Jesus raus, Musik rein

Catherine Bruha

Fotos: Andreas Jacob

Als Restaurator haucht Andreas Mittermüller alten Gegenständen wieder Leben ein. So richtig wackeln die Wände der Werkstatt aber, wenn Konzerte stattfinden. 

Mitten im beschaulichen Örtchen Heufeld, einem Ortsteil von Bruckmühl im Mangfalltal, befindet sich eine ganz besondere Lokalität. Andreas Mittermüller, Restaurator mit Leib und Seele, betreibt dort seit dem Jahr 2004 seine Werkstatt. Sorgfältig forstet er unter anderem Möbel und Skulpturen wieder auf, die schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben. Seine Aufgabe ist es, ihnen behutsam zu neuem Glanz zu verhelfen. Da kann es schon mal passieren, dass ein hözerner, mit den Jahren fahl gewordener Jesus den Weg in die Werkstatt findet, damit Andreas ihm ein wenig neue Farbe ins Gesicht zaubert. Ab und zu muss der Restaurator auch ausrücken und vor Ort, zum Beispiel in Kirchen oder Museen, Hand an historische Objekte anlegen.

Restaurieren bedeutet für Andreas nicht, die ihm anvertrauten Gegenstände in einen neuwertigen Zustand zurückzuversetzen. Ihm geht es darum, kunsthistorische Zusammenhänge zu erhalten und die Substanz zu schonen. Jedes der Objekte, das er in seiner Werkstatt oder auswärts bearbeitet, ist schließlich ein Unikat und ein Stück Zeitgeschichte. Daher sind auch Befunderstellungen, Materialanalysen sowie die Dokumentation für spätere Restaurierungen am Objekt wichtige Bestandteile seiner Arbeit.

Sechs bis sieben mal im Jahr herrscht Aufruhr in den kleinen Räumen der Werkstatt. Dann werden die Heiligenfiguren und die historischen Möbelstücke, an denen Andreas gerade arbeitet, zur Seite gerückt und machen Platz für ganz besondere, meist musikalische Veranstaltungen, die er gemeinsam mit seiner Familie in der „Werkstattbühne” ausrichtet. Die Idee dazu kam ihm beim Aufräumen nach einem Geburtstag, den er groß in der Werkstatt gefeiert hatte. Die Akkustik in den heiligen Hallen schien sich hervorragend für Musikaufführungen zu eignen. Also wurde nicht lange gefackelt und ein halbes Jahr später das erste Konzert mit Mathias Kellner als Künstler veranstaltet – ein voller Erfolg! Später folgten unter anderem Abende mit VAIT, Jakob Bruckner, Ralf Müller und Stefan Kröll.

Der Backstage-Bereich für die Künstler befindet sich neben der Werkstatt im Wohnhaus der Familie Mittermüller. Hier kümmert sich Ehefrau Claudia um die außergewöhnlichen Gäste und sorgt persönlich für das leibliche Wohl. Bestens umsorgt und voll guter Laune können sich die Akteure in Ruhe auf den bevorstehenden Auftritt vorbereiten, um schließlich alles für das Publikum zu geben, das meist aus 30 bis 80 Personen besteht (mehr fasst die Werkstatt nämlich nicht). Während sich Claudia um das Wohlbefinden der Künstler kümmert, stehen Tochter Sarah und Sohn Benedikt für die Besucher bereit. Sie übernehmen den Getränkeverkauf – ein echtes Familienprojekt eben.

Die Atmosphäre vor, auf und um die Werkstattbühne ist einzigartig. Regale mit Farbeimern, verschiedenste Werkzeuge für die Restaurierungsarbeiten – dazwischen hocken auf unterschiedlichsten Stühlen die Gäste und genießen die Konzerte. Ehrliche, handgemachte Musik von Liedermachern und kleineren Musikgruppen. Passend zum jeweiligen Abend wird mit viel Herzblut dekoriert, während im Hof bei trockenem Wetter ein wärmendes Lagerfeuer vor sich hinknistert. Hier kann man mit ausgewählten Getränken und Snacks zu humanen Preisen die Seele baumeln sowie sich einen Abend lang einfach mal von der Musik treiben lassen.

Auch in diesem Jahr bietet das Programm der Werkstattbühne einige großartige Highlights. Neben VAIT treten in den Monaten März und Mai Schmieds Puls, Bruckner und TEX auf. Tickets sollten sich Interessierte schnell sichern, denn die Konzerte sind meist sehr schnell ausverkauft. Alle Infos zu den anstehenden Konzerten und dem Ticketvorverkauf stehen auf www.werkstatt-buehne.de oder auf der Fanpage der Werkstattbühne auf Facebook.

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