His Home is his Castle

Christian Topel

Fotos: Bespoke

Ein bisschen Ritterburg wünschte sich Manuel Rinderle, wenn er sein Refugium schon einer Totalrenovierung unterzog. Der Versicherungsfachmann hatte die Zweizimmerwohnung in Kolbermoor vor gut zehn Jahren gekauft. Der bescheidene Anspruch damals: günstig, günstig und noch mal günstig. Eine Jung-gesellenbude eben. Doch mit der Zeit wich das Singledasein einer Partnerschaft, das „Lotterleben“ einer erfolgreichen Selbständigkeit in der Versicherungsbranche – und mit den Menschen wurden die Bedürfnisse erwachsen. Also: aus zwei mach drei Zimmer, aus Bude mach maßgeschneiderte Designerwohnung mit mittelalterlichem Flair – denn alle alten Leidenschaften legt man dann doch nicht ab.

Hand und Fuß bekam, holte sich Rinderle das Münchener Architekturbüro „Bespoke“ zu Hilfe. Geschäftsführer und Innenarchitekt Stefan Neubrand studierte in Rosenheim, und seine Philosophie passte wie die Zinne auf Rinderles Burgträume. „Ich möchte mit echten, natürlichen Materialien arbeiten, die mit der Zeit ruhig auch eine Patina bekommen dürfen“, hat sich Neubrand auf die Fahnen geschrieben. Beim Möbelbau strebe Bespoke eine Verbindung zwischen Alt und Neu an, zwischen puren Rohmaterialien und hochwertigen Industriestoffen, so der Schreiner, Designer und Innenarchitekt. 

Um Platz für neues Altes zu schaffen, entmistete Rinderle zuerst. Die ganze Wohnung bis aufs Bad wurde entkernt. Was die Materialien anging, waren sich Architekt und Bewohner sofort einig: Echtholz und Stahl sollten für das zwar moderne, aber auch altehrwürdige Ambiente sorgen. Und noch eins von Stefan Neubrands Credos spielte Rinderles Wohntraum in die Karten: Der Designer steht für maßgeschneiderte Möbel, Unikate, selbst entworfen und produziert. Exklusive Ergebnisse seiner Schaffenskraft: Eine Garderobe aus echten Kuhhörnern, das mit einer halben Tonne Gewicht (ohne Insassen) schwer beeindruckende Bett aus massiver Eiche, sowie eine extra eingepasste Küche mit Stahlarbeitsplatten. Hier zog Bespoke eigens eine Decke ein. Nach Vollendung der ca. 13 Wochen dauernden Renovierung hatte Rinderle seinem Lebensraum 50 Quadratmeter mehr Grundfläche (vorher 100) und 40 Quadratmeter mehr Wohnfläche (vorher 70) abgerungen. Ergebnis: Ein zu Recht stolzer Burgherr mit Dreizimmerwohnung.

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