Imposanter Ausblick auf „dahoam“

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp, Valentin Rapp

Das 1.367 Meter hohe Kranzhorn im Inntal ist immer wieder ein Genuss und einige Schweißtropfen wert. Wir haben den sportiven Anstieg über den Kranzhorn-Steig gewählt.

Markant steht es da, das Kranzhorn im Inntal. Auf den westlichen Ausläufern der Chiemgauer Alpen, grenzüberschreitend. Bayern und Tirol vereint auf einem wahrlich exponierten Gipfel, der 1.367 Meter über dem Inntal thront. Zwei Gipfelkreuze stehen oben und immer wieder die Diskussion unter den Gipfelstürmern, welches davon das schönere ist: das schlichte, hölzerne, das nach Tirol zeigt, oder das bei Sonnenschein weit in die Ferne strahlende, silberne Metallkreuz mit seinen goldenen Kugeln an den Kreuzenden, das nach Osten ausgerichtet ist und die bayerische Seite markiert. Geschmackssache, wie auch die vielen Wege hinauf auf das Kranzhorn, in dessen Inneren laut Inntaler Sage ein Bergfürst wohnen soll. Nur eine von zig Geschichten, die es um und über diesen Berg gibt, der an schönen Wochenendtagen auch ziemlich überlaufen sein kann. Ja, der Berg ist attraktiv und zieht an, immer wieder. Ein Berg mit Aussicht und Tiefblick, auch bestens geeignet, wenn man als Einheimischer mal mit Abstand von oben auf das Zuhause unten schauen will.

Auf der idyllisch auf 1.300 Meter gelegenen Kranzhornalm, die mit guter Küche und kunterbuntem Kinderspielplatz aufwartet, trifft man viele Familien mit Kleinkindern sowie Mountainbiker und Wanderer aller Alterskategorien. Die meisten kommen von der bayerischen Seite über Nußdorf/Windshausen oder von der Tiroler Seite von Erl über den leichten und auch mit Kinderwagen zu bewältigenden Wanderweg. Der führt vom Waldparkplatz auf 900 Metern Höhe oberhalb des Erlerbergs in einer guten Stunde zur Kranzhornalm. Wer dem Trubel entgehen will und einen etwas längeren Weg mit sportlichem Anspruch  sucht, nimmt den Anstieg vom kleinen Ort Scheiben bei Erl. Der Weg führt von dort über üppige Almwiesen hinauf zum Forstweg, wo der gekennzeichnete Kranzhornsteig – oft auch Erlersteig genannt – links in den Wald abzweigt. Auf wunderschönem Waldboden, an dem sich in der frühen Morgensonne mitten im Weg schon mal eine Schlange aufwärmt, geht es ab hier meist steil bergauf. Gute 700 Höhenmeter und ein echter „Wadlbeißer“, aber extrem idyllisch und sehr wenig begangen.

Immer wieder tut sich durch die Bäume ein schöner Blick auf die Tiroler Seite des Inntals auf, auf die markanten Passionsspielhäuser in Erl, auf das nördliche Kaisergebirge. Oben führt der Steig gen Osten, bevor er etwas unterhalb auf den Wiesenhängen südlich der Kranzhornalm endet. Von dort geht es die normale Anstiegsroute hinauf zum exponierten Gipfel, gemeinsam mit allen anderen Gipfelstürmern. Ein paar letzte steile Höhenmeter, vorbei an der kleinen, aus dem 17. Jahrhundert stammenden Kranzhornkapelle auf der rechten Seite. Die letzten, seilversicherten Stufen hinauf auf den engen Gipfel, wo gottseidank noch ein schönes Plätzchen auf der kleinen Holzbank unterhalb des Tiroler Kreuzes frei ist. Für eine genussvolle Brotzeit mit ziemlich exklusiver Rundumaussicht: auf den grünen Inn und das gesamte Inntal weit hinein in den Süden, auf Wendelstein und Co. im Westen, auf Rosenheim samt Umland und den Chiemgau im Osten.

Und auf ein paar wagemutige junge Slackliner aus Brannenburg, die heute hier am Gipfel eine 45 Meter lange Highline gespannt haben und darauf herumbalancieren. Grenzgänger der besonderen Art auf einem besonderen Gipfel zwischen Bayern und Tirol.

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