gedacht war – mit frischen, regionalen Zutaten, direkt im Truck zubereitet“, betont Norbert. „Zudem ist unser Foodtruck vollkommen autark“, fügt er stolz hinzu. Das gesamte Angebot wird von den Wieczoreks selbst vorbereitet, gekocht, gegart, gegrillt oder gebeeft. Industriell verarbeitete Lebensmittel oder gar Geschmacksverstärker kommen Susanne nicht in die Küche. Die Produkte bezieht das Ehepaar vorzugsweise direkt von Erzeugern aus der Region. „Bald wird es sogar Süßkartoffeln aus Bayern geben“, freut sich die leidenschaftliche Köchin. Ein ganz besonderer Genuss sind die Garnelen aus der Nähe von München, die dort in einer Aquakultur ohne Antibiotika-Behandlung gezüchtet werden – selbstverständlich ökologisch, denn das ist den Wieczoreks wichtig. Mehr noch als Tiefkühlkost aus fernen Ländern behalten die Meerestierchen damit eine geradezu einzigartige Frische – und das schmeckt man auch. „Hat man einmal diese bayerischen Garnelen probiert, wird man nie wieder andere essen wollen“, schwärmt Susanne.

Für jeden Geschmack etwas - von vegan bis fleischig

Sehr beliebt sind auch die Burger mit selbstgemachten Fleischpatties und Burger-Buns vom regionalen Bäcker mit Süßkartoffelpommes. „Eine tolle Abwechslung zu den gewöhnlichen Imbissständen und Burgerläden. Es ist richtig lecker, auch ohne fettige Finger, Ketchup und Mayo“, lobt eine zufriedene Kundin. Für den süßen Hunger bietet Susanne ihre köstliche „Zitronencreme mit Superfood-Topping“. Auf die Frage nach dem Rezept reagiert die sonst so redefreudige Fränkin ungewohnt schweigsam. „Das ist mein Geheimnis“, antwortet sie und grinst. Naja, einen Versuch war‘s wert. Immerhin die Zutaten des Toppings verrät Susanne: Cranberries, Nüsse, Chia- und Leinsamen und vieles mehr.

Extrawünsche sind für die Wieczoreks auch kein Problem. „Einmal kam ein junger Mann zu uns und fragte nach einem veganen Gericht“, erinnert sich Susanne. „Er war schon ganz verzweifelt, weil er auf dem Streetfoodmarkt nichts gefunden hatte. Also habe ich etwas für ihn improvisiert.“ Aus eigener Erfahrung weiß die Mutter von drei Söhnen – einer davon Vegetarier – wie schwierig es oftmals ist, auf öffentlichen Veranstaltungen vegetarische Speisen zu bekommen, geschweige denn vegane. Aus diesem Grund gibt es bei „Mahl Anders“ grundsätzlich mindestens ein Gericht ohne Fleisch, meistens sogar ganz ohne tierische Produkte. „Mit solchen Kleinigkeiten kann man die Leute so glücklich machen“, findet Susanne. Und genau das ist ihre Mission: Kunden mit leckeren und vor allem gesunden Speisen zu verwöhnen, egal ob auf öffentlichen oder privaten Events.

Eine Bereicherung für jedes Streetfood-Festival: der "Mahl Anders"-Foodtruck

Regelmäßig verköstigen die Wieczoreks Geburtstags- oder Hochzeitsgesellschaften, bereichern Partys und Firmenfeiern und verleihen den Festen damit das besondere Etwas. „Wer uns für seine Feier buchen will, soll sich einfach bei uns melden“, sagt Norbert.

Im September wollen Susanne und Norbert gemeinsam mit einem Kollegen aus Prien ein eigenes kleines Festival auf dem Schraml-Badestrand direkt am Chiemsee auf die Beine stellen. Gemeinsam mit ein paar anderen Foodtrucks, deren Inhaber ebenso auf frische und gesunde Speisen setzen, soll bei Musik und vielen kleinen Probierportionen geschlemmt und gefeiert werden. Für kleine und große Wickinger-Fans steht die Freya, das Schiff aus dem Film „Wickie auf großer Fahrt“, für Fahrten bereit. „Das wird für uns eine ganz besondere Veranstaltung“, freuen sich Susanne und Norbert. Auch ein Mittagstisch ist in Planung. Es ist offensichtlich: Diese beiden gehen in ihrer Mission voll und ganz auf. Und nach nicht einmal zwei Jahren ist klar: Susanne und Norbert hatten Recht. Sie können es besser.

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