Fesche Überflieger

himmeblau Redaktion

Fotos: Oberhofer GmbH & Co. KG

Damit Stewardessen und Piloten selbst in den luftigsten Höhen eine gute Figur machen, kleidet die Kramsacher Unternehmerfamilie Oberhofer Airlines in aller Welt ein. 

Flugplatz Höfen bei Reutte. Es ist knapp nach sieben Uhr morgens. Dunkelweiße Regenwolken hängen schwer am Außerferner Himmel. Uns pfeift eine steife Brise um die Ohren. Auch wir selbst werden am Vorfeld heute noch ordentlich Wind machen. Mit Föhnwelle und schnittigen Sakkos. Doch zunächst heißt es anpacken. Denn so ein Set für ein Fotoshooting baut sich schließlich nicht von selbst auf. Anpacken können sie, die Oberhofers. Immer schon. Seit mehr als dreißig Jahren kleiden sie Piloten und Stewardessen in aller Welt ein. Ob Ghana oder Spanien, USA oder Libyen – die Uniformen aus dem Tiroler Dorf Kramsach haben längst ihren Siegeszug um den Globus angetreten. Die schicksten Modelle aus den letzten drei Jahrzehnten sollen heute abgelichtet werden. Während Firmeninhaber Dr. Hannes Oberhofer dem Fotografen bei der Einstellung des Lichts zur Hand geht, wirbelt Tochter Barbara durch das Flugbüro, das kurzerhand zur Garderobe umfunktioniert wurde. Zwischen unzähligen Kleiderständern, dichtem Haarspraynebel und nervös schnatternden Models behält die 30-jährige Juniorchefin mit kühlem Kopf den Überblick. Bemerkenswert. Denn schließlich sagte kurz vorher eines der männlichen Models krankheitsbedingt ab. Und weil Barbara Oberhofer genau weiß, was sie will, fragte sie kurzerhand unseren Anzeigenchef Andreas Altmaier, ob er nicht Lust hätte, eine Zweitkarriere als Fotomodell ins Auge zu fassen: „Der Andi schaut genau so aus, wie ich mir meinen Piloten vorgestellt habe.“

Eine gewisse Hartnäckigkeit ist den Oberhofers nicht abzusprechen. Denn weder die Textilwirtschaft noch die Luftfahrt sind ein einfaches wirtschaftliches Pflaster, erzählt Hannes Oberhofer: „Als wir in diesen Markt eingestiegen sind, haben wir die zwei Problembranchen verbunden. Beiden ging es extrem schlecht. Die heimische Textilwirtschaft litt unter der Auslagerung nach Fernost und die Fliegerei war wieder einmal in ein schwarzes Loch der Weltwirtschaft gestürzt.“

Dennoch bewies der studierte Wirtschaftswissenschafter das richtige Gespür für die Bedürfnisse des Marktes. „Denn wir haben von Anfang an verstanden, dass es nicht reicht, einfach nur hübsche Uniformen zu entwerfen und sie dann irgendwo zusammenschneidern zu lassen. Wir verstehen uns als Dienstbekleidungsmanager. Vom Entwurf über die Auslieferung bis hin zum Lagermanagement bieten wir unseren Kunden einen Rundumservice an.“ Auch bei der Qualität will das Familienunternehmen keine Kompromisse eingehen. Sämtliche Garne und Stoffe werden in Österreich hergestellt, die Frauen Oberhofer Senior und Junior fahren höchstpersönlich zu den Kunden, um Maß zu nehmen und die hauseigenen Schneiderinnen sorgen dafür, dass alles ganz genau sitzt, passt und Luft hat. Weltweit heben mehrere Tausend Cabincrews im maßgeschneiderten Zwirn aus Kramsach ab. In einem ebensolchen steckt jetzt auch unser Andreas. Die Regenwolken haben sich inzwischen verzogen und die ersten Sonnenstrahlen blitzen schüchtern über die Bergspitzen. „Perfektes Licht“, murmelt Fotograf Gerhard Beer und verschwindet gleich wieder hinter dem Sucher seiner Kamera.

Am Set herrscht beste Laune. Die Leidenschaft von Familie Oberhofer für ihr Tun ist förmlich spürbar. „Wir haben wohl eine Mischung aus Kerosin und Garn in Blut“, meint Barbara im Vorbeilaufen lachend.

Den uralten Traum vom Fliegen haben sich die Männer der Familie schon früh erfüllt. Die Affinität zu schönen Schnitten und perfekt sitzenden Röcken kommt sprichwörtlich aus Großmutters Zeiten. Denn Hannes Oberhofers Mutter führte ein Damenbekleidungsgeschäft. Genau dort, wo sich heute der Firmensitz befindet. „Mit Mode hat unser Business allerdings nichts zu tun“, meint Barbara. „Wir machen High-End-Arbeitsbekleidung, die den höchsten Ansprüchen gerecht werden muss. Da haben sogenannte Trends nichts verloren. Unsere Uniformen sollen stilvoll, praktikabel und zeitlos sein. Im Cockpit und anderswo“. Die Firma stattet nicht nur Airlines aus, sondern zeichnet auch für die Bekleidung von Zugbegleiterinnen oder Schiffskapitänen verantwortlich. Diese „Corporate Fashion“ ist das zweite Steckenpferd von Familie Oberhofer. Doch heute dreht sich alles um die Faszination Fliegen. Am Flugplatz in Höfen haben sich mittlerweile zahlreiche Schaulustige eingefunden. Die auf Hochglanz polierten historischen Flugzeuge sind natürlich echte Hingucker. Und die Models auch. „Fesche Überflieger sind das“, meint einer der Zaungäste. Recht hat er.

www.airlineuniform.com

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