Lebensretter auf vier Pfoten

Julia Schuster

Fotos: Andreas Jacob

Die Spürnasen der Malteser Rettungshundestaffel Rosenheim helfen, vermisste Menschen wiederzufinden. Unsere himmeblau-Volontärin besuchte ein Training.

Schweigend sitze ich in dem winzigen Hochsitz. Die Luft in dem engen Holzraum ist heiß und stickig. Durch das Seitenfenster beobachte ich, wie Fritz sein Frauchen an der Leine hinter sich durch das hohe Gras zieht. Zielgenau steuert er auf den Jagdsitz zu. Als er schließlich die Leiter erreicht, bellt er freudig und ich öffne die Tür. Ich klettere hinunter und belohne Fritz mit einigen Wurststückchen. 

Fritz ist ein „Mantrailer“. Mantrailer sind Hunde, die der Personensuche dienen. Er konzentriert sich auf einen bestimmten Geruch und sucht dann diese eine Person. Gegenstände, die für die menschliche Nase eigentlich nach Nichts riechen, reichen aus, um den Schäfermischling auf die richtige Spur zu bringen: beispielsweise ein Ohrring, eine Halskette oder in meinem Fall mein Kugelschreiber. 

Neben dieser Geruchsspurensuche gibt es weitere unterschiedliche Suchvarianten mit Hilfe der Rettungshunde. Wie der Name schon vermuten lässt, geht es bei der Trümmersuche darum, verschüttete Menschen zu finden. Die Wassersuche dient leider nicht zur Rettung  von Menschen in Gewässern. Meist sind die Vermissten nicht mehr am Leben. Bei dieser Suche soll den Angehörigen Gewissheit über den Verbleib der Vermissten verschafft und die Planung der Einsatzkräfte erleicht werden. 

Ich besuche heute ein Flächensuch-Training der Malteser Rettungshundestaffel. Sie bildet die Grundlage des Rettungshunde-Daseins. Die Hunde durchforsten Wiesen und Wälder nach vermissten oder verwirrten Menschen – oftmals Ältere, die nach einem Spaziergang nicht mehr zurückfanden.  

Damit das gut klappt, müssen Hund und Halter alle 18 Monate eine Prüfung absolvieren. „Die Durchfallquote liegt bei etwa 30 bis 40 Prozent“, sagt Achim Brazel, der Staffelleiter. Durchschnittlich haben die Malteser mit ihren Vierbeinern zwei Einsätze pro Monat, insbesondere in der dunklen Jahreszeit. 

Auch bei der Flächensuche darf ich das Opfer spielen und verstecke mich im Wald hinter einem Baum. Australian Sheppard Rocky macht sich auf die Suche nach mir. Er läuft zwischen den Bäumen hindurch, bis er meinen Geruch entdeckt. Ein paar Sekunden später ist er bei mir und beginnt zu bellen. Dies ist das Zeichen für seine Hundeführerin Johanna, dass er jemanden gefunden hat. Erst als sie uns erreicht, verstummt der hübsche Hund mit den eisblauen Augen. Sie nickt mir zu – mein Zeichen, ihn mit Würstchen zu belohnen und ein Zerrspiel zu beginnen, bei dem er mich fast einen kleinen Abhang herunterzieht. Neben dem sogenannten „Verbellen“ gibt es eine weitere Anzeigenvariante, das „Bringseln“. Der Hund trägt einen schwarz-gelben Stab, das Bringsel, an seinem Geschirr, das er ins Maul nimmt und zu seinem Besitzer läuft. Dann führt er den Hundeführer zu der gefundenen Person.

Die Freude ist den Hunden bei ihrer Arbeit deutlich anzusehen. „Die Hunde suchen keine Menschen, um ihnen das Leben zu retten. Für sie ist das wie ein Spiel“, erklärt Brazel. „Wir trainieren zweimal die Woche bei jedem Wetter.“ Zum Training gehöre nicht nur die Ausbildung der Hunde, sondern auch eine theoretische und praktische Schulung der Hundeführer. Diese müssen im Notfall in der Lage sein, erste Hilfe zu leisten. Fast 20 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer umfasst die 2006 in Rosenheim gegründete Rettungshundestaffel der Malteser. Eins steht für mich nach dem Besuch des Trainings fest: Von diesen freundlichen Vier- und Zweibeinern lasse ich mich gerne retten.

Kontakt

Malteser in Rosenheim
Rathausstraße 25
83022 Rosenheim

Tel: +49 (0) 8031 - 80 9570


www.malteser-rosenheim.de

 

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