Futter für die Seele

Julia Schuster

Fotos: Katharina Schmidmayer

Die Künstlerin Katharina Schmidmayer aus Bad Endorf verdeutlicht in ihren Werken die Verbundenheit des Menschen mit dem Sein. Das Besondere: Ihre Männer und Frauen tragen Lederhosen und Dirndl.

Zwei Frauen im Dirndl stehen beieinander. Eine neigt der anderen den Kopf zu, als wolle sie ihr etwas ins Ohr flüstern. Eigentlich nichts Besonderes, möchte man meinen. Doch die Kleider sind keine gewöhnlichen Trachten. Sie sind bunt und voller aufregender Muster. Mit ihrem Bild „Das Universum in ihnen“ will Katharina Schmidmayer eben jenes Universum verdeutlichen, das sich in jedem Menschen unter der Oberfläche verbirgt. „Was zeigt sich unter dem uns sichtbaren Äußeren? Was sind das für Strukturen, die einen durchdringen und durch die man mit anderen verbunden ist?“, lauten die Gedanken der Künstlerin zu ihrem Gemälde.

Die 37-Jährige aus Bad Endorf stellt in ihren Werken den einzelnen Menschen als Teil des Großen Ganzen dar. Auffallend dabei ist, dass ihre Figuren alle bayerische Trachten tragen – die Männer Lederhosen und die Frauen Dirndl. „Ich habe mich mit meinen Wurzeln auseinander gesetzt“, sagt Schmidmayer. „Ich stellte mir die Frage, warum sich die Menschen danach sehnen, die Gemeinschaft zu pflegen und Werte zu leben wie es beispielsweise in Trachtenvereinen der Fall ist.“ Über die Jahre hinweg wurden die Figuren in Lederhose und Dirndl immer mehr zu Symbolen für Mann und Frau. Es gehe nicht mehr um die Tracht, sondern ums Menschsein an sich. Die Tracht helfe dem Betrachter nur dabei, einen Zugang zu finden. Ihre Kunst vergleicht Schmidmayer mit einer Brücke. „Man kann sich auf der Erde verwurzeln, aber gleichzeitig dem Universum öffnen, das keine Grenzen kennt“, erklärt sie. Sie selbst sei ein weltoffener Mensch, philosophisch und an vielem interessiert, aber gleichzeitig tief verwurzelt mit ihrer Heimat.

Die Liebe zur Kunst wurde der gebürtigen Rosenheimerin, wie sie sagt, in die Wiege gelegt. Schon im Kindergarten malte sie jeden Tag Bilder. In der Schule dann brachte ihr Kunstlehrer sie auf die Idee, an der Akademie der bildenden Künste in München zu studieren. Genau das tat sie dann auch. Zusätzlich studierte sie Erziehungswissenschaften, weil sie zeitgleich mit dem Gedanken spielte, Gymnasiallehrerin zu werden. Letztendlich blieb ihr Herz aber doch an der freischaffenden Kunst hängen. Seit genau zehn Jahren arbeitet Schmidmayer als selbstständige Künstlerin.

Zum diesjährigen Jubiläum hatte sie einen Tag des offenen Ateliers geplant, der jedoch pandemiebedingt abgesagt werden musste, erzählt sie enttäuscht. Aber sie freue sich immer über Besuch in ihrem Reich. „Deswegen habe ich auch noch keinen Galeristen. Ich rede einfach gern selbst mit den Leuten“, sagt die Künstlerin. Sie wünsche sich, dass ihre Arbeiten gesehen werden, weil sie etwas zu sagen habe. „Meine Arbeit ist Futter für die Seele“, sagt Schmidmayer. „Es gibt Kunst, die aufrütteln muss und den Betrachter erschüttern soll, aber da gehöre ich nicht dazu.“ Bei ihren Bildern möchte die Künstlerin, dass der Betrachter zu sich selbst findet. Dabei stelle sich die Frage, wie der Einzelne in seinem Leben steht. Es sei eine Suche nach der eigenen Position, Form und Ausstrahlung. Ihre Arbeit beschreibt Schmidmayer so: Durch die verschiedenen Farbschichten komme es zu einer intensiven Wahrnehmung von Tiefe und Transparenz. Farbflächen und Formen lösen sich auf, Darunterliegendes komme zum Vorschein. Manches bleibe bestehen, anderes werde übermalt. „Ich glaube, alles ist im stetigen Wandel. Die Figuren ruhen aber in sich“, so Schmidmayer.

Früher malte sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Heute schafft sich die zweifache Mutter ihre Freiräume, um an etwa drei Tagen in der Woche zu malen. Sie arbeitet immer an mehreren Bildern gleichzeitig. „Man ist nicht jeden Tag in der gleichen Verfassung. Es ist abhängig vom eigenen Energielevel, ob man ein Bild malt, das größer ist als man selbst oder ob man selbst größer sein muss.“ Manchmal könne sie gut fertig malen und manchmal gut etwas Neues anfangen. Bei ihrer Arbeit richtet sie sich auch nach den Jahreszeiten. Im Frühjahr sei sie immer besonders produktiv. Diese Bilder sind dann in hellen und frühlingshaften Farben gehalten. Im Winter dagegen bedient sich die Malerin eher kräftiger Farben wie Weinrot oder Dunkelgrün. Auch zuhause tauscht sie jeweils die Frühlings- und Sommerbilder gegen Herbst- und Winterbilder – und umgekehrt. Ihre Liebe zur Kunst gibt Schmidmayer gelegentlich in Workshops in Schulen an Kinder weiter. „Das macht mir Spaß und das Schöne ist, dass ich keine Noten geben muss“, findet sie.

Bewundern kann man die Bilder im Atelier nach vorheriger Terminabsprache und in der Schlosswirtschaft auf der Herreninsel, wo Schmidmayer seit einigen Jahren schon ausstellt. Außerdem ist die Malerin aktuell an einer noch bis Ende Januar andauernden Gruppenausstellung in der Rathausgalerie in Prien am Chiemsee beteiligt.

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