Hoch über dem Inntal

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp

Der Gilfert ist ein beliebtes Skitourenziel in den Tuxer Alpen. Unsere Autorin Petra Rapp begibt sich bei einer Frühjahrstour auf die Spuren der Einheimischen.

Wenn unten im Tal die immer stärker werdenden Sonnenstrahlen das erste zarte Grün auf den Wiesen sprießen lassen, machen die einen voller Vorfreude auf die warme Jahreszeit schon ihre Rennräder und Mountainbikes startklar. Die anderen, die vom Winter noch nicht genug haben, halten Ausschau nach oben und fragen sich: „Geht da noch was? Beglückt uns der Frühling mit einem dieser Tage, an denen sich in der Höhe der Regen vom Vortag vielleicht noch als weißes Sahnehäubchen niedergelassen hat?“ Scheint so, wie bereits bei der Anfahrt auf der Inntalautobahn die weißen Gipfel rundum erahnen lassen. Vorfreude auf einen schönen Skitourensaisonabschluss mit Freunden kommt auf. Unser Ziel: der Gilfert in den Tuxer Alpen, der auf 2.506 Metern Höhe über dem Inntal thront.

Der Gilfert wird hauptsächlich auf der Route über Innerst begangen. Die ist jedoch im Frühjahr im unteren Teil oft schon frei von Schnee. Wir folgen deshalb dem Tipp eines Einheimischen und kurbeln uns die kurvenreiche Strecke hinauf nach Weerberg-Hausstatt auf 1.255 Meter, wo ein kleiner Parkplatz gegenüber einer Kapelle auf Skitourengeher wartet. Felle aufgezogen, Piepser gecheckt. Wir steigen nach Osten entlang der noch mit kargem Weiß bedeckten Skipiste des Hüttegg-liftes zur Bergstation hinauf. Bei der Bergstation (1.520 Meter) folgen wir rechts oberhalb des Speicherteiches einer breiten Forststraße, die flach in den Wald hineinführt. Ein schöner Weg zum Eingehen und Warmwerden in Richtung „Nonsalm über Saugrasweg – Gilfert“.

Die Sonne steigt allmählich und mit ihr die Temperaturen, die am Morgen doch noch überraschend kühl waren, was aber der Schneequalität zugutekommt. Der gut markierte Waldsteig mündet in einen Forstweg (1.760 Meter). Einige Höhenmeter später kommen wir auf die ersten freien Flächen, die einen spannenden Blick auf die noch wolkenverhangene Bergkulisse freigibt. Vor uns weite weiße Hänge mit vielen Mulden und vereinzelten Bäumen.

Nur wenige Skitourengeher sind unterwegs und kämpfen sich die am Ende immer steiler werdende, gut sichtbare Spur hinauf, die später ostwärts über kurze Steilhänge und durch Mulden rechts vom Kamm unterhalb vom Wetterkreuz vorbeiführt und am Schluss am breiten Rücken zum mächtigen Gipfelkreuz endet. Die Männer voraus, ich mit etwas Abstand hinterher. Die letzten Meter zum riesigen Gipfelkreuz stapfen wir zu Fuß hinauf, bevor wir uns ein wenig unterhalb im tiefen Schnee einen Sitzplatz bauen und dort eine Brotzeit und den imposanten Ausblick auf die Alpenkette genießen.

Lohn des mit über 1.200 Höhenmetern doch recht langen Aufstiegs: noch richtig schöne Pulverschneehänge in Richtung Norden, die wir Schwung für Schwung und Hang für Hang abwärts mit Blick auf das grüne Inntal genießen. So sehr, dass wir irgendwo im weiten Weiß die richtige Abzweigung verpassen und in einem dicht verwachsenen Kessel landen, durch den wir uns mühsam kämpfen. Gut, dass alle skitechnisch sehr versiert und konditionell gut trainiert sind, sonst hätte das richtig problematisch werden können. Zum Glück geht alles gut. Wir finden den richtigen Weg nach unten, wo wir nach einem längeren Schiebestück im Wald ziemlich verschwitzt an der Bergstation des Hütteggliftes ankommen. Hier hat der am Morgen noch prügelharte Restschnee inzwischen aufgefirnt und wir cruisen genussvoll zum Parkplatz hinunter – einem am Ende sehr gelungenen Saisonausklang entgegen.

  • Routeninformationen
Anforderung: mittel
Gehzeit: ca. 3,5 bis 4 Stunden
Höhendifferenz:

1.238 Meter

Gebirge:

Tuxer Alpen

Anreise/Zufahrt:

Inntalautobahn bis Wattens, Richtung Schwaz und weiter nach Weer. Beim Hotel Weererwirt aufwärts nach Weerberg. Im Dorfzentrum bei der Kirche rechts Richtung Innerst. Am Dorfende links aufwärts der Beschilderung „Hausstatt“ folgen. 

Ausgangspunkt:

In Hausstatt am obersten Parkplatz gegenüber der Kapelle

Beste Tourenzeit:

Dezember bis April (je nach Schneelage)

 

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