Frauen, die brauen

Julia Schuster

Die drei Schwestern vom Graminger Weißbräu: Die beiden Braumeisterinnen Sabine Detter und Birgit Strasser sowie Hotelfachfrau Iris Detter (von links). Fotos: Graminger Weissbräu, Andreas Jacob

In der Geschichte des Bieres war das Brauen früher Frauensache. himmeblau sprach mit Braumeisterinnen von heute.

Viele nehmen fälschlicherweise an, dass Bierbrauen und -trinken reine Männersache sei. Tatsächlich war zumindest das Brauen aber in früheren Zeiten vornehmlich eine Arbeit, die Frauen verrichteten. Schon in der Steinzeit, als die Männer zur Jagd gingen, saßen die Frauen beisammen und kauten auf Getreidekörnern, die sie anschließend in Ton-Bottiche spuckten und den entstandenen Brei später den Männern servierten. Laut des österreichischen Verbandes der Diplom-Biersommeliere war dies der erste Schritt der über Jahrtausende andauernden Entwicklung des Bieres. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über Rezepte sind etwa 4.000 Jahre alt, aus der Zeit der Sumerer. Im alten Ägypten war es Männern sogar verboten, Bier zu brauen oder zu verkaufen. Ausschließlich Frauen war dies erlaubt. Angeblich sollen Kleopatra und Nofretete auch darin gebadet haben.

Im frühen Mittelalter gehörte das Brauen zu den Haupttätigkeiten einer jeden Hausfrau. Um das neueste Gebräu der Nachbarinnen zu probieren, trafen sich die Damen des Hauses nachmittags zu regelmäßigen Bierkränzchen, aus denen sich später die Kaffeekränzchen entwickelten. Ab dem neunten Jahrhundert begannen die Nonnen in den Klöstern mit der Braukunst. Eine der bekanntesten Frauen in der Geschichte des Bieres war die Benediktinerin Hildegardis von Bingen, die als erste darüber schrieb, was der Hopfen im Bier bewirkt. Ob es wohl etwas mit dem Bier zu tun hatte, dass sie das für damalige Zeiten schier unglaublich hohe Alter von 81 Jahren erreichte? Auch Martin Luthers Gattin Katharina von Bora verstand sehr viel vom Brauen. Erst nachdem die Mönche auf die Idee kamen, flüssiges Brot (Bier) für die Fastenzeit herzustellen, wurden die Frauen mehr und mehr von ihrer Aufgabe verdrängt. 

Heutzutage steigt der weibliche Anteil der Brauer wieder langsam an. Auch wenn man als Bierbrauerin noch als Exotin gelte, so werde man doch von seinen männlichen Kollegen respektiert, erzählt Braumeisterin Stefanie Frauendörfer von der Brauerei Schnitzlbaumer in Traunstein. Man dürfe allerdings nicht zimperlich sein. „Wenn mal ein Fingernagel abbricht, heißt es, Zähne zusammen beißen und weiter arbeiten“, erzählt sie. Auch wenn Frauen in der Branche deutlich in der Unterzahl sind, so seien sie doch diejenigen mit mehr Durchhaltevermögen. Als Frauendörfer damals gemeinam mit ihrem Ehemann ihr Studium in Weihenstephan begann, hatte sie etwa 65 Mitstudenten, darunter acht Mädchen. „Beendet haben das Studium ,Brauwesen und Getränketechnologie‘ nur 18 Studierende. Doch wir Mädls haben alle durchgehalten“, erinnert sie sich lachend. 

Seit 2014 führen Stefanie Frauendörfer und ihr Mann die Traunsteiner Traditionsbrauerei. Ein Bürojob kam für die Braumeisterin nie infrage. „Ich möchte am Ende eines Arbeitstages etwas in der Hand halten, worauf ich stolz sein kann“, antwortet sie auf die Frage, warum sie sich damals für diesen Beruf entschied. Ihr persönliches Lieblingsbier ist übrigens ein helles Vollbier. Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums des Bayerischen Reinheiteitsgebots produziert die Brauerei Schnitzlbaumer extra eine neue Biersorte, den „Georgitrunk“. Probieren kann man den besonderen Gerstensaft beispielsweise auf dem Traunsteiner Frühlingsfest (6. bis 16. Mai 2016).

Süffiges Bier produziert auch der Graminger Weißbräu aus Altötting. Hier rühren gleich zwei Damen kräftig im Sudkessel. Den Schwestern Sabine Detter und Birgit Strasser wurde das Brauen in die Wiege gelegt, denn die Brauerei ist seit 1920 im Besitz der Familie. Während die beiden als Braumeisterinnen in dem kleinen Betrieb tüchtig anpacken, kümmert sich die dritte Schwester Iris Detter als Hotelfachfrau um den bayerisch-gemütlichen Braugasthof. 

Besonders liebt Sabine Detter die Arbeit im Sudhaus. Der süßliche, malzige Duft der Würze wecke bei ihr Kindheitserinnerungen, sagt sie. Oft haben sie und ihre Schwestern auf dem Malzboden gespielt. Leider könne sie der Braukunst kaum noch nachkommen, da die Verwaltungs- und Vertriebsarbeit die meiste Zeit in Anspruch nehme. Auch im Wirtshaus helfe sie viel mit. Manchmal aber fahre sie auch das Bier aus. Auf dem Altöttinger Hofdult (20. bis 29. Mai 2016) bewirten sie und ihre Schwestern das Graminger Weißbierzelt.

Dank der heutigen Technik ist der Brauerberuf deutlich leichter geworden. Mussten früher noch die schweren Fässer gerollt werden, können diese heute mit dem Gabelstapler bewegt werden. Da die in vierter Generation betriebene Brauerei allerdings relativ klein ist, fällt auch viel Handarbeit an. Das sei manchmal ein Nachteil als Frau, da man dabei den Männern oftmals kräftemäßig unterlegen sei, erzählt Detter. Zwar werde man hin und wieder etwas belächelt, aber inzwischen werden auch Brauerinnen anerkannt. Tatsächlich liegt der Frauenanteil in der Brauerbranche mittlerweile wieder bei fast sechs Prozent, Tendenz steigend.

Zurück