„Handgmachte G‘schichten“

Julia Schuster

Fotos: Michael Hilscher

Hinter jedem „Mamma Bavaria“-Schmuckstück von Designer Florian Weidlich steckt eine eigene Geschichte.

Als wir Florian Weidlich in unseren Verlag einluden, ahnten wir nicht, dass er die ganze Etage unterhalten würde. Am vereinbarten Tag bemerke ich seine Ankunft, weil aus dem Zimmer von Kollege Andi plötzlich ein leidenschaftlicher, nicht enden wollender Monolog zu vernehmen ist. Neugierig schlendere ich nach nebenan und erkenne das mir sonst so vertraute Büro kaum wieder: Lederhosen, Westen, jede Menge Schmuck stapeln sich auf dem Schreibtisch und auf dem Boden. „Servus, i bin da Flo“ sagt er fröhlich zur Begrüßung und fährt fort, von seiner Arbeit als Schmuck- und Klamottendesigner zu erzählen. „Mamma Bavaria“ hat er seine Marke getauft – und offensichtlich liebt er sein Handwerk wie seine Heimat.

Was fertigt der 32-Jährige in seiner Werkstatt? Zuletzt rief er die Gipfelkreuze und die „Hoamat“-Kollektionen ins Leben. Die Gipfelkreuze liegen Weidlich aufgrund ihrer starken Symbolik sehr am Herzen. Der begeisterte Bergsteiger fotografierte die Kreuze des Heubergs, Haus- und Hofberg der Rosenheimer, sowie des wohl bekanntesten Gipfels der Region – des Wendelsteins. Ihnen empfand er seine Schmuckstücke möglichst originalgetreu nach. In drei verschiedenen Größen sind die Kettenanhänger erhältlich. Die kleinen eigenen sich beispielsweise als Taufkreuze mit eingraviertem Namen. Die mittleren und großen (6,6 Zentimeter groß, aus massivem Sterlingsilber gegossen) beherbergen ein kleines Fach, in das der Träger seinen persönlichen Glücksstein legen kann. Das verleiht jedem Kreuz einen besonderen Charakter und macht ein individuelles Schmuckstück daraus, das dem Träger als Inspiration für seine Lebenssziele dienen soll.

Wer die Heimat ums Handgelenk tragen will, greift einfach zum Lederarmband „Goaßlschnalzer“. An einem Ende des handgeflochtenen Lederbandes sitzt der „Bayerische Löwe“, der in einen Ring beißt. Die Flechttechnik hat sich Weidlich quasi bei den Fuhrmannsleuten abgeschaut, die mit den „Goaßln“ ihre Zugtiere antrieben. Den Knebelverschluss zieren auf beiden Seiten zwei kleine Kronen, die an König Ludwig II. erinnern sollen. „Mehr Bayern in einem Schmuckstück geht kaum“, sagt Weidlich stolz. Die geliebte Heimat spiegelt sich natürlich nicht nur im Schmuck wieder. Den Beweis trägt Florian Weidlich am eigenen Leib: eine seiner Westen-Unikate, Ein- oder Zweireiher aus historischen Stoffen, deren Schnitt bis ins Jahr 1830 zurückreicht und die durch imposante Knopfreihen zum Hingucker werden. Zum Repertoire gehören aber auch Lederhosen, Einstecktücher oder eine komplett handgefertigte Gürtelschnalle.

Ursprünglich kannten die Rosenheimer Florian Weidlich als sympathischen Gastgeber im Weißbräu Stüberl in der Färberstraße. „Mir liegt der Umgang mit Menschen“, sagt er, „und mir liegt viel daran, einen modernen Umgang mit unseren schönen Traditionen vorzuleben.“ Aus dieser Einstellung heraus enstand dann der Plan, die Branche zu wechseln. Eines schönen Sommertages im Jahr 2011 saß Weidlich unter dem Kirschbaum im heimatlichen Garten und fädelte, anfänglich nur zum Zeitvertreib, Ketten auf. Aus Liebe zu Bayern integrierte er typische, heimische Elemente: den Löwen, die weiße Rose von Rosenheim und natürlich die Bavaria – Schutzpatronin der Bayern. Während des Rosenheimer Herbstfests verkaufte Weidlich zahlreiche Rosenarmbänder. Die Nachfrage stieg ähnlich rasant wie der Bierkonsum zu Rosenheims fünfter Jahreszeit. Für den jungen Mann ein klares Zeichen, ganz auf seine „Handgmachten G‘schichtn“ zu setzen.

Denn Geschichten stecken in allen Stücken, insbesondere in den Sonderanfertigungen, die der Kunsthandwerker besonders gern in Auf- trag nimmt. Warm ums Herz wurde ihm etwa, als ein junges Paar vom Samerberg in der Werkstatt vorbeischaute. Ihr Wunsch: Weidlich solle den von der verstorbenen Mutter des Bräutigams geerbten Goldschmuck zu besonderen Erinnerungsstücken umarbeiten. Weidlich schmolz das Gold ein und fertigte daraus Ehe-Ringe. Der Samerberger und seine Braut seien überglücklich gewesen, denn auf diese Weise wache die Mutter nun schützend über die Ehe und sei immer anwesend. Eine echte „Mamma Bavaria“ eben.

Freilich bildet von Kunden eigenhändig mitgebrachtes Material die Ausnahme. Bei der Qualität macht Weidlich aber grundsätzlich keine Abstriche. Der Rosenheimer verarbeitet nur hochwertige Rohstoffe wie Sterlingsilber, Gold und Edelsteine. Auch das Leder für seine Armbänder ist ausschließlich von höchster Qualität. Besonderen Wert legt Weidlich auf Regionalität, wenn möglich dürfen die Stoffe ruhig Historie verströmen. Alle Produkte sind entweder Unikate oder Teile von Kleinserien und natürlich von Hand gemacht. Kaufen kann man die Schätze im Online-Shop oder vor Ort in Florian Weidlichs Werkstatt, idealerweise nach vorheriger Terminabsprache. Auch auf regionalen Märkten und Messen ist er vertreten und stellt seine Produkte vor. 

 

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