Inn-Museum Rosenheim: „Nahui, in Gott‘s Nam“

Julia Schuster

Das Inn-Museum in Rosenheim
Das Inn-Museum im historischen Bruckbaustadl beherbergt zahlreiche Ausstellungsstücke und Votivtafeln, die das Handwerk sowie Glaube und Brauchtum der Schiffleute darstellen. Fotos: Andreas Jacob

Im Inn-Museum Rosenheim erfahren die Besucher viel Wissenswertes über das gefährliche Leben der damaligen Schiffleute.

Über 500 Kilometer schlängelt sich der Inn vom Lughinsee in der Schweiz durch Österreich und Bayern bis nach Passau, wo er sich schließlich mit der Donau vereint. Über 2.000 Jahre lang war der Fluss ein viel genutzter Transportweg. Getreide, Wein, Gewürze, Salz und vieles mehr wurden auf sogenannten Plätten – Holzschiffe mit geringem Tiefgang – befördert. Die Fahrt flussabwärts war zwar einfach, aber sehr riskant. Nicht wenige Innschiffer fielen den reißenden Wassermassen zum Opfer. Zahlreiche Marterln und Votivtafeln entlang des Inns zeugen bis heute von dem gefährlichen Unterfangen. Um einen Schiffzug wieder flussaufwärts zu ziehen, waren eine große Zahl von Menschen, Nutztieren und Hilfsmitteln notwendig.

Die Mühen der Innschifffahrt sowie der Glaube und Brauchtum der Schiffleute wird mithilfe von zahlreichen Ausstellungsstücken und Votivtafeln im Inn-Museum Rosenheim dargestellt. Besonders sehenswert ist das Kuchlschiff, eine 15 Meter lange Plätte mit Ausrüstung und Mannschaft. Alte Geräte zur Vermessung und Hydrologie sowie historische Uniformen des königlich bayerischen Flussaufsichtsdienstes vermitteln einen lebhaften Eindruck des damaligen Schiffshandwerks. Das Bild eines Schiffzuges in der seinerzeit noch urtümlichen Flusslandschaft des Inns verdeutlicht ein rund acht Meter langes Modell. Bemerkenswert ist auch der Kopf einer Galionsfigur des Inngottes „Aenus“. Die Schiffleute glaubten, dass er für die Unberechenbarkeit des Flusses sorge und jedes Jahr drei Menschenleben als Opfer fordere. Bevor ein Schiffzug ablegte, sendeten sie darum stets das Stoßgebet „Nahui, in Gott‘s Nam“ gen Himmel.

Mehrere Objekte im Freien ergänzen die Ausstellung des Museums im historischen Bruckbaustadel. Direkt an der Innbrücke gelegen, imponiert das Haus aus dem 17. Jahrhundert mit seinem steilen, feingliedrigen Dachstuhl auch äußerlich mit einem eindrucksvollen Anblick. Seit nun mehr 30 Jahren beherbergt das Gebäude schon die „Wasserbau- und Schifffahrtstechnische Sammlung“.

Stromabwärts der Innbrücke auf dem Inn-Deich können vier Schiffe in Originalgröße und der dazugehörige Rosszug als Stahlblech-Silhouette bestaunt werden. Das Gemeinschaftsprojekt des Wasserwirtschaftsamtes und dem Schiffleutverein Nußdorf a. Inn führt dem Besucher die gewaltigen Dimensionen dieses historischen Transportmittels vor Augen. Das von Rudl Endriß entworfene Kunstobjekt ist über den öffentlichen Geh- und Radweg von der Brücke aus zu erreichen.

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