Heiße Aussichten

Christian Topel

Fotos: Chiemgau Thermen, Andreas Jacob

Die Chiemgau Thermen locken nach Umbau und Erweiterung mit tollen neuen Attraktionen.

Heiße Luft und warmes Wasser – so lautet hier die vermeintlich einfache Glücksformel. Hier, das bedeutet in den Chiemgau Thermen in Bad Endorf. Von April bis November dieses Jahres hat die Gesundheitswelt Chiemgau AG als Betreiber der inzwischen rund 50 Jahre alten Einrichtung Thermenlandschaft und Saunawelt aufwendig umgebaut und modernisiert. Im Rahmen umfangreicher Erweiterungs- und Neubaumaßnahmen wurde nicht nur die gesamte Bad- und Haustechnik im Innenbereich saniert. Die Therme bekam auch neue Böden, Wände, Decken sowie Fassadenverglasungen. Vor allem aber begrüßen neue Attraktionen erholungswütige Besucher – und diese Neuerungen treiben die eingangs erwähnte Glücksformel erwartungsgemäß auf die Spitze, wie wir bei einer entspannenden Stippvisite feststellen durften.

Schon die Ankunft gestaltet sich deutlich bequemer als vor dem Umbau. Schneeflöckchen Weißröckchen lassen Ankommende und erst Recht Abreisende nun völlig kalt. Sie gelangen – übrigens genauso wie Gäste des Thermenhotels Ströbinger Hof, des Ambulanten Rehazentrums und des Kultursaals am Park – unterirdisch und somit trockenen Hauptes ins Thermengebäude. 309 Parkplätze, darunter auch einige für Elektroautos, stehen zur Verfügung – für Thermenbesucher und Mitglieder des PROMOVEO Fitnesszentrums kostenlos. Angekommen und aus den Klamotten gehüpft stellt sich sogleich die Frage nach der bestmöglichen Reihenfolge unserer kleinen Auszeit. Weil er geradezu ins Auge springt, entscheiden wir uns fürs Erste zu einer Erforschung jenes Meteoriten, der da offenbar mitten ins wohlig temperierte Innenbecken geplumpst ist. Es handelt sich um eine Felslagune mitsamt beschwimmbarer Grotte. In der Höhle herrscht von früh bis spät eine beruhigende Dämmerung, die von den bewegten Bildern eines Bildschirms erhellt wird. Der Blick taucht hinab in artenreiche Riffe oder steigt hoch hinauf über den grünen Chiemgau. Das Felsmassiv hat zudem ein paar Tricks auf Lager, wie wir bei der Umrundung feststellen. Mal lässt ein Wasserfall tropische Gefühle aufkommen, mal lockern Nackenduschen auf sanfte Art Verspannungen, mal verzücken ein rotierender Wasservorhang oder farbige Fontänen das Auge.

Den Körper verzücken in den Randgebieten des gesamten Beckens schier unendlich viele Möglichkeiten, sich von Blubberblasen kitzeln zu lassen: Sprudelliegen, Sprudelbecken, Sprudelsitzbank, Einzelsprudelsitze, Nackensprudler – wie soll man sich von diesem herrlich einschläfernden Sprudeltaumel je wieder losreißen? Schließlich könnte man an der selbstverständlich nach wie vor angebotenen Aqua-Gymnastik teilnehmen, oder nach draußen weiterwandern, wo es sich im großen Außen-Whirlpool mit Blick auf den Simssee genüsslich weiterblubbern ließe. Wir beschließen, stattdessen ein paar Runden im 125 Meter langen Strömungskanal zu drehen. Eine Schwimmnudel unter die Achseln geklemmt und ab geht die Luzie! Während wir so dahinkreiseln, fallen uns weitere bauliche Veränderungen auf: Drüben, neben dem Relax-Becken mit Brücke, Schwallduschen und Massagedüsen, erhebt sich ein neues Gebäude mit großzügiger Glasfront. Da unsere Haut uns schrumpelnderweise ohnehin schon einen Vorgeschmack auf die heilige Faltigkeit gewährt, gehen wir der Sache sofort auf den Grund!

Auf zwei Ebenen sind edel und gemütlich ausgestattete Rückzugsorte entstanden, die Ruhe Lounge im Erdgeschoss und die sogar noch einen Tick komfortablere Premium Lounge darüber. Einzelliegen, Liegeinseln, Hängesessel – nichts steht gediegener Ein- oder Zweisamkeit im Wege. Durch mobile Raumtrenner lässt sich so richtig Privatsphäre schaffen. Wir gönnen uns ein Gläschen an der Teebar und einigen uns auf faire Arbeitsteilung – ungestörte Lektüre des mitgebrachten Buches auf der einen, belustigtes Beobachten der in Frischluft Badenden auf der anderen Seite. Schon ein beeindruckendes Panorama, das sich uns an diesem Novembertag bietet. Weit, weit im Südwesten winkt der weiß gekrönte Wendelstein; unten, über den Simssee, wandern Nebelschwaden; über den Auwäldern dreht ein auf dem Weg gen Süden in Bad Endorf rastendes Watvogelpaar seine Runden. Bevor wir in einem Nickerchen versinken, bleibt der Blick am gegenüberliegenden „Turm“ hängen, der nach wie vor auf zwei Ebenen die Saunawelt beherbergt – aber offenbar ebenfalls Zuwachs bekommen hat.

Eine Panorama Sauna ist auf dem Thermendach gelandet, stellen wir freudig fest, nachdem wir aus den Feuchtgebieten in die Schwitzgebiete gewechselt haben. Ein wahrlich riesiges Raumschiff, mit Wand- und Deckenverkleidung aus hellgrau gebeiztem Birkenmassivholz, basaltgrauen Bodenfliesen und unfassbar weiträumig angelegten Sitzbänken aus Abachi-Holz. Ein Saunaofen mit loderndem Ambiente-Feuer soll bei 85 Grad für eine heimelige Atmosphäre sorgen, doch mit Verlaub, darüber sieht man buchstäblich hinweg und durch die Fensterfronten hindurch, die den Blick wiederum freigeben auf diese herrliche Voralpenidylle. Kein Wunder, dass der „Sundowner-Aufguss“ schon nach kürzester Zeit als „Must-see“ gilt. Danach tut Abkühlung not. Nichts also wie hinaus in die frischluftige Loggia! Wenig überraschend melden sich nach so viel Schwimm- und Schwitzvergnügen Hunger und Durst – die sich im Restaurant Lakeside auf im Vergleich zu vorher doppelter Fläche und beidseitig der Textilgrenze ganz famos stillen lassen, hat sich die Küche doch vom Bistro-Stil auf Restaurantniveau gesteigert.

Zum Abschluss ein- oder ausdampfen? Es läuft wohl abermals auf getrennte Wege hinaus. Der eine führt ins neue Relax Dampfbad mit individuell regulierbarer Temperatur und wechselnder Luftfeuchtigkeit. (Wem die integrierte Feuer-Licht-Animation, der Blick auf die Lava-Luft-Säule und die dezente musikalische Untermalung nicht als Entspannungsprogramm reichen, schnappt sich vor dem Betreten einfach eine Hand voll des draußen bereit stehenden Kräuter-Salzpeelings – oder wartet auf eine der Peeling-Zeremonien durch den Saunameister.) Der andere Weg führt in den Panorama-Ruheraum, wo nicht nur der Ausblick punktet, sondern vor allem auch die steinerne, sanft beheizte Liegefläche. „Lieber Gott, lass mich nicht schnarchen!“, denkt man noch, dann gehen die Äuglein zu.

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