Kunst am Körper

Axel Effner

Fotos: Axel Effner

Sabine Mayer pfeift auf Leinwände. Sie bemalt den menschlichen Körper – zum Beispiel während der Bodypainting-WM.

Waldfeen, Punks oder Clowns, grün umflorte Pflanzenmänner oder auch schaurig-schöne Zwitterwesen zwischen Tod und Geburt: Mit virtuosem Pinselstrich verwandelt Sabine Mayer ihre Mitmenschen in farbig schillernde Fantasiegestalten. Als Bodypainterin ist die Wagingerin seit gut drei Jahren zwischen München und Salzburg sehr gefragt. Anfang Juli wird die Körperkünstlerin zum zweiten Mal beim 18. World Bodypainting Festival in Pörtschach am Wörthersee mit der Konkurrenz aus 45 Nationen um die originellsten Ideen und Entwürfe ringen.

Für das Malen hatte die 32-jährige Verwaltungsangestellte bereits von Kindesbeinen an eine Schwäche. Nach einem Sommer als Kinderanimateurin in Fuerteventura 2003 entdeckte sie vor wenigen Jahren durch die eigenen Töchter die Begeisterung fürs Kinderschminken neu. Immer häufiger war ihr Talent in der Folge auf Festen, Märkten und Faschingsfeiern gefragt. 

„Mit dem Spaß ist dann der Ehrgeiz gewachsen, den ganzen Körper als Leinwand zu entdecken. Mit all seinen Möglichkeiten und Herausforderungen“, sagt Sabine. Über die Begleitung von Jörg Lehnert vom Magazin und der Onlineplattform „skinpainter.de“ aus Grassau am Chiemsee wuchs die Idee zur Begeisterung weiter. Auf der Kosmetikfachmesse „Beauty Forum“ in München bemalte die Hautkünstlerin erstmals einen Oberkörper inklusive komplettem Kopfschmuck. Zum Thema „Sieben Weltwunder“ gestaltete sie dazu aufwändig eine Pyramide als Sinnbild für den Kreislauf des ewigen Lebens. Darunter lacht dem Betrachter dämonisch-faszinierend das zweigeteilte Gesicht eines Embryos und eines Totenschädels entgegen.

„Die individuelle Sichtweise, die originelle Idee, der besondere Stil, das macht den Reiz aus, wenn man bei Wettbewerben gegen andere antritt – obwohl ich mich insgesamt wie in einer großen Künstlerfamilie fühle“, erklärt Sabine. Für ihren ersten kreativen Paukenschlag als Bodypainterin sorgte sie vor drei Jahren an der Strandpromenade in Waging am See. Für den Dirndlsprungwettbewerb eines Salzburger Trachtengeschäfts in den See zauberte sie mit dem Pinsel einer Freundin aus dem Kopf ein maßgeschneidertes Dirndl auf die nackte Haut – umringt von einer Zuschauertraube. Zur Überraschung aller  überstand das ideenreiche Gewand sogar das Bad im See unbeschadet.

Fast schon philosophisch ging die Wagingerin das Thema „Food around the world“ 2013 bei ihrer ersten Weltmeisterschafts-Teilnahme in Pörtschach an. Statt naheliegender Motive wie Zuckerwatte oder Früchte wie viele andere aufzugreifen, machte Sabine die Vergänglichkeit ihrer flüchtigen Kunst zum Thema: Der Mensch als „Nahrung für die Erde“ zwischen Moosbesatz und üppig blühendem Pflanzenranken sowie aderndurchsetzen Verwesungsprozessen – inklusive aufgeklebter echter Maden. Ein großes Maß an Aufmerksamkeit und der 10. Platz unter den Amateuren war ihr damit sicher.

Im Internet und bei Facebook-Freunden sowie bei Kursen der Wiener Künstlerin Bella Volen oder in Worksshops zur Pinseltechnik bei der Stuttgarter Facepainting-Expertin Birgit Hertfelder verfeinert Sabine Mayer ihr Spektrum. Wer ihr zuschaut, ist erstaunt, wie zügig und sicher sie mit pastosem Pinselstrich komplizierte Muster, Blüten oder Schmetterlingsflügel entstehen lässt. „Die Farben sind glutenfrei, auf Wasserbasis und sogar veganergeeignet. Nur essen würde ich sie nicht“, lacht sie. Griffbereit sollte man dagegen stets Obst, Traubenzucker, Kekse und genügend Wasser haben: „Drei bis sechs Stunden konzentriert zu malen, erfordert für Künstler und Modell besonderes Stehvermögen und für mich höchste Konzentration.“

Aufgrund reger Nachfrage findet Sabines kreatives Schaffen neben dem Kinderschminken und Bodypainting immer weitere Betätigungsfelder. Schwangere lassen sich von ihr den Babybauch in ein Überraschungs-Ei verwandeln oder verewigen darauf Papas geliebten BMW M3. „Der musste für die neue Familienkutsche verkauft werden und wurde so im Bild verewigt“, sinniert sie humorvoll. Für die Feuerwehr sorgt die Wagingerin für täuschend echte Wunden bei Übungen. Darüber hinaus beflügelt sie in Kinderzimmern mit malerischen Akzenten die Fantasie und sorgt mit ihrem Fingernagelstudio im Keller für schöne Hände.

Begeistert vom Bodypainting sind übrigens nicht nur ihre beiden kleinen Töchter. Auch ihr Mann Daniel lässt sich mit kreativer Spannung im Bauch gern verwandeln. Etwa in einen Waldelf oder einen geflügelten Avatar mit Maori-Tattoo auf dem Bauch.

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