30 Jahre Fahrradgeschichte

Christian Topel

Fotos: Corratec

Sie gehört zu den innovativsten und erfolgreichsten Fahrradmanufakturen der Welt. Trotzdem bleibt „Corratec“ auch 30 Jahre nach der Firmengründung der heimischen Produktionsstätte und der Philosophie eines Familienbetriebs treu.

Um das Jubiläum eines weltbekannten Unternehmens zu würdigen, könnte man seine Erfolge in den Mittelpunkt stellen. Im Falle von Corratec hätte man eine lange Liste abzuarbeiten: Zu nennen wären die Auszeichnungen für das durchgängig erstklassige Design der Räder, so zum Beispiel der „Red Dot Design Award“ für den CORRATEC BOW, jener unverkennbare, elegant geschwungene Rahmen an den damaligen Mountain-Bikes; oder der prestige-trächtige „German Design Award“ in der Kategorie „Winner“ für die Version des CCT EVOs anlässlich des 25-jährigen Jubiläums; oder erst kürzlich der „Design & Innovation Award 2019“ für das corratec Life S, ein stylish-urbanes Pedelec. In diese Kategorie fiele sicher auch die unbändige Innovationsfreude der Raublinger. Wer entwickelte das erste Rennrad mit Scheibenbremse? Richtig, Corratec. Zu den einzigartigen Errungenschaften gehört auch das „Inside Link“-System“, Hinterachs-Dämpfer für Mountainbikes, die einen optimalen Wirkungsgrad garantieren. Fast unnötig zu erwähnen, dass Corratec schon auf Carbon setzte, als andere das ultraleichte Material noch im Weltall wähnten.

Zu den Erfolgen zählen gewiss auch die unzähligen Titel, die von Corratec ausgestattete Fahrer und Radsportteams auf der Bahn, auf dem Berg oder auf der Straße im Laufe der Firmengeschichte „erstrampelten“. Da reihen sich unter anderem Siege von Sechstage-Rennen, Bahn-Weltmeisterschaften und Etappensiege beim Giro d’Italia an den zweimaligen Gewinn der Gesamtwertung bei der Portugal-Rundfahrt oder den Weltrekord im MTB-Weitsprung.

Man könnte auch einen Blick auf das Wachstum werfen und beeindruckt feststellen, dass aus der kleinen Fahrradnische eines Rosenheimer Einzelhandelsgeschäfts heute eine der modernsten Radmontagestraßen Europas geworden ist. Rund 80.000 Räder fertigt das Unternehmen pro Jahr. Das Team um die Geschäftsführer Konrad und Cielo Irlbacher verkauft seine breite Palette an Mountainbikes, Trekking-Bikes, Rennrädern und E-Bikes inzwischen nicht nur in den zwei eigenen Sportartikel-Geschäften des Schwesterunternehmens IKO in Raubling und Salzburg. Corratec exportiert zudem in weit über 40 Länder auf der ganzen Welt – bei einem Gesamtumsatz von 80 Millionen Euro.

Um Corratec gerecht zu werden, müsste man aber vor allem auch die bleibende Bodenständigkeit erwähnen, mit der das Unternehmen den ganzen „Gigantismus“ auf sympathische Weise konterkariert. Da können und wollen die Irlbachers nicht aus ihrer Haut. Aus der Haut eines Familienbetriebs, der seiner Heimat auch nach 30 Jahren treu bleibt. 1990 hat Konrad Irlbacher Junior die Fahrradschmiede gegründet, nachdem er zuerst ein paar Jahre im väterlichen Sportladen eine stetig wachsende Radabteilung betreute. Jener Vater – Konrad Irlbacher Senior – war kein Unbekannter in der Sportwelt, als herausragender Skifahrer und Mitglied der deutschen Nationalmannschaft. Dessen IKO Sportartikel GmbH hatte sich dementsprechend zuerst mit der Produktion konkurrenzloser Skier einen Namen gemacht, ehe sie sich zum wohl größten Bergsport-Fachgeschäft der Region entwickelte. Apropos Namen: Da verbindet Vater und Sohn schon ein kleiner Spleen: Während IKO für Irlbacher Konrad steht, leitete sich Corratec vom italienischen Wort für Konrad ab: Corrado. So würde der Radhersteller auch bis heute heißen, wenn sich nicht ein Automobilhersteller die Bezeichnung kurzerhand gesichert hätte. Für den Junior kein Problem, er ließ einfach sein technisches Know-how in den eigenen Firmennamen einfließen: Corratec war geboren.

Der Rest ist Geschichte. Bis heute andauernde Fahrradgeschichte. 1992 beziehen Irlbachers den heutigen Standort in Raubling, wo Verwaltung, Produktion und Handel unter einem Dach vereint sind und auch künftig vereint bleiben. Fest in familiärer Hand bleiben die beiden „Sport-Riesen“ sowieso. Cielo Irlbacher verantwortet neben der Geschäftsführertätigkeit mit Konrad Irlbacher den Export. Konrad Irlbacher ist der Kopf der IKO Unternehmen und maßgeblich an Neuentwicklungen beteiligt. Sohn Johannes Irlbacher übernahm schon vor einiger Zeit die Kaufmännische Leitung von Corratec. Letztes Jahr stieß der älteste Sohn von Konrad Irlbacher, Konrad Junior Junior, als Einkaufsleiter zu Corratec. Tochter Tessa leitet bereits seit 2018 die IKO Sportartikel-Geschäfte.

www.corratec.de 

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