Maximilian Brückners Nebenjob

Christian Topel

Bilder: Andreas Jacob

Eine restaurierte Mühle wird Heimstatt und Firmensitz.

Die alte Mühle klappert zwar nicht mehr, da unten an dem rauschenden Bach, den die Bad Endorfer dem Ortsteil nach „Antworter Ache“ nennen; doch seit kurzem erstrahlt sie wieder in einem Glanz wie zu ihren Blütezeiten. Ein Glanz, den die renommierte Hypo-Kulturstiftung im Rahmen des Denkmalpreises 2014 gar anerkennend würdigte! Wie sie heute da thront, als imposante, zweigeschossige Einfirstanlage mit Kniestock, wurde die „Siferlinger-“, später „Zenz-Mühle“ um 1820 erbaut. Das erste schriftliche Zeugnis geht auf das Jahr 1612 zurück, als die Mühle wohl zum Kloster Baumburg im heutigen Landkreis Traunstein gehörte. Im Laufe der Jahre beheimatete das Anwesen die Mühle, eine Bäckerei, ein Sägewerk und eine Landwirtschaft. Bis zu 30 Angestellte tummelten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch in dem Betrieb, bevor er in einen Dornröschenschlaf fiel. 

Wachgeküsst hat die Zenz-Mühle die Großfamilie um den Schauspieler Maximilian Brückner. Er, der sich vom Hirtenspiel der Riederinger Musikanten bis in große Kino- und TV-Produktionen spielte, seine sieben Geschwister, die teilweise auch schon Bühne und Leinwand erobert haben, sowie die Eltern stürzten sich von 2010 an in das Abenteuer „Baudenkmal-Instandsetzung“. Fährt man heute hinaus zur Zenz-Mühle, ist von der Schufterei der letzten Jahre nichts mehr zu erahnen. Das Anwesen: eine Idylle. Gänse schnattern am Bach-Ufer, Ziegen und Schafe grasen gemütlich auf der Weide, Häschen hoppeln einen Zickzack-Kurs. Doch der Blick bleibt unweigerlich an diesem blassblau strahlendem Gebäude haften. In dem zuvor völlig heruntergekommenen Gehöft – das mit dem undichten und von Schädlingen befallenen Dach, den geborstenen  Türen und Fenstern sowie dem allenthalben bröckelnden Putz eher wie ein Schutthaufen wirkte – schufen Brückners nicht nur attraktiven Wohnraum. Indem sie im hinteren Teil des Gebäudes einen mit zeitlos schönen Trachten und Accessoires bestückten Laden einrichteten, indem Dominikus Brückner mit Kompagnon Max Dhom vor Ort die umweltfreundlichen, weil  aus Bambus bestehenden Ski-“Stegga“ fertigt, und indem die Familie die um 1910 eingebaute, original erhaltene Mühlenanlage Schulklassen und anderen Interessierten zur Besichtigung öffnet, sichert sich die Familie ein gemeinsames Einkommen und trägt obendrein zur Bereicherung des Gemeindelebens bei.

Wenn Mutter Angela Brückner heute in dem schmucken Laden steht und eine Kundin beim Dirndl-Kauf berät, blickt sie mit berechtigtem Stolz auf die letzten drei Jahre zurück. Was vor allem die Brückner-Burschen da leisteten, kann sich wahrlich sehen lassen! Tochter Susanne läuft noch heute ein Schauder über den Rücken, wenn sie sich an den Anblick ihrer Brüder erinnert, die in luftiger Höhe  herumbalancierten, um zuerst die stark ramponierte Dachkonstruktion so zu reparieren, dass die historischen Sparren und Balken möglichst erhalten blieben, um das Dach schließlich eigenhändig zu decken. Schon praktisch, dass man in Dominikus einen gelernten Zimmerer in der Familie hat! Der „Stegga“-Stenz war es auch, der nach historischem Vorbild 90 neue Fenster und mehrere Türen anfertigte, ganz nach dem Vorbild jener aus der Zeit um 1820. Einige Türen aus der Erbauungszeit des Gebäudes konnte er sogar erhalten, ein paar historische Fenster reparieren. Für die herrlich hellblaue Farbe des Gebäudes zeichnet ein überraschender Fund verantwortlich: Brückners entfernten neuzeitliche  Anstriche und brachten dabei Reste des originalen Außenputzes ans Tageslicht. Diesem Farbfund gemäß strichen sie dann die Mühle.

Die Restaurationsarbeiten waren aber nicht nur handwerklicher Natur. Dominikus zum Beispiel nutzte das Familien-Projekt auch, um tief in die Geschichte von Anwesen und Ortschaft einzutauchen. Ganze Ordner an Material hat er zusammengetragen. Seiner Detektivarbeit ist es zu verdanken, dass die alte Turbine von 1910 gerade auf besondere Weise überholt wird, um nach kurzer Pause dann mit echten  Ersatzteilen des damaligen Herstellers Strom zu erzeugen. Der entpuppte sich zwar als inzwischen zum Weltunternehmen herangewachsen, konnte aber mit der alten Artikelnummer tatsächlich noch etwas anfangen. Wie gesagt, noch klappert die Mühle zwar nicht wieder, aber das Anwesen hat sich mit Leben gefüllt.

In dem Laden mit zugehöriger Änderungsschneiderei steht abwechselnd die ganze Familie, kredenzt auch mal Kaffee und Kuchen und genießt mit Besuchern die Nachmittagssonne, nachdem der passende Hut, der bequemste Janker oder das perfekt sitzende Hemd gefunden wurde. Sogar Schauspieler Maximilian steht mit Wonne hinter dem Tresen, wenn er nach anstrengenden Dreharbeiten in irgendeiner Großstadt  wieder Heimatluft schnuppern darf. Als leidenschaftlicher Trachtler hat er das notwendige Know-how über schneidige Lederhosen schließlich von Kleinauf eingeschnauft. Mit dem Mini-Bagger, erzählt er grinsend, während er aus Oberammergau stammende, handgestrickte Loferl auspackt, sei er anfangs durch den korbbogig gewölbten, damals noch das ganze Gebäude durchziehenden Mittelflur getuckert, um bergeweise zerfallenes Material ins Freie zu schaffen. Da mutet es fast fad an, wenn er heute Ledergürtel zuschneidet und mit indivduellen Schließen versieht.

Susanne, die als Musikerin bei den „Perlseer Dirndln“ und der „Riederinger Geigenmusi“ natürlich genauso trachtenaffin aufgewachsen ist, trägt mit Sorge dafür, nur zeitlose, authentische  Trachtensachen ins Angebot aufzunehmen. Auf „Weiberleid“ von jung bis alt warten liebevoll ausgesuchte Dirndlgwänder, Dirndlblusen, Blusen, Trachtenschuhe, Strickjackerl, Janker, Strumpfhosen, Taschen, Schmuck, Tücher oder Schals; auf „Mannsbilder“ Lederhosen, Trachtenhosen, Trachtenanzüge, Haferlschuhe, Westen, Hemden, Gürtel, Hosenträger, oder Strickjanker. „Wenn´s uns gfoit, gfoit´s auch de Kunden“, sagen sich die Geschwister. Und was gfoit eana? Marken wie Tostmann, Gottseidank, Meindl, Barbarino, Susanne Spatt, Halfs, Hammerschmied, Wenger, Angelika  Böhm, Grassegger, Lodenfrey, Bergvolk, oder auch die Rockmacherin – Unternehmen eben, die, wie Familie Brückner selbst, wissen, wie man Tradition und Brauchtum bewahrt, aber gleichzeitig mit der Zeit geht.

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