Hochzeitsmode 2.0

Christian Topel

Fotos: Andreas Jacob


In 35 Jahren hat sich das Brautparadies Rosenheim zur ersten Anlaufstelle für modebewusste Bräute entwickelt. Die neue Inhaberin Christina Thumbach hat dem Geschäft nun frischen Wind eingehaucht und das Angebot deutlich erweitert.  

Christina Thumbach strahlt über das ganze Gesicht, als die Kundin aus der Umkleidekabine tritt. Es genügt ein Blick, um zu sehen: Mit diesem spitzenbesetzten Duchesse-Kleid hat sie die richtige Wahl getroffen. Auch die Braut macht große, glückselige Augen, nachdem sie sich von allen Seiten im Spiegel betrachtet hat. Das eng anliegende Corsage-Oberteil mit dem freien Rücken versprüht einen Hauch Erotik; der weite, glockenförmige Rock umspielt elegant die Taille; ein luftig-leichter Schleier setzt dem Ensemble das i-Tüpfelchen auf. Aus einer „gewöhnlichen“ Frau ist eine Prinzessin geworden – die Märchenhochzeit kann kommen!

Eher zufällig ist die neue Inhaberin des alteingessenen Ladens in der Rosenheimer Innstraße zu diesem Job gekommen. Nach einiger Zeit im Vertrieb eines regionalen Molkereibetriebs beschloss sie, ihrer Affinität zu Mode Folge zu leisten. Eine gute Entscheidung: Christina Thumbach spürte sofort, wie erfüllend sie es empfand, anderen Frauen dabei zu helfen, das perfekte Outfit für den schönsten Tag in deren Leben zu finden: den Hochzeitstag. Ein feines Händchen bewies sie obendrein bei dieser durchaus sensiblen Tätigkeit, bei der Geduld genauso gefragt ist wie exzellenter Geschmack.

Als Christina Thumbach erfuhr, dass die Besitzer des „Brautparadies Rosenheim“ nach 35 Jahren planten, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen, bedurfte es keiner langen Überlegungen: Die Zeit war reif, einen eigenen Laden zu führen. Kurz vor Weihnachten wurden sich beide Parteien einig, und schon im April öffnete Christina Thumbach die Pforten zum runderneuerten, nun nach ihr benannten Brautparadies. Voller Elan hat die zweifache Mutter dem weitflächigen Geschäft frischen Wind eingehaucht: Die Räumlichkeiten erstrahlen in neuem Glanz. Lichtdurchflutet und mit edlem Interieur lädt der ganze Laden zu ausgiebigen Stunden des Shoppings ein – und das Wort „Stunden“ ist dabei buchstäblich gemeint. Denn so ein Termin, bei dem Bräute von Beraterinnen, Schneiderinnen und Christina Thumbach so richtig „betüdelt“ werden, kann schon seine drei Stunden dauern. Gut Ding braucht eben seine Weil! Zumal auch das Angebot ein ordentliches Facelift bekommen hat.


Über 700 Kleider können Kundinnen
vor Ort begutachten – in nahezu jedem erdenklichen Stil. Vom bereits erwähnten Prinzessinen-Look über exzentrische Zweiteiler, die kesse Farbkombinationen ermöglichen, bis hin zum Vintage-Look, der die schlichten Schnitte und Stoffe vergangener Zeiten wieder aufleben lässt, bieten Christina Thumbach und ihr Team für jeden Geschmack das passende Hochzeitskleid. Wer gar nicht fündig wird, kann sich sogar im eigenen Atelier von erfahrenen Schneiderinnen eine Maßanfertigung auf den Leib schneidern lassen.

Mit einer Neuerung trifft Thumbach ganz besonders den Nerv der Zeit: Eine ganze Abteilung widmet sich dem Thema Tracht. Mit Marken wie Daniel Fendler, Kinga Mathe, Astrid Söll, Silk & Pearls oder der Alpenherz Trachtenmanufaktur haben einige der exklusivsten und namhaftesten Hersteller von Hochzeitsdirndln Einzug gehalten im Brautparadies. Mit einigen dieser Designergrößen plant Thumbach im Frühherbst eine Art „Meet-and-Greet-Event“, bei dem heiratswillige Damen die Designer nicht nur kennenlernen, sondern sich persönlich von ihnen beraten lassen können. Den genauen Termin gibt die findige Geschäftsfrau bald auf ihrer Website bekannt.

An die eigene Hochzeit denkt Christina Thumbach in so einem bezaubernden Ambiente fast täglich zurück. Im Lieblings-Urlaubsort Meran haben sie und ihr Alfons sich vor drei Jahren das Ja-Wort gegeben. Ein schmales, elegantes Kleid habe sie getragen, erinnert sich die Jungunternehmerin, die von sich sagt, sie schätze Familie und gute, alte Werte, könne aber während regelmäßig unternommener Mädlsabende schon auch auf die Pauke hauen. Die Mitarbeiterinnen lachen und nicken. Kein Wunder, dass sich Kundinnen hier sofort wohlfühlen – ein Besuch im Brautparadies fühlt sich eben nicht wie gewöhnliches Einkaufen an, sondern wie ein Ausflug zu guten Freundinnen. Darauf ein Schlückchen Prosecco!

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