Grüne Idylle mit Fluss und Teich

Claudia Bultje-Herterich

Fotos: Claudia Bultje-Herterich

Mit viel Gespür für ortstypische Bepflanzung schuf sich eine Weltenbummlerin einen Garten als Rückzugsort, der ihr Ruhe schenkt, wann immer sie heimkommt.

Vögel zwitschern in allen Tonlagen, Karpfen und Schlehen im Teich, Brutplätze für Starenvögel und eine über 100-jährige Esche, dick mit Efeu bewachsen. - Unsere Autorin hätte sich nicht gewundert, wenn ihr ein Froschkönig erschienen wäre. Dieser verwunschene Garten nahe Wasserburg am Inn ist ein kleines Wunder. Aber ohne ständige Pflege, verwandelt er sich schnell in eine grüne Hölle. Die Besitzerin hat die Garten-Idylle perfekt im Griff. 

Gleich oben am Gartentor schweift der Blick ins satte Grün, über den steilen Hang hinab, vorbei an den Hortensien und Holunderbüschen, über die Gartenhütte runter zur Attel, einem kleinen Nebenfluss des Inns. Gesäumt von Trauerweiden und gepflegten Brennnesseln fließt er direkt am Grundstück der 70-jährigen Elisabeth vorbei. Dunkelgrün, träge und geheimnisvoll. Am Ufer gegenüber Felder, ein Bauernhof. Rosen, blühende Büsche, alte Bäume, schattige Farnhaine, Hochbeete mit Gemüse.  

Wie viele Gärtner beschäftigt die zierliche ältere Dame wohl? Die Antwort: Keine! Keine? Naja, nur mähen lässt sie den 2.500 Quadratmeter großen Garten. Und im Herbst wird er „blätterfrei“ gemacht. Das ist ein jährlich wiederkehrendes Geschenk von guten Freunden. Ansonsten verbringt Elisabeth mindestens einen Wochentag komplett mit Gartenarbeiten, meist mehr. „Mein Garten ist meine Erdung, mein Rückzug. Ich neige zum Abheben, da brauche ich Bodenhaftung“, erzählt die Heilpraktikerin lächelnd. Und das ist wörtlich gemeint,  als junge Frau arbeitete sie als Stewardess und sie ist immer noch reiselustig. War letztes Jahr in Patagonien und jetzt trainiert sie gerade das Berggehen für eine Nepalreise mit ihrer 80-jährigen Schwester. Noch immer arbeitet sie vier ganze Tage in ihrer Praxis. „Ich brauche Menschen um mich und Ansprache, dann kann ich die Ruhe hier wieder genießen“, so erklärt Elisabeth ihr naturnahes Lebenskonzept.

Wir sitzen im sehr geschmackvoll eingerichteten Holzhaus, alles in erdigen Rottönen gehalten, man spürt das tolle Raumklima, der Schwedenofen ist urig und auch von hier aus sind die Blicke ins Grüne beeindruckend. „Als wir 1975 hierherzogen, war der Garten in den Grundzügen schon angelegt, aber komplett überwuchert. Tagelang haben wir gerodet und geschnitten. Lastwagenweise musste Gehölz, Gras und der Schlamm aus dem vergammelten Weiher weggeschafft werden. Ich habe das alles in mühevoller Arbeit hergerichtet“, erinnert sie sich nicht ohne Stolz. Gut, dass Elisabeths Vater Bauunternehmer war und helfen konnte mit der Logistik und schwerem Gerät.  Aber es wurde trotzdem kein englischer Garten angelegt, obwohl die vielen Schattenplätze das sicher  hergegeben hätten.

Riesige Farne, Funkien, Bux-Kugeln, aber Elisabeth Schwarzenbeck wollte es so natürlich wie möglich, „Ich liebe ursprüngliche Gärten und mag auch keine ortsfremden Gewächse. Die Brennnesseln dürfen bleiben, weil sie wichtig für die Falter und Schmetterlinge sind.“ Ihr Garten sei „nichts für ,Schöner Wohnen‘“, da ist die 70-Jährige strikt. Und wehe jemand schenkt ihr Zitruspflanzen, selbst Alpenrosen gehören für die Gartenliebhaberin nicht ins schöne Oberbayern. Auch wenn es um das Zähmen des Wildwuchses geht, hat sie eine strenge Hand: „Ich weiß, was raus muss, da hilft keine Sentimentalität, sonst ist hier alles ganz schnell wieder zugewuchert“, erklärt sie. „Früher war ich eine ganz zierliche Person, aber durch die Gartenarbeit habe ich richtig breite Schulter bekommen.“ Sie lächelt und es ist zu spüren, wie viel ihr dieser Garten bedeutet.

Und das Ergebnis rührt das grüne Herz: Auch der Bereich um den Teich ist ein idyllischer Ort. Die Insel und die Trauerweide standen schon, als Elisabeth hier einzog. Der Steg wurde immer mal wieder erneuert. Aber zum Baden wurde der Teich, der sogar eine Quelle hat, noch nie wirklich genutzt. Nein, der habe sie nie gereizt, gesteht sie, das sei doch zu sumpfig und voller Algen. Der Mensch muss Prioritäten setzen und konsequente Teichpflege hätte sie nicht auch noch geschafft. „Außerdem: Wenn dann möchte ich wirklich schwimmen, und nicht im Teich planschen. Zur Abkühlung  halte ich lieber meine Füße in den Brunnen,“ sagt sie lächelnd. Ja, alles in diesem grünen Paradies hat seine Bedeutung und seine Funktion. Um dem Steilhang die Schärfe zu nehmen, wurde ein Wildrosenbusch gepflanzt, der sich kaum noch zähmen lässt. Die Kletterhortensien am kaminroten Holzhaus sehen wildromantisch aus. Geißblatt, Storchenschnabel, Frauenmantel – heimische Klassiker, wohin man blickt. Diese Frau hat ein grünes Händchen, wie ihre fünf Schwestern übrigens auch. „Jede von uns hat noch einen großen Garten, aber alle sind komplett unterschiedlich in der Gestaltung.“ Das  ist interessant! Wir haben es gefunden, an einem verwunschenen Ort bei Wasserburg – das Garten-Gen!

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