Lagerfeuer deluxe

Christian Topel

Fotos: Andreas Jacob

Edel und „griabig“ zugleich: Mit ihren „Ghettofassln“ geben zwei oberbayerische Burschen Flammen eine stylishe Heimstatt.

Freilich gibt’s weit und breit kein richtiges Ghetto, im Revier vom Lenz (Lorenz Albrecht, 32) und vom Luggi (Ludwig Grimm, 28). Beide wohnen sie in „Willing“, einem Ort im Südwesten Bad Aiblings. Kurstadt und Ghetto – das ist doch Schmarrn, oder? Zumal beide auch herzlich wenig gemein haben mit jenen Gangsta-Rappern, die sich in amerikanischen Musikvideos gern um Blechtonnen versammeln, in denen ein Feuer den drastischen Texten optisch Nachdruck verleiht. Das Prinzip dieser „Straßenheizung“ befanden der Lenz und der Luggi aber für nachahmenswert bis ausbaufähig, als sie letzten Dezember der Winterkälte an einem Lagerfeuer trotzten. So was machen  ehemalige Pfadfinder schon mal: ein Feuer. Und dann zischelt man ein Bier oder auch zwei, starrt in die aus einer profanen Blechtonne bleckenden Flammen und beginnt zu spintisieren. 

So eine Tonne, die könnte doch viel cooler ausschauen? Logisch, sagt Luggi, der es wissen muss als Werkzeugmachermeister bei der Bacher GmbH in Au bei Bad Feilnbach. Die führen Schweißarbeiten und Stanzereien durch, betreiben Werkzeugbau – und stellen nicht zuletzt auf drei  ultramodernen 2D-Laseranlagen gratfreie Zuschnitte in Stahl her. Der Lenz lüftet seine Fellmütze, und die Idee steht: Lässige Fässer wollen die Jungs bauen, für Unternehmen und Privatleute. In drei unterschiedlichen Größen und mit der Möglichkeit, sich ein Firmenlogo oder einen Namenszug in die Stahlhülle lasern zu lassen. „Ghettofassl“ eben.

Ein Start-up, dem sie seither viele, viele Stunden des eigentlichen Feierabends gewidmet haben. Denn abgesehen von einem publikumswirksamen Auftritt, den so ein Projekt heutzutage braucht, muss die Produktion der tollen Tonnen auch abends über die Bühne gehen. Wie Luggi übt ja auch Lenz einen „ordentlichen“ Beruf aus. Ist Meister Mechanische Werkstatt drüben in Feldkirchen-Westerham, ein paar Kilometer weiter in der Papierfabrik von Neenah Gessner. Abends widmen sie sich nun der schweißtreibenden Ghettofassl-Produktion. Jagen die Stahlplatten durch den Laser, polieren die Platten blitzeblank, drehen sie mühsam durch die Gesenkbiegepresse und verschweißen das Ganze am Schluss. Ehrliche Handarbeit. Und gerade rechtzeitig auf dem Markt, um für den nahenden Herbst gewappnet zu sein. Künftige Lagerfeuer lodern im Ghettofassl. Wie sagen der Lenz und der Luggi? „Because it´s griabig.“

www.ghettofassl.de

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