In der unberührten Natur die innere Ruhe finden

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp

Blauer Himmel und glitzerndes, tiefes Weiß soweit das Auge reicht. Eine bunt gemischte Truppe, unter ihnen überraschend viele junge Leute, stapft an diesem traumhaften Wintertag von der Hindenburghütte mit Schneeschuhen hinauf zum Plateau der Hemmersuppenalm über Reit im Winkl. „Schnell und kurz, diese zwei Worte sind heute tabu“, gibt ihnen der Chiemgauer Berg- und Schneeschuhwanderführer Christian Pichler (www.bergbua.net) mit auf den Weg, nachdem er sie mit Schneeschuhen und Stöcken ausgerüstet und ihnen gezeigt hat, wie man sich damit am ergonomischsten im Gelände bewegt. Zwei Freundinnen aus München sind mit dabei, die zwar ein bisschen Alpinskifahren, aber von überfüllten Pisten die Nase voll haben; drei Mädels Anfang 20 aus der Wasserburger Gegend, die ansonsten gar keinen Wintersport machen; zwei Urlauber aus dem Norden und ein junges Paar aus der Region.

Sie alle machen das zum ersten Mal, wollen hineinschnuppern in diesen naturnahen Sport, der immer beliebter wird. Christian Pichler will, dass sie das eben nicht schnell mal kurz nebenbei machen, sondern langsam und ganz bewusst. „Sie sollen hier bei dem Kurs lernen, Spaß an der Bewegung zu finden, den üblichen Stress des Alltags hinter sich zu lassen, die Natur zu genießen und dem Herrgott einfach dankbar dafür zu sein, hier sein zu dürfen.“

Nach ein paar Hundert Metern werden die Schritte bei allen schon harmonischer und sicherer. Christian spurt mitten durch das Gelände des Premiumwinterweges, bergauf, bergab durch kleine, zum Teil völlig unberührte Waldschneisen, über kleine Bäche und Baumstämme. Dürfen sie hier überhaupt gehen? „Prinzipiell sollte man sich vor einer Schneeschuhwanderung bei der Tourenplanung zum Beispiel bei den Tourismusbüros immer genau erkundigen, wo Wildschutzgebiete sind oder es zu Konflikten mit Besitzern kommen könnte. Diese Gebiete muss man unbedingt umgehen, wie man auch das Gelände, das man ansonsten betritt, sehr genau beobachten sollte. Hier auf der Ebene verbirgt sich unter dem Schnee sehr sumpfiges Gelände, da können sich schon mal gefährliche Wasserlöcher auftun“, erklärt er der Gruppe.  

Sein großes Wissen über die vielfältigen Zeichen der Natur, wie man sie in eventuellen Gefahrensituationen nutzt, sowie viel Informatives und Historisches über die Region und die heimischen Berge gibt Christian Pichler immer wieder in kurzen Zwischenstopps an die Wanderer weiter. Wissen, das sie immer mehr eins werden lässt mit dem Erlebten hier. Neben dem puren Naturgenuss ist auch auf der ersten kleinen Rast in der Sonne Genuss angesagt, wo Christian heimischen Käse, Brot und Getränke für alle auspackt und nebenbei erklärt, was man auf einer Tour an Ausrüstung alles dabei haben und wie man sich in Notfällen verhalten sollte. 

Runterkommen vom stressigen Alltag, innere Ruhe finden, mit Bewegung entschleunigen: Mit jedem weiteren Schneeschuhschritt hier in der unberührten Natur im Chiemgau ist dieser Effekt bei jedem einzelnen deutlich spürbar. Gut runtergekommen im wörtlichen Sinne sind sie dann alle, zuerst mittags zur gemütlichen Einkehr in der Nattersbergalm, später ins Tal in Reit im Winkl. Und: Sie wollen alle wiederkommen!

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