Hingucker aus Holz

Christian Topel

Fotos: Lukas Schaller, RosenheimKreis e. V.

Mit seinem Holzbaupreis ehrt der „RosenheimKreis – Architektur im Gespräch e. V.“ alle vier Jahre herausragende architektonische Leistungen aus Holz. Güte und Bandbreite der Gebäude beeindrucken auch 2016.  

Als „schönste Fabrik der Welt“ bezeichnen die Mitglieder des RosenheimKreis – Architektur im Gespräch  e.V. den Wald – fabriziert er doch jenen Baustoff, den der Zusammenschluss aus Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten, Künstlern und anderen an Baukultur Interessierten aus Rosenheim und Umgebung alle vier Jahre in ihren Fokus rücken. 2016 hat der RosenheimKreis bereits zum vierten Mal den längst überregional hochanerkannten „Rosenheimer Holzbaupreis“ ausgelobt. 

Eingereicht werden konnten wieder qualitativ hochwertige Bauwerke aus Holz – vom Einfamilienhaus bis zum Sondergebäude, von An- und Umbauten bis zu Ingenieursbauwerken – sofern sie nach dem 1. Januar 2012 errichtet wurden. Von ähnlichen Wettbewerben hebt sich der „Rosenheimer Holzbaupreis“ übrigens ab, weil ihm zwei unterschiedliche Preisgerichte vorstehen: zusätzlich zu den Fachrichtern auch die breite Öffentlichkeit, die drei Publikumspreise verleiht. Interessierte konnten sich die immerhin 76 von Bauherren und Architekten eingereichten Beiträge aus Südbayern, Tirol und dem Salzburger Land den gesamten Juni über im Foyer der Hochschule Rosenheim ansehen und bis 25. des Monats abstimmen.

Mit der Hochschule Rosenheim haben die Holzliebhaber einen genauso naheliegenden wie passenden Ausstellungsort auserkoren, hat sie sich seit ihrer Gründung als Holztechnikum 1925 doch zum weltweit bedeutendsten Aus- und Weiterbildungszentrum der gesamten Holzbranche entwickelt. In diesen ehrwürdigen Räumlichkeiten wird Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer im Rahmen der Abschlussveranstaltung am Samstag, 23. Juli, um 11.00 Uhr die Preise sowohl der Fachjury als auch des Publikums überreichen. Bis dahin kann man die Ausstellung noch montags bis freitags je von 8.00 bis 20.00 Uhr und samstags von 8.00 bis 16.00 Uhr besichtigen.

Die Vielfalt der gezeigten Holzbauwerke erweist sich abermals als beeindruckend: Wohnungsbau, Gewerbe- oder Verwaltungsbau, Kletterhalle und mehrstöckiger Spielturm sind vertreten. Die Vielfalt der Verwendungsmöglichkeiten von Holz vermag zu verblüffen: Manche Häuser scheinen zu schweben, manche schmiegen sich an Altbauten, einige geben sich skulptural oder nehmen regelrecht organisch wirkende Formen an, wiederum andere zeigen sich geradlinig und vornehm. Alle jedoch besitzen ein unverwechselbares Gesicht und zeugen überdies von dem Vorteil, mit einem nachwachsenden regionalen Baustoff die Energiebilanz bei der Herstellung niedrig zu halten. Holz, werden die Initiatoren des Preises nicht müde zu betonen, binde bei seiner Entstehung Kohlendioxid und trage so zum Klimaschutz bei. Im Vergleich zu anderen Baustoffen lasse es sich mit sehr geringem Energieaufwand zu Baumaterial verarbeiten und verbauen. Nicht zuletzt fördere Holz ein gesundes Raumklima und könne noch nach Jahren problemlos thermisch entsorgt und somit sinnvoll verwertet werden. Gerät es in die Hände geschickter Architekten, entstehen zudem Gebäude, die allein durch ihr Dasein mithelfen, dem ursprünglichen Gründungsgedanken des RosenheimKreis zu dienen: in der Öffentlichkeit, also namentlich auch bei Laien, das Verständnis für qualitätsvolles Bauen zu fördern und für die Tätigkeit des Architektens zu werben. 

„Die Bevölkerung wähnt uns meist in einem gewissen Elfenbeinturm“, erklärt Armin Stiegler, Landschaftsarchitekt und Vorsitzender des Vereins. Anders als Bau-Katastrophen wie der Berliner Flughafen aber vermuten lassen, seien sich die Profis Ansprüchen und Herausforderungen wie Kostenbewusstsein, Kostensicherheit bis zur Abrechnung und Einhaltung von Fertigstellungsterminen stets voll bewusst. Kosten- und Terminprobleme entstünden in aller Regel nur dann, wenn eben keine ausreichende Planung vorausgegangen ist. „Dies“, betont Stiegler, „wollen wir der Öffentlichkeit mitgeben, ebenso wie das Verantwortungsbewusstsein, ein ‚ordentlich gestaltetes‘ Bauwerk zu errichten, das sich gut in die Umgebung einfügt.“ Dabei gehe es den Profis um Maßstäblichkeit, Materialwahl, Farbgebung oder das Zusammenspiel mit Freianlagen. Exzellente Beispiele zeichnet der Verein mit seinem Holzbaupreis aus. 

Die Anliegen von Architektur und Städtebau versuchen die Architekten  des RosenheimKreis aber auch auf viele weitere Weisen zu vermitteln und zu erklären. So organisieren sie beispielsweise Bus-Exkursionen zu vorbildlichen Bauten, bei denen auch die Bauherren selbst zu Wort kommen; Vorträge und Ausstellungen sollen für Dialog und Präsenz sorgen; im Rahmen des Projekts „Architektur macht Schule“ habe der Verein Schulklassen besucht und zusammen mit Schülern kleine architektonische Projekte entwickelt, erzählt Armin Stiegler. Gern erinnern sich die Rosenheimer an den architektonischen „SehContainer“ anlässlich der Landesgartenschau, in dem ein selbstgedrehter Film über die Innstädte gezeigt wurde. Zeitgleich erschien ein Architekturführer für Stadt und Landkreis Rosenheim. Nicht zuletzt entwickelte der RosenheimKreis anlässlich des Rosenheimer Stadtjubiläums den 20 Stelen umfassenden Themenweg „Schauplätze zur Zeit der Stadterhebung 1864“. Er lädt Einheimische und Touristen zu einer informativen Entdeckungstour durch Rosenheim ein.            

 

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