Hier steckt der Geist der Zeit

himmeblau Redaktion

Kupferarbeiten Philipp Basche
Fotos: Andreas Jacob

Von monumentalen Büsten über sakrale Kirchenkunst bis hin zu Pop-Art-Figuren: Über 120 Jahre Kupferarbeiten Philipp Basche

Es riecht nach Bienenwachs und Bunsenbrennern, laute Schleifgeräte hallen aus den Werkstatträumen, das Radio dudelt und der frisch aufgesetzte Kaffee brodelt durch die Maschine. In der Werkstatt von Kupferarbeiten Basche in München Feldmoching beginnt der Tag schon früh: Um sieben Uhr morgens kommt die kleine Mannschaft zusammen und baut an den vielen verschiedenen Kupfer-Skulpturen, kreiert Figuren und Kunstwerke. „Vorsicht!“, mahnt Gabriele Ring-Hoffmann, die in vierter Generation im Unternehmen arbeitet, „hier wird man schmutzig!“. Kein Wunder, denn in allen Räumen der alten und verwinkelten Werkstatt wird fleißig gearbeitet und wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne.

Seit 1897 gibt es die Werkstatt der Kupferarbeiten Basche und auf berührende Art und Weise sind diese 120 Jahre in jedem Winkel zu spüren: Ein Hauch von „damals“ kommt uns entgegen, obwohl auf den alten Werkbänken und in den großen Kupferbecken auch neue, moderne Kunstwerke entstehen. Es ist die einzigartige Mischung aus Altem und Neuem, die der Werkstatt ein ganz besonderes Flair verleiht. Überall liegen oder hängen Kupferschmuckstücke – von großen Gartenskulpturen und abstrakt-coolen Wandbildern bis hin zu Weihnachtssternen, kleinen Tieren und Schlüsselanhängern in Form von Lederhosen und Dirndln. In den Regalen türmen sich Silikonformen und Werkzeuge. Große Kupfer- und Färbebecken thronen in den Räumen und wenn an der Tür „Bitte schließen“ steht, dann staubt es dahinter gewaltig, weil geschliffen und gebürstet wird.

Die Familie Basche

Der Konditor Karl Basche war es, der einst – fasziniert von der neu entwickelten Galvanotechnik – seinen Bäcker-Kittel an den Nagel hängte und die „Galvanische Kunstanstalt“ gründete. Endlich konnten sich mittels dieser neuen Technik auch weniger betuchte Menschen kostbar aussehende Metallskulpturen, Schmuck und vieles mehr leisten, gab es bis dato doch nur äußerst kostspielige Bronzefiguren. Bei der Galvanotechnik werden Gegenstände durch elektro-chemische Abscheidungen mit Kupferschichten überzogen. „Und das ging 1897 genauso wie heute“, erklärt Ring-Hoffmann, „nur die Modelliermasse ist eine andere. Mein Urgroßvater nahm damals Gips, wir heute Bienenwachs, das später aus der Form gegossen und wiederverwendet werden kann. Ansonsten ist alles wie früher.“

Figuren werden modelliert oder in Silikonformen gegossen und anschließend mit Graphitstaub bepinselt. Das Ganze komme dann in ein Bad aus Kupfersalzlösung, das unter Strom gesetzt werde. Durch den elektrisch leitenden Graphitstaub setze sich dann nach und nach das Kupfer an der Figur ab, erklärt Ring-Hoffmann. Je nach Größe baden die Plastiken ein paar Tage oder sogar ein paar Wochen im Kupferbad. Dann werden die Objekte aufwändig nachbearbeitet: geschliffen, gelötet und poliert. Nach 20 Arbeitsschritten ist ein einzigartiges Kupferobjekt für das Wohnzimmer oder den Garten entstanden, gemacht für die Ewigkeit.

Viele der Kupferarbeiten Basche sind Unikate, die auch auf Wunsch hergestellt werden können. Die beliebtesten Figuren gibt es auch in kleinen Serien. Über die 120 Jahre hinweg hat sich einiges angesammelt: Lager und Speicher sind voll von tausenden kleinen und großen Kunstwerken und spiegeln wider, wie sich das Leben und die Geschmäcker im letzten Jahrhundert verändert haben.

Anfang 1900 hatte Gründer Karl Basche vor allem mit Nippes, Büsten und Skulpturen aus reinem Kupfer Erfolg. Einer seiner größten Kunden war damals das Kaufhaus „Hertie“, das zu jener Zeit noch „Hermann Tietz“ hieß. Nach Karl Basches Tod im Jahr 1916 übernahm dessen Sohn Philipp Basche das Unternehmen und schlug sich in harten Kriegszeiten mit Grabmalkunst, Madonnen und Christuskörpern durch. Erst nach dem zweiten Weltkrieg blühte das Geschäft so langsam wieder auf und der junge Basche machte sich einen Namen, indem er für viele Künstler arbeitete, Brunnen und Kirchenportale gestaltete und Hohlleitern produzierte. Mit Tochter Mathilde, die beim Papa ihre Lehre samt Gesellenprüfung gemacht hatte, kamen in den 1960er-Jahren viele Tiere als Gartenfiguren auf den Markt und schon bald wollte jeder eine echte „Basche-Ente“ auf seiner Terrasse haben.

Christian Sirl

Noch heute ist Mathilde Ring, geborene Basche, Familienoberhaupt und Inhaberin von Kupferarbeiten Philipp Basche. Mit viel Leidenschaft und Liebe zum Detail leitet sie seit den 60ern gemeinsam mit ihrem Mann den familiären Betrieb, damals noch mit rund 20 Mitarbeitern. Ihre beiden Töchter Gabriele und Monika, die jene Galvanotechnik mit ins Blut bekamen und in der Werkstatt aufwuchsen, stiegen Ende der 90er ins Geschäft ein. Tochter Monika brachte noch ihren Mann Tom mit. Und weil man ja jung war und sich ein wenig abheben wollte, gründeten die drei in der Werkstatt das Atelier „Young Art Collection“, wo sie Pop-Art-Figuren, abstrakte Wandkunst und den Außerirdischen „Emil“ entwickelten. Ihre Objekte sind weit über Münchens Stadtgrenzen bekannt und in vielen Galerien ausgestellt. Ein bisschen muss Gabriele Ring-Hoffmann bei dieser Erinnerung grinsen: „Mittlerweile sind wir ja auch nicht mehr ganz so jung, deswegen sagen wir statt ,Young Art Collection‘ nur noch ,YAC‘. Aber modern sind unsere Kunststücke natürlich immer noch.“

Alle Kunstwerke aus dem Atelier und der Kupfermanufaktur lassen sich im Werkstattladen oder im verwunschenen Garten direkt nebenan ansehen. „Wir sind auch immer auf der schönen Dult am Mariahilfplatz zu finden und auf drei Christkindlmärkten in München,“ freut sich Gabriele Ring-Hoffmann schon jetzt auf die Adventszeit. Außerdem verwandelt sich am letzten Novemberwochenende der große Werkstatt-Garten wieder in einen leuchtenden Weihnachtsmarkt, denn dann lädt die Kunstmanufaktur Basche zur Christkindlwerkstatt ein.

Sechs Mitarbeiter sind es aktuell bei Basche: die Schwestern Gabriele und Monika mit ihrem Mann Tom, Mama Mathilde und Papa Richard, außerdem gibt es noch drei Mitarbeiter, die schon so lang hier arbeiten, dass sie praktisch zur Familie gehören. Es herrscht eine schöne Stimmung hier in der Basche-Werkstatt: heimelig, freundlich und liebevoll. „Wir sagen immer, wir sind das Ende der Fahnenstange. Unsere Kinder werden das alles hier natürlich erben, aber in unsere Fußstapfen werden sie wohl nicht treten,“ sagen die Schwestern Monika Schuster und Gabriele Ring-Hoffmann etwas wehmütig. Doch wenn man in die strahlenden und optimistischen Gesichter der ganzen Unternehmerfamilie blickt und miterlebt, mit wieviel Spaß, Kreativität und Liebe sie miteinander umgehen und hier arbeiten, ist schnell klar: das Ende dieser Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht!

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