Klein, aber oho

Christian Topel

Fotos: KAJU-CON

Mit dem KAJU-CON hat ein Ehepaar aus Nussdorf am Inn einen genauso cleveren wie ästhetisch ansprechenden Steckhocker erfunden.

Wenn eine Innenarchitektin und ein Fotograf in den Urlaub fahren, bleibt zweierlei garantiert nicht Zuhause: der professionelle Blick und die Lust am Gestalten. Und so saßen Susanne und Thomas Wittwer im Sommerurlaub 2019 auf Elba und sinnierten wieder einmal über die Idee, einen Einrichtungsgegenstand für den täglichen Gebrauch zu entwickeln, der schön, funktionell und wie aus einem Guss gefertigt sein sollte, also komplett aus einem Material. Neben der Wohnraumberatung und -planung gehört das Entwerfen individueller Möbelstücke schon immer zum Handwerk der Nussdorferin. Thomas lichtet immer wieder Projekte im Produkt- und Interieurbereich ab, am notwendigen Know-how fehlte es also nicht. Denn in diesem Fall sollte das Produkt in Serie gehen – ein Möbel aus dem Hause Wittwer, nicht nur für eine Person, sondern für eine Vielzahl an Kund*innen.

Es oblag Susanne, so lange zu skribbeln, bis sie ein in ihren Augen überzeugendes Werkstück entworfen hatte: einen Hocker, der weder geschraubt, noch geleimt oder gedübelt werden muss, aber trotzdem stabil steht – ein Steckhocker also. Form und Design folgten dem Wunsch, möglichst wenig Abfallverschnitt zu produzieren. Daraus ergab sich die runde Sitzfläche aus den Halbkreisen der beiden Fußplatten des inzwischen auf den Markt gebrachten „KAJU-CON“, benannt nach den Vornamen der beiden Kinder des kreativen Ehepaars. Das CON steht für „connect“: zusammenfügen.

Um auf die schlichte Genialität des Steckhockers zu kommen, mussten die unverhofften Möbeldesigner gehörig Gehirnschmalz in die Waagschale werfen. Letztlich verhindern nun vier schräge Holzkeile ein Herausrutschen der Sitzfäche aus den Füßen und sorgen zudem dafür, dass sich die Verbindung schnell und einfach wieder lösen lässt. Denn das macht die vielen Vorteile des Teils aus: Der KAJU-CON ist in weniger als 30 Sekunden ohne Werkzeug zusammengesteckt. Das Prinzip ist so einleuchtend, dass es dazu nicht einmal einer Gebrauchsanweisung bedürfte. Die einfache Handhabung macht ihn in beengten Räumlichkeiten zum perfekten „Notsitz“. Ansonsten eignet sich das Möbelstück mit seinem klaren, reduzierten Design als Beistelltisch, Nachtkästchen, Klavier- oder Nähhocker. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen, gerade in Zeiten des Versandhandels: Die Konstruktion ermöglicht ein sehr kleines Packmaß mit wenig Verpackungsmaterial. Natürlich kann man den Hocker auch „ganz ohne“ direkt bei Wittwers oder inzwischen auch im Einzelhandel (derzeit Le Tam Tam in Neubeuern) erwerben. „Außerdem haben wir bei den Proportionen auf ein positives Fengshui-Maß geachtet“, betont Susanne Wittwer, die auch in ihrem Hauptjob auf Wunsch jene fernöstliche Lehre anwendet.

Bei der Produktion setzen Wittwers voll auf Regionalität: Der KAJU-CON wird in der Wendelsteinwerkstatt in Raubling im Landkreis Rosenheim aus Birkensperrholz beziehungsweise MDF (Mitteldichte Faserplatte) hergestellt. Im Moment gibt es ihn in schwarzer und weißer Oberfläche mit perleffect sowie schwarz durchgefärbt. Übrigens: „Auch die recycelbare Verpackung stammt aus Oberbayern. Und für noch besseren Sitzkomfort produziert die Wendelsteinwerkstatt Rosenheim derzeit passende Kissen“, verrät Thomas Wittwer. Eine runde Sache, dieser Hocker!

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