himmeblaue Alpinisten

Petra Rapp

Fotos: Andreas Jacob

Biwak statt Büro – mit Fotoapparat von Gipfel zu Gipfel

Sechs Tage und Nächte Bergwelt pur. Andreas Jacob und Andreas Altmaier verbindet nicht nur ihr berufliches Engagement für das Magazin himmeblau – die beiden gehen auch leidenschaftlich gerne in die Berge. Nein, nicht nur locker Wandern. Ein bisschen Anspruch muss schon sein. Deshalb steht eigentlich jedes Jahr eine längere, gemeinsame Tour auf dem Plan. Letztes Jahr musste sie ausfallen, weil Andi A. in Australien weilte. Jetzt marschierten sie wieder los.

Sie starteten in der Axamer Lizum südwestlich von Innsbruck (Tirol), den meisten im Winter als schönes Skigebiet bekannt. Diesmal hatten sie Gesellschaft: Andi Altmaiers jüngerer Bruder  Manfred machte aus dem himmeblau-Duo ein Trio. Vollbepackt mit großen Rucksäcken samt Essen, Bekleidung und einem kleinen Zelt für alle. Die Stimmung: ziemlich ausgelassen. Wie es so ist, wenn drei junge Kerle in die Freiheit aufbrechen. Das Wetter: Na ja. Der Himmel voller dichter Wolken, Nebel, sodass von der dort eigentlich imposanten Bergwelt beim Aufstieg über die Damenabfahrt nicht viel zu sehen war. Eine Wegsperrung hatte zur Folge, dass die Drei gleich bei der ersten Tour von ihrer geplanten Route abkamen. 300 Höhenmeter Umweg mit 23  Kilogramm auf dem Rücken – schon zu Beginn der Tour eine kleine Kraftprobe. Am Nachmittag  erreichten sie nach gut 6,5 Stunden Gehzeit und 1.450 Höhenmetern das Seejöchl (2.650 Meter) in den Stubaier Alpen. Da das Wetter aber zunehmend schlechter wurde und die Hütten mindestens noch jeweils zwei Gehstunden entfernt waren, schlugen sie zwischen zwei kleinen Seen ihr Biwak auf. Raus mit dem Gaskocher, Couscous rein in den Topf und den ersten Abend in freier Natur genossen! Die Nacht jedoch weniger. Nur fünf Grad und ein heftiges Gewitter waren nicht gerade gemütliche Bedingungen. „Mütze auf, Augen zu und durch…“, machte sich Andi Jacob zur Devise.

Am nächsten Morgen klarte der Himmel auf, die Sonne und eine neugierige Schafherde begrüßten die Drei, die erst jetzt im Hellen so richtig realisierten, an welch’ schönem Platz sie sich niedergelassen hatten. Die zweite Etappe sollte sie nach einem ausgiebigen Frühstück relativ gemütlich in den Süden Tirols führen. Geplant waren rund 5,5 Stunden und 470 Höhenmeter  bergauf und 750 Meter bergab. Mit dem schweren Rucksack glich der ganze Weg aber einem  einzigen Treppensteigen, was Kraft und Kondition doch sehr forderte.

Fasziniert von der alpinen Schönheit rundherum, wollten sie auch die zweite Nacht draußen  verbringen. Sie schlugen mit der Zustimmung des Wirtes der Franz-Senn-Hütte ihr Biwak an einem  schönen Platz in Hüttennähe auf und dankten dem Wirt den Tipp mit einer ordentlichen Zeche. Ziel der dritten Tagesetappe war die Regensburger Hütte. Gut 4,5 Stunden und 650 Höhenmeter für die doch schon ziemlich müden Beine. Diesmal gönnten sie sich eine Nacht in richtigen Betten, zumal „Jenny, blond, mit großen blauen Augen vor uns stand und uns eine schnuckliges Dreibett-Zimmer anbot“, so Andi Jacob zwinkernd. Es folgte ein gemütlicher  Hüttenabend mit hervorragendem Essen, Kartenspielen und viel Bier. Der nächste Morgen  versprach nicht wirklich besseres Wetter. „Der Hüttenwirt meinte, wir sollten übers Tal gehen, aber die Landschaft etwas weiter hinten war zu verlockend. Also packten wir uns in unsere Regenklamotten und marschierten los. Von der Regensburger zur Dresdner Hütte über den Falbesoner und am Mutterberger See vorbei“, erzählt Andi Altmaier. „Obwohl wir mit dem vielen Regen eher das Gefühl hatten, in Schottland oder Irland unterwegs zu sein, waren wir doch von den mächtigen Bergen ringsherum extrem beeindruckt. Einfach eine unglaubliche Gegend!“

Nach drei Tagen hatten sich auch die Beine endlich an die Belastung gewöhnt und es ging Kilometer für Kilometer immer besser voran. Im nächsten Tal über einem Grat rissen die Wolken auf: endlich perfektes Wanderwetter! Idyllische Mittagspause in der Nähe des Mutterberger Sees an einem kleinen, grünen Bachlauf zwischen zwei glasklaren Weihern. Der Weg zur Dresdner Hütte wurde durch einen erfrischenden Hecht in einen kleinen See auf 2.500 Metern Meereshöhe verschönert. Mit knapp 950 Höhenmetern in den Beinen und nach einer Gehzeit von 6,5 Stunden war die Hütte, die eher einem Hotel gleicht, mitten im Skigebiet unterhalb des Stubaier Gletschers erreicht. Es gibt schönere Landschaften. Schnell weg am nächsten Morgen über das Beiljoch, wo riesige Steinmännchen den Weg säumten. Der weitere Tourenplan: Runter vom Gletscher, über den Bach und auf der anderen Seite wieder hoch zum Aperer Freiger.

Eine Stelle zu finden, wo sie den Bach ohne Problem überqueren konnten, war nicht so einfach. 200 Höhenmeter weiter unten, fast schon bei der Sulzenauer Hütte, fanden sie eine und gingen dann auf der anderen Seite querfeldein die Moräne hoch zum Aperer Freiger, mit 3.262 Metern der erste Dreitausender des Teams.

Nach gut zwei Stunden Aufstieg oben dicker Nebel und eine Sicht von ca. 50 Metern: kein sonderlich  schönes Gipfelerlebnis! Danach Abstieg zur Sulzenauer Hütte, wo nur noch  Lagerplätze zu haben waren. Tagesfazit: 1.460 Höhenmeter bergauf, 1.630 Höhenmeter bergab in 7,5 Stunden und ein inzwischen ziemlich leerer Geldbeutel, weshalb am nächsten Tag der Abstieg zur Nürnberger Hütte angesagt war. Dort noch einmal eine letzte Brotzeit und der letzte Weg zurück nach Ranalt, um mit dem Bus wieder zurück nach Innsbruck zu fahren. Die  Busverbindungen sind übrigens am ganzen Stubaier Höhenweg ausgezeichnet. Per Bus zurück  nach Axum und zum Auto mit dem letzten Geld per Taxi. Sechs Tage alpines Abenteuer geschafft und die Vorfreude auf daheim, eine Dusche und das eigene Bett ist groß.

Zurück